Stürmischer Abschied – Letzter Aufstieg am Belchen

Ich kann mich noch genau an meinen ersten Aufstieg erinnern. Es war ein warmer sommerlicher Nachmittag und der Belchen zeigte sich mir in einer traumhaften, farbenfrohen Natur.

Das satte Grün der Wiesen und die aufblühenden verschiedenen Baumarten, das stark leuchtende Violett der Glockenblumen, die Gräser und die reich an Ernte aussehenden Sträucher der Heidelbeeren, haben mich damals sofort in ihr, urig wirkendes Landschaftsbild gezogen.

Ich hatte das Gefühl, mich in den fast sorgenfreien 50,-iger Jahren zu befinden, die lauten Verkehrs,- und Großstadtgeräusche waren ganz weit weg und die Natur erinnerte mich an die Landschaft eines Heimatfilmes, wo alles so schön friedlich und wohlgesonnen ausgestrahlt wurde.

Seit diesem ersten Aufstieg sind unzählige Fotos zu jeder Jahreszeit entstanden. Ich zeige euch hier mal nur eine kleine Auswahl jener, die ich in meinem Archiv noch gefunden habe.

Warum nun ein Abschied?

Im Leben müssen wir oftmals Veränderungen wahrnehmen und annehmen. Ich hatte mir nie vorgestellt, dieses Fleckchen Erde jemals wieder verlassen zu müssen und doch habe ich nun für mich die Entscheidung getroffen, den Schwarzwald schweren Herzens den Rücken zu kehren und wieder in die Richtung meiner Heimat zu ziehen.

Zu meinem letzten Aufstieg auf den Belchen, begleitete mich meine liebe Schulfreundin. Sie hat extra zwei Stunden Anfahrt auf sich genommen, um mit mir mal eine Sonnenaufgangstour zu unternehmen.

Sie reiste somit schon am Abend zuvor an. Diesen nutzten wir für ausgiebige Gespräche. Doch zu spät sollten wir auch nicht zu Bett gehen, denn wenn wir die Sonne aufgehen sehen wollten, dann sollten wir zeitig aufstehen.

Ich plante etwas mehr Zeit für den Aufstieg ein, da ich selbst auch schon sehr lange nichts mehr für meine Ausdauer getan hatte und ich zusätzlich zwischendurch inne halten werde, wollte ich doch alles nochmal so richtig in mir aufnehmen. Wir starteten somit ca. 4.00 Uhr oberhalb von Neuenweg im kleinen Wiesental.

Ich entschied mich bewusst für diese Seite zum hinauf laufen, denn von hier aus ging es damals beim ersten Mal auch hoch.

Der Urweg ist in meinen Augen, einer der schönsten Varianten zum Besteigen des Belchen. Nicht zu steil und nicht zu unwegsam, gerade auch, wenn das Tageslicht noch nicht seine ganze Helligkeit erreicht hat.

Schon nach kurzer Zeit lag der erste Abschnitt hinter uns und wir gelangten an die Kuhweide, wo man entweder dem Urweg über die Weide entlang den Serpentinen ähnelnden Trampelpfade folgen kann oder man nimmt den rechts am Berg entlang verlaufenden breiteren Forstweg.

Es wollte die Sonne noch lange nicht aufgehen und so nahmen wir den uns sicherer erscheinenden, rechts verlaufenden Weg an.

So konnten wir noch etwas entspannt uns unterhalten, da der Weg sich mit nur leichter Steigung am Berg entlang schlängelte. Dabei legten wir uns ein kleines Zeitpolster zu, welches wir später in Anspruch nehmen könnten, wenn es dann an die Höhenmeter geht.

Die Vögel fingen an zu zwitschern und das sagte uns, der Morgen naht in großen Schritten. Der Tag brach langsam an.

War es im Wald uns beim laufen schon mal etwas warm geworden, so mussten wir schnell feststellen, dass wir, je näher wir dem Gipfel kamen, an diesem Sonntagmorgen ein ordentliches Lüftchen pfiff. Somit packten wir uns in die winddichte Kleidung, die wir vorsorglich mitgenommen hatten und nahmen die letzten Meter zum Gipfel in Angriff.

Die Sonne ließ sich zwar nicht wirklich blicken und die Wolken zogen durch den kräftig blasenden Wind nur so über uns hinweg. Das Morgenrot kam dadurch auch nicht in seiner so gewohnten farbenfrohen Pracht zur Geltung. Wir trotzen dem windigen Gesellen und liefen dem Tagesanbruch entgegen.

Fast geschafft, von hier aus trennt uns nur noch eine kleine Kurve, dann sind wir auf des Belchens unverkennbar Baumlosen Kuppel.

Heute mit einer extra Portion Luft. Aber wir bleiben eisern und stemmen uns gegen den Wind. So einfach lassen wir uns nicht vertreiben!

Heute zeigte sich der so sanfte Riese aus dem Süden des Schwarzwald von seiner nicht so schönen Seite. Ist er doch sonst als der Schönster im Lande bekannt, sogar nominiert.

Ich hätte meiner Freundin gern einen atemberaubenderen Sonnenaufgang gegönnt.

Denn wenn sich das schimmernde Licht des Morgenrots und die wärmenden Strahlen der Sonne über die schlummernden Berggipfel des Südschwarzwaldes anschleicht und sie sanft umschmiegt, das ist ein so schöner magischer Moment. Man fühlt sich viel entspannter.

Schade, an diesem Morgen, gab es nur ein kleines Morgenrot 🥴

Je näher wir nun dem Gipfelkreuz kamen um so unliebsamer wurde der Wind, er stürmte uns regelrecht entgegen und pfiff uns um die Nase. An diesem Tag könnte man meinen, der Belchen hat den Wind extra bestellt, um uns Frühaufstehern zu sagen: „was wollt ihr denn ständig so zeitig hier oben, kann denn ein Berg nicht auch mal ausschlafen, an einem Sonntag! Reicht es euch denn nicht, wenn ihr sonst zu jeder Tag und Nachtzeit hier auf meiner Runden Kuppel herumtrampeln dürft?“

So schritten wir dann doch lieber dem Abstieg entgegen, mal schauen, ob das Wetter uns heute noch überraschen kann.

Wir liefen den Rundweg zum Belchenhaus hinunter, nur ein paar wenige Fahradfahrer und Wanderer, die ebenso wie wir zum Sonnenaufgang den Weg auf sich genommen hatten, trafen wir hier an.

Für den Abstieg hab ich den Urweg mit dem Verlauf über die eingegrenzte Kuhweide ausgewählt. Wie schon erwähnt, ist das für mich, einer der schönsten Wege.

Er schlängelt sich abwechslungsreich, serpentinenartig, durch kurze Waldstücke und Wiesen am Berg hinab.

Oberhalb ist die Vegetation noch sehr karg und urig. Läuft man am Anfang auf schmalem Trampelpfad an der Weidefläche entlang, muss man hier und da schon mal über einen kleinen Felsen steigen.

Dann gesellen sich Büsche und knorpelige Bäume dazu, zwischendurch größere Felsbrocken, bis man in das erste Waldstück kommt und man von Buchen, Eichen und paar wenigen Fichten umgeben ist. Hauptsächlich besteht dieser Wald hier aus Laubbäumen.

Es war immer noch sehr windig und die Aussicht war auch sehr mit grau-blauen Schleierwolken verhangen, daher tat der Wald recht gut, so fegte uns der Wind nicht gar so ins Gesicht. Hier waren wir etwas geschützter vor seinen pfiffigen, aufgeblasenen, herumwirbelnden Gemüt, an diesem Sonntag.

Zwischen den Bäumen tat sich immer mal ein Ausblick auf, doch von Sonne war weiterhin nicht viel zu sehen. Nicht mal in Ferne.

Man konnte gerade so den Hochblauen noch erblicken, danach verschwand die Welt dahinter in Wolken. Auf der Schweizer Seite das selbe Spiel, kein einziger Berggipfel war zu erkennen, was sehr schade war.

Aber nun ja wir ließen uns die Laune nicht verderben, plauderten über dies und jenes, machten trotzdem paar Fotos zwischendurch und dann tat sich auch schon das Tor zur Viehweide auf.

Zu dieser Jahreszeit stand noch keine Kuh hier oben, denn die werden ja erst im Mai aufgetrieben, je nach Wetter, denk ich mal. Vor paar Jahren bin ich mal hier den Weg ebenfalls runtergelaufen und unten kam dann ein neugieriger Jungbulle entgegen.

Das war eine etwas knifflige Situation, da man nie weiß, wie so ein Tier reagiert und ob man wohl gerade dann eine falsche Bewegung macht. Der Abstieg damals ging dann zum Schutz eher querfeldein runter und unter dem Elektrozaun auf die andere Seite. Es war eine kleine Tortur, aber sicherer für Mensch und Tier. Man sollte seine Grenzen nicht ausreizen, oder seinen Schutzengel überstrapazieren, wenn man ausweichen kann.

Durchs Tor hindurch, hätte man eigentlich einen super schönen Ausblick 🤷🏻‍♀️

Ab hier verlief der schmale Weg auf freiem Gelände, von hier aus hat man sonst einen schönen Weitblick über das Vordere Wiesental bis in die Schweizer Bergwelt. Naja die müssen wir uns heute denken.

Weiter hinab ging es zu einem gemütlichen Plätzchen, ideal um Vesperpausen einzulegen, mit Blick über das Örtchen Neuenweg und dem Kleinen Wiesental. Oder zur anderen Seite nochmal zum Hochblauen im Kandertal.

Wie oft saß ich hier oben und schaute in die so liebliche Landschaft, die Berge wenn so ineinander verfließen, das hat mir immer am meisten gefallen. Wenn dann im Herbst oder zu ganz früher Morgenstunde der Nebel an den Hängen hinauf schwebte oder über die Wiesen glitt, war es für mich ein beruhigender Anblick. Ich nehme diese Bilder in meinen Herzen und Gedanken mit mir.

Nun verlief der Weg an einer offenen Wiese entlang, wir folgten seinem geschlängel und erfreuten uns daran, dass nun die Sonne sich ein wenig durch die dichte Wolkendecke versuchte durchzusetzen. Hin und wieder gelang ihr dies, was uns die Wanderung zum Ende zu wieder etwas angenehmer machte.

Meine Freundin und ich genossen ihre wärmenden Strahlen, so blieben wir auch öfter mal stehen und blinzelten ihr entgegen.

Genau diese Momente mag ich am meisten auf diesen frühen Touren. Wenn die Sonnenstrahlen so langsam die Erde berühren und die Tautropfen auf den Gräsern und den Blüten der wild wachsenden Blumen glitzern in ihrem warmen Schein. Alles erstrahlt, die Welt erwacht ganz langsam und in aller Ruhe. Herrlich ist das und ich empfinde ein so friedvolles Gefühl ringsherum.

In diesen kurzen Augenblicken atme ich tief ein und lass den Blick um mich herum schweifen, ich nehme diese morgendlichen Eindrücke bei jedem Atemzug in mir auf, das tut gut und gibt mir Kraft weiter zu machen.

Wir gelangten an das untere Tor der Weide und befanden uns nun an der Ausgangsstelle, wo wir vor wenigen Stunden den rechten Weg zum hinaufgehen genutzt hatten. Von hier aus war es nicht mehr weit zum Parkplatz.

So liefen wir schlendernd bergab, bis wir an eine Bank kamen und dort setzen wir uns für eine kurze Rast. Ideal um noch einmal inne zu halten und Brotzeit zu machen.

Ein letzter Blick zurück

Ich bin froh, dass zu diesem letzten Aufstieg mich zum einen, meine Freundin begleiten hat und zum anderen, das Wetter so windig war. Hätte es den ultimativen Sonnenaufgang an diesem Tag gegeben, wäre es für mich zu schwer geworden, dieses wunderschöne Fleckchen Erde, hinter mir zu lassen.

Natürlich, es gibt unzählige schöne, atemberaubendere Landschaften, aber wenn man einen bestimmten Ort jahrelang als sein zu Hause ansieht, dann ist es nicht einfach nur eine weitere schöne Gegend sonder eben ein Stück Heimat.

An der alten Grenzmauer, Belchen Aufstieg bei Hinterheubronn/Münstertal

So kommen wir nun trotz des stürmischen Abschiedes vom Belchen glückselig am Auto an und sind doch rundum zufrieden mit diesem windigen Morgen. Es war eben eine tolle Erfahrung und ich danke meiner Freundin, dass wir diesen Tag gemeinsam erleben konnten. Selbst nach fast 10 Jahren, die wir uns nicht gesehen haben, war es das selbe vertraute Gefühl mit ihr zu plaudern, so wie früher, als wir noch den selben Schulweg hatten…

Am Ende zählt nur, was du im Herzen mit dir trägst.

Ich denke an die schönen Wanderungen durch die urigen Wälder, mit glasklaren Qhellen, rauschenden Wasserfällen und plätschernden Bächlein, naturbelassene Seen. Wenn ich meine Augen schließe bin ich dort, träume vor mich hin und laufe in Gedanken die bekannten Wege. Stehe auf dem Belchen und schaue über das liebliche Wiesental…

http://www.schwarzwald-tourismus.de

http://www.loerrach-landkreis.de

http://www.dreilaendereck.de

Die Ruhe vor dem Sturm…

In der Natur gibt es viele Arten von Stürmen, Sandstürme, Blizzards, Tornados, Hurrikans, aber so kurz vor der Weihnachtszeit gibt es bei denen die im Einzelhandel arbeiten noch eine ganz andere Art von Sturm. Jene, wo hinter einer Theke arbeiten und die Menschheit mit ausgefallenen Gerichten zum Feste beraten und versorgen, wissen wahrscheinlich jetzt, von welchem Sturm ich rede. Ja die alljährlichen Fragen zum Festessen und die Bedenken der kurzzeitig ernannten Köche, wo mit der ein oder anderen Zubereitungsart Sorgen haben, ja die stürmen nun zu uns Fachberatern an die Theke und hoffen auf unser Wissen. Die ein oder andere Frage, lässt uns schon manchmal die Haare dabei zu Berge stehen, aber genau für die sind wir geschult worden. Somit werden wir auch dieses Jahr wieder mit aller Kraft, beratend und Rezepte vorschlagend, Tipps gebend an den Theken des Landes stehen, um den Weihnachtsdinnern Vorbereitenden bei ihrer Küchenschlacht Rückhalt zu geben, damit sie sorglos und stressfrei mit ihren Liebsten gemütlich und genussvoll die Festtage genießen können.

Um nicht völlig drei Tage erschöpft unterm Weihnachtsbaum, luftschnappend zu landen, wollte ich nochmal Kraft tanken. Und wo kann ich das nicht besser, als in der Natur. Also zogen wir am Sonntag los und genossen zur Mittagszeit, die durch die klare Luft hindurch scheinenden, wärmenden, Sonnenstrahlen. Wir fuhren hinter ins Kleine Wiesental, hoch nach Gresgen, auf Rümmelesbühl, dort hat es mir schon Anfang Jahr sehr gut gefallen und es wirkt so heimelig, lieblich, genau richtig für eine kleine Auszeit im Alltag.

Diesmal nahm ich meine Kamera mit und so ging ich gedankenverloren und in der Landschaft schwelgend den Weg entlang, auf der Suche nach schönen Motiven zum Fotografieren. Bevor ich euch hier mit meinen Bildern, eventuell ebenfalls zur Ruhe kommen lasse, wünsche ich euch allen eine ruhige, friedliche, besinnliche Weihnachtszeit im Kreise eurer Familien. Genießt die Feiertage und lasst euch die vor allem mit Liebe und viel Arbeit verbundenen Weihnachtsmenues schmecken. Bleibt gesund und wir sehen uns gewiss nochmal, bevor das Jahr vorüber geht. Euer gehpaeck Team Heike und Jürgen

November Rain – Spaziergang zwischen den Regentropfen

Für diejenigen, wo bei der Überschrift gedacht haben, ich schreibe hier den Songtext des bekannten Welthits der berühmten Rockgruppe Guns N‘ Roses , dann muss ich euch sogleich enttäuschen. Der Titel ist mir als erstes in den Sinn gekommen, als ich neulich im November einen kleinen Spaziergang unternahm, trotz Regenwetters. Nachdem ich 8 Tage flach lag, und mal so gesagt Hausarrest hatte, war ich froh am neunten Tag endlich mal wieder paar Schritte weiter machen zu dürfen, als nur vom Bett zur Couch und wieder zurück. Es zog mich einfach raus, ich warf einen Blick aus dem Fenster und beobachtete den Regen, nach einiger Zeit ließ er etwas nach und schwups schlupfte ich in angepasste Kleidung und ging vor die Tür. Ich wollte die gewohnte Strecke laufen, da dürfte ich so in einer Dreiviertelstunde wieder daheim sein, das sollte reichen für den ersten Ausgang.

So lief ich den Weg hinter zu der Stauanlage an der Wiese entlang, wo hier fließt, bei den Gärten vorbei. Nach nur ein paar Metern fing ich schon die ersten Motive ein und kam richtig in Schwung dabei.

Ich lief recht beschwingt, der Regen machte mir nichts aus. Meine Gedanken schweiften um den Monat November. Warum ist er eigentlich jedes Jahr so verrufen? Kalt, dunkel, nass, grau, nebelig, das sind die Worte die ich zu hören bekommen, wenn es um den November geht. Also ich finde es ist ein toller Monat, er bietet Zeit, nochmal das Jahr Revue passieren zu lassen, bei einer heissen Schokolade in angenehm gewärmter Stube, wenn man nicht hinaus gehen möchte. Man kann zu Hause mal paar liegengebliebene Dinge aufarbeiten, oder schon Pläne für das kommende Jahr schmieden. Und wenn man sich dann doch mal in die Natur traut, zeigt sich diese in ihrem ganz eigenen wunderschönen Kleid. Die Bäume sind noch teilweise in einem warmen Grün und die Wege werden von bunten Blättern bedeckt, manchmal schauen sie aus, als hätte jemand einen rotbraunen Teppich ausgerollt. Über die Wiesen schwebt sanft wie ein Schleier der Nebel hinweg, als würde die Welt schlafen gelegt, eine besinnliche Ruhe strahlt dies aus.

Ich bin nun doch schon fast eine Stunde unterwegs, so langsam schwindet das Licht hier oben im Wald und ich mache mich auf den Rückweg. Ich entdecke noch ein paar schöne Motive, welche ich mir nicht entgehen lasse, sie bildlich festzuhalten. Mir kommt noch die Idee, die Bahngleise zu fotografieren in dieser abendlichen Stimmung und ich bin mit dem Ergebnis ganz zufrieden. Aus sicherer Entfernung warte ich noch auf den hier vorbeifahrenden Zug, ich möchte mal was Neues ausprobieren, so halte ich mein Handy bereit zum abdrücken. Huiiii, schon donnert er an mir vorbei, ich drücke den Auslöser. Sofort blicke ich auf mein Display, um zu sehen, ob ich Erfolg hatte und war für meine Sicht der Dinge positiv überrascht.

Nun wird es aber doch langsam Zeit, dass ich nach Hause komme. Völlig zufrieden mit den eingefangen Eindrücken eines Spaziergangs zwischen den Regentropfen in einer mir sich, von ihrer ebenfalls, schönen Seite zeigender Natur, kam ich an diesem November Abend glücklich zu Hause an. Sogleich machte ich mich an die Bearbeitung der Bilder und stellte fest, zu jeder Jahreszeit gibt es Dinge, für die es sich lohnt vor die Tür zu gehen, es muss nicht immer die Sonne dafür scheinen, man muss nur besser hinsehen.

Säuling – Eine majestätische Begegnung

Wer diesen Blogverlauf gefolgt ist, wird sich eventuell wundern, dass jetzt hier nicht die zweite Etappe unserer Sommertour 2021/22 erscheint, sondern stattdessen der Säuling. Dieser befindet sich natürlich nicht im Schwarzwald, sondern im schönen Königswinkel des Allgäu. Genau gesagt ragt er direkt hinter dem Märchenschloss König Ludwigs bei Füssen empor. Mir liegt diese Tour aber am Herzen und da ich euch noch relativ zeitgleich dazu mitnehmen möchte, entschloss ich mich, sie kurzerhand noch auf den Blog zu bringen, bevor wir dann entspannt weiter durch den Schwarzwald wandern. Ja, ich habe bewusst die Sommertour als entspannt bezeichnet, da wir beide, mein Mann und ich auf dem Säuling an unsere Grenzen gegangen sind. Ich muss gestehen, wir laufen so oft es uns möglich ist und es darf gern mal in die Höhen gehen, aber mit dem ganzen Arbeits, – und Freizeitpensum, welches wir bewerkstelligen, war der Säuling dieses Mal für uns eine Herausforderung, obwohl wir sonst nicht schlecht zu Fuß sind. Was war dieses Mal anders, als bei unseren sonstigen Bergtouren?

Das war so. Wir arbeiteten beide bis zur letzten Minute, am letzten Freitag im September. Das Auto war noch in der Werkstatt, es sollte gleich noch die Sache mit den Winterreifen erledigt werden, ohne leidige Komplikationen ging das natürlich nicht von statten. Falsche Reifengröße wurde geliefert, die Nachlieferung kam erst am späten Nachmittag und wir saßen wie auf Kohlen, dass unser Mechaniker es noch halbwegs in einer passablen Zeit fertig montieren konnte, der arme Mann war wie wir fix und fertig, wollte er doch uns nicht den Urlaub verderben. Mit drei Stunden Verspätung konnten wir endlich losdüsen, fast vier Stunden Fahrt lagen vor uns und auf uns kam es an, den Schlüssel für das Gelände, ( Beitrag: Füssen- Und ein Sahnehäubchen…) welches wir gemietet hatten, bekam nur mein Mann als Ansprechpartner ausgehändigt. Alles wartete daher schon auf uns. Wir mussten ja noch unser Lager aufbauen, fast Mitternacht und mit beschränkter Lichtquelle.

Nach 1,5 Stunden waren wir mal provisorisch eingerichtet, somit gönnten wir uns mit Burkhard und Udo noch ein Betthupferl, alles weitere geht morgen bei Tageslicht viel besser.

Ja Tageslicht hatten wir und Nieselregen, welcher mal stärker und mal schwächer wurde. Für dieses Oktoberwochenende war ein Treffen mit einigen ehemaligen Kameraden der Bundeswehr angesetzt, der ein oder andere wollte ebenso, wie wir campen. Na das kann ja feucht fröhlich werden, bei anhaltenden Regen. Nach und nach kam der nächste angereist und es wurden zwei größere Zelte aufgebaut. Ein Lagerfeuer errichtet und der erste Abend wurde eingeleitet… huiiii war die alle glücklich und der Regen schien niemanden zu stören, mit ihren Bierchen in der Hand, am wärmenden Feuer, war die Welt in Ordnung.

Wir genossen das Beisammensein bis zum Montag, der Feiertag kam gerade recht, die meisten nutzten das lange Wochenende, um glückselig unter Gleichgesinnten in Erinnerungen zu schwelgen. Zwischendurch hatte die Sonne auch mal auf uns herunter geschienen, so das, dass ein oder andere Kleidungsstück wieder trocknen konnte. Es war für mich und Jürgen ein sehr schönes Wochenende, auch wenn wir für das leibliche Wohl sorgten, war es eigentlich wie eine große Familienfeier. Am Montag Mittag hieß es dann, für längere Zeit wieder Abschied nehmen und für unser Orgateam … ja abbauen, so nass, wie die Zelte nun auch waren.

Da saßen wir nun, Jürgen und ich, nur noch zu zweit, in Füssen. Jetzt konnte unser Urlaub beginnen, als erstes suchten wir eine Unterkunft, da wir ja nun schon mal aufs Camping eingestellt waren, stand auch gleich fest, dass wir dabei blieben. So fanden wir einen wirklich wunderschönen Platz auf dem Areal vom Campingplatz Bannwaldsee. Herrlich, so eine heisse Dusche , in sauberer Anlage, also die kann einem richtig Lebenskraft zurückgeben. Die Sonne begleitete uns bis in den frühen Abend hinein, so das wir die feuchten Klamotten aufhängen konnten, das Auto mal durchlüftet, so schliefen wir gleich nochmal so gut und bequem ein.

Am Dienstag organisierten wir ein paar Dinge für uns, so dass wir am Mittwoch ausgeruht und voller Willenskraft an die Bergtour über den Säuling aufbrechen konnten. Immerhin hatten wir noch eine Herzensangelegenheit eingebaut, der wir auch gerecht werden wollten.

Endlich ging es los! Bergstiefel geschnürt, Tagesrationen im Rucksack verstaut und noch ein Maskottchen neben unseren Rabe Munin mit eingepackt, Mr. Pfiff Ikus , er sollte den Startpfiff geben, für unser Video. Wir parkten unser Auto unterhalb von den Königsschlössern und folgten den Wegweisern , Säuling 4.45 h stand da auf der Beschilderung, da ist nur der Aufstieg damit gemeint. Na dann mal los, immer schön bergauf.

Den ersten Stopp machten wir auf der Marienbrücke, ich war noch nie dort ganz drüber gelaufen, wollte auch unbedingt noch Neuschwanstein von dieser Seite fotografieren.

Weiter ging es den breiten Forst,-und Wanderweg aufwärts, bis wir kurze Zeit später eine kleine Pause machten. Nein , nicht etwa um zu verschnaufen, sondern den ersten Teil der Aufgabe zu erfüllen, welche wir umsetzen wollten. Hierbei ging es, um etwas tiefgründigeres.

Wir unterstützten, stellvertretend im Namen von Fernspäher-helfen e.V., den Spendenlauf für eine befreundete Kameradschaft, welche damit auf gefallene Kameraden, aufmerksam machen möchten. Auf einer Strecke von mindestens 10 km, sollten 116 Liegestützen absolviert werden. Jeder Liegestütz steht für einen im Einsatz gefallenen Kameraden. Also runter auf den Boden und die ersten 20 gestemmt. ❤️

Nach diesem sportlichen Stopp, ging es weiter hinauf, bis wir direkt unterhalb des Säuling standen. Hier legten wir aber eine kurze Pause ein, ein Schluck trinken, einen Power Riegel und weitere 20 Liegestützen ❤️

Danach folgten wir dem schmalen Pfad aufwärts führend in den Wald. Wir stiegen über die ersten Wurzeln und die ersten Steine hieß es zu übersteigen, es wurde anstrengender, doch die urig wilde Natur hier macht es lohnenswert. Die alten knochigen Bäume wiegten sich in der lauen Morgenluft.

Die Temperatur war auf dieser Seite des Berges sehr angenehm, wir liefen auf der schattigen Seite und im Schutz der Baumkronen. Schon bald kamen wir an eine kleine Hütte, hier hielten wir an und es gab das erste richtige Vesper, dazu heißen Tee und weitere 20 Liegestützen. ❤️ Die Wildsulzhütte auf 1.430 m üNN, eignete sich hervorragend, um nochmal Kraft zu tanken für den nun vor uns liegenden Aufstieg.

Diesen Abschnitt der Tour habe ich sehr genossen. Man steigt kurz ein paar Meter hinauf und danach verläuft der schmale Weg relativ gerade am Berg entlang, bevor er oben auf den Anfang vom Klettersteig ( Kategorie A/B) trifft. Dazu hat man immer wieder einen guten Blick rüber zu den ebenfalls sehr empfehlenswerten Tegelberg und Brandenschrofer, das sind die Ausblicke, die mich immer wieder antreiben, solche Bergtouren in Angriff zu nehmen und natürlich das Glücksgefühl oben anzukommen, wie ebenso gesund wieder runter vom Berg.

Da standen wir nun also vor der letzten Etappe des Aufstiegs, der Klettersteig führt uns direkt auf das Plateau des Säulings. Paar Höhenmeter weiter, entschieden wir uns einen Teil des Videos aufzunehmen, somit hieß es zwischendurch den einen Abschnitt zweimal klettern und damit wir nicht einrosten, gleich die nächsten 20 Liegestützen ❤️

Gegen die Mittagszeit überwanden wir die letzten Meter bergauf, um dann das weite vom Herbst gefärbte Plateau zu erreichen. Hier ließen wir uns erstmal auf der Wiese nieder. Wir verweilten einige Minuten und genossen die unendliche Aussicht, in die ringsum liegenden Ammergauer Alpen. Der Tegelberg und Brandenschrofer in voller Größe, der Forggensee und das Schloss Neuschwanstein sahen von hier ganz klein dagegen aus und auf der anderen Seite herunter geschaut lag dort das österreichische Reutte, mit der weiten Bergwelt Österreichs. Wir liefen noch ein Stück hoch in Richtung Gipfelkreuz, da wir dort die verbliebenen 36 Liegestützen absolvieren wollten. Doch es kam etwas anders, die Sonne brannte uns regelrecht auf die Haut und wir entschlossen uns, die Liegestützen auf dem Plateau zu vollenden , da wir noch Kräfte für den Abstieg brauchten. So bauten wir die Handys zum Fotografieren auf und brachten uns in Position, dann ging es wieder runter und 1, 2, 3… 36 Liegestützen mit unermüdlicher Willenskraft stemmten wir diese, bis zum letzten Schweißtropfen. Wir erhoben uns und hielten einen Moment inne.

So langsam sollten wir den Abstieg angehen, wer weiß schon, was einem an so einem Berg noch begegnet oder das Sonnenlicht noch anhält. Wir kletterten also vorsichtig den Klettersteig zum Säulinghaus ( 1720 m ü.NN ) hinunter, diesmal kam er mir irgendwie herausfordernder und länger vor, als vor drei Jahren, somit war ich froh , als wir ihn hinter uns ließen und das Gasthaus vor uns lag.

Die Sonne stand mittlerweile etwas tiefer und brannte unerlässlich auf uns nieder, so gab es schnell noch mal was gegen den Durst, dann ging es zügig weiter. Wir entschieden uns ja die Rück- Tour um den Pilgerschrofen ( 1759 m ü.NN ) zu nehmen und so lag das weite Geröllfeld ohne Schatten, vor uns. Unter der Herbstsonne, das zerrte an meinen Kräften. Ich sehnte mich nach dem Schutz der Bäume, von weiten konnte ich sie schon sehen, aber ich hatte nicht das Gefühl das ich näher kam. 🥵

Doch irgendwann kamen wir dann in den Genuss, unter einem Baum im Schatten zu verschnaufen und genossen die schönen weiten Ausblicke ins Lechtal.

Der schmale Pfad führte direkt am Felsen entlang, der Boden wurde wieder etwas bewachsener und unter dem Schutz der Bäume war es dann auch angenehmer zum Laufen. Und doch urplötzlich musste ich innehalten. Ich stoppte Jürgen im Gespräch und deutete ihm mit einem Handzeichen, dass wir jetzt ganz ruhig sein sollten. Ganz schnell lag eine friedliche Stille um uns herum, nicht mal den Atem hörte man noch. Keine 10 Meter vor uns standen sie, seelenruhig beim Abendessen, mitten auf dem Weg, auf welchen wir entlanglaufen wollten, um nach unten zu gelangen.

Wir befinden uns ja, wenn wir hier in der Füssener Region wandern, ob nun Tegelberg oder Säuling oder eine andere Tour, im wunderschönen Königswinkel. Benannt nach unserem Märchenkönig Ludwig II, welcher für den Bau des Schlosses Neuschwanstein bekannt ist. Doch es lebt noch eine Majestät hier in den Bergen und genau diese stand nun fast genau vor uns, mit ihm seine Königin. Die Rede ist von einem Steinbock und seinem Weibchen.

Wie gesagt, wir hielten den Atem an, damit sie sich nicht erschrecken und sich gestört fühlen. Wir gingen ein bisschen zurück in sichere Entfernung, dort nutzte ich den Augenblick, um diese wunderschönen majestätischen Tiere zu fotografieren und um mich mit Jürgen zu beraten, wie wir weiter vorgehen. Immerhin müssen wir ja doch weiter und an ihnen vorbei, wenn wir heute noch zurück zum Campingplatz kommen wollten. Wir behalfen uns mit Tipps aus dem Internet, wobei da nur stand, was passiert, wenn wir uns nicht sachgemäß verhalten. Also blieb nicht anderes übrig als ganz RUHIG an ihnen vorbei zu wandern, ich direkt hinter Jürgen, dabei nicht den Tieren in die Augen schauen.

Wooooow, 🥵 was für ein abenteuerliches Erlebnis. Dieses werden wir wohl nicht so schnell wieder vergessen, genauso wie der weitere Abstieg, welcher partout nicht enden wollte, wir sollten doch eigentlich so langsam mal wieder an der Wildsulzhütte ankommen, danach liegen dann immer nochmal 1,5 Stunden Fußweg bis zum Parkplatz von Hohenschwangau, unserem Ausgangspunkt, vor uns.

Das Tageslicht neigte sich dem des Abendhimmels, wir hatten zwar vorbereiteter Weise Stirnlampen dabei, aber über Wurzeln und Gestein bergab, war es uns lieber, wir würden vorher noch den ausgebauten Wald,- und Forstweg erreichen. Mit ein bisschen Tempo und Trittsicherheit gelang es uns, schon mal die Hütte zu erreichen, von hier aus war es nur noch ein Katzensprung für uns, auf den Forstweg zu kommen, war uns der Weg noch in guter Erinnerung geblieben, da wir ihn erst heute Morgen bergauf gelaufen sind.

Nun auf ausgebauten Wege angekommen, liefen wir die letzten Kilometer dieser wunderbaren Tour hinab zum Schloss Hohenschwangau. Was soll ich sagen, gingen wir doch irgendwie beschwingt und freudestrahlend glückselig dem Abendrot entgegen. Was für ein für uns erfolgreicher, abenteuerlicher, ereignisreicher Tag, an einem Berg in herrlich uriger Natur, mit super schönen, traumhaften Ausblicken.

Auch wenn wir zwischendurch ein bisschen geflucht haben, muss ich gestehen, schon während ich hier schreibe, durchströmt mich eine unheimliche Sehnsucht, wieder auf eine ähnliche Tour zu gehen. Die ganze Welt mit ihren Sorgen und Problemen mal ausschalten , denn am Berg sollte der Kopf immer auch am Berg sein, sich auf den Weg konzentrieren und achtsam laufen, nur so sieht man die kleinen, oder doch die größten Naturschönheiten, die das Leben so lebenswert machen.

So schwelgen wir noch ein bisschen in Erinnerung und freuen uns auf das nächste Abenteuer, weiter gehts dann mit der zweiten Etappe unserer Sommertour 2021/22 , versprochen ✌️ bis bald Heike und Jürgen

http://www.fuessen.de

http://www.camping-bannwaldsee.de

http://www.saeulinghaus.at

http://www.fernspaeher-helfen.de

http://www.green-devils-mb.de

Das Sommerkleid der Buche

Im heutigen Ausflug nehm ich euch mit, auf eine kleine Tour, wieder hier ins Wiesental. Die kleine Gemeinde Utzenfeld ist unser Ausgangspunkt. Sie liegt an der B317 zwischen Schönau, der Geburtsstadt von Jogi Löw, den Fußballfans unter uns ist dieser Name ein Begriff und Todtnau, welches bekannt ist durch seine vielen kleinen Touristenattraktionen, wie den Wasserfällen, der Sommerrodelbahn, oder der Steinwasenpark. Uns hat es aber nicht deswegen hier ins Obere Wiesental gezogen, nein wir waren wieder mal auf Erkundungstour. Das erklärt sich so, Utzenfeld ist uns bekannt, hier wohnte Onkel Werni. Wenn wir mal bei ihm zu Besuch waren, fiel mir schon von dessen Haus aus ein Baum oben auf einem Felsen auf. Was ist da oben? Und wie kommt man dahin? „Das ist der Utzenfluh und man kann dort hoch laufen, gibt a kleine Weg hinauf“. Danke für die kurze und bündige Antwort, lieber Werni, aber das reicht mir noch nicht! „Jürgen! Das muss ich auskundschaften!“

Schon auf der Sommertour im letzten Jahr, da sind wir nämlich auch durch Utzenfeld gewandert, kam mir das wieder in den Sinn. Wir waren immer noch nicht dort oben und ich weiß immer noch nicht, was dort alles ist. Nur ein Baum, oder doch noch mehr und wie ist die Aussicht von dort, wie weit kann ich überall hinblicken? Also so geht das nicht! Und nun endlich dieses Jahr im April, genau gesagt, am Ostermontag nahmen wir uns die Zeit und planten eine kleine Tour. Jürgen kam noch der spontane Einfall, gleich bis Todtnau hinter zu laufen, da es dort noch den Brandfelsen gibt, auf dem ein Kriegerdenkmal steht, welches die Form eines Schwertes hat. Jedes Jahr am Karfreitag findet ein Gedenkmarsch von der Fahler Kaserne bis dorthin statt, zum Gedenken an die gefallenen Soldaten. So hatten wir gleich wieder eine Tour mit ordentlich Kilometern beisammen und einem ehrenhaften Sinn dazu. Und somit ging es dann also wieder los, mit geschnürten Bergstiefeln, Rucksack und Kamera.

Wir parkten im Morgengrauen unser Auto am Rathaus von Utzenfeld und stiefelten den gleich dahinter beginnenden Wanderweg hoch zur ausgeschilderten Lourdesgrotte und Engelsweg. Da es sehr früh am Morgen war, hing an den Gräsern und Pflanzen noch der Tau, eine friedliche Ruhe lag in der Luft und nur das leise plätschern der Quelle war zu hören.

Ich schoss die ersten Fotos und sogleich setzten wir unsere Wanderung fort, weiter ging es bergauf und das noch vor dem Frühstück, mit nur einem Kaffee im Magen. Ist bergauf zu laufen eigentlich genehmigt an einem Feiertag? Der Weg ist hier steinig, felsig mit Farnen und knorrigen Bäumen am Rand, es wirkt alles bisschen rau und man muss sich doch ganz schön hochkämpfen, bis man oben auf den kleinen Utzenfluh ankommt. Hier lässt die Sonne die weite sattgrüne Wiese mit ihren Tautropfen im Morgenlicht glitzern. Das gefällt mir, wobei die Anstrengungen des Aufstieges auch gleich in Vergessenheit geraten. Jetzt hüpfe ich wieder hin und her, mache Fotos vom Ausblick, von der Wiese und den großen und kleinen Schönheiten hier oben.

Bis ich dann endlich meinen Kaffeedurst verspüren und mich doch kurz dazu hinreißen lasse, mich auf meinen Hosenboden ( Hintern) zu setzen und inne zu halten. Wenn es einen kleinen Utzenfluh gibt, dann muss es demnach auch einen großen Utzenfluh geben. Also auf gehts, schauen wir mal was sich uns da noch auftut. Wir setzen die Füße wieder nach einander in Bewegung und begeben uns auf den uns nach oben führenden Waldweg. Die Vegetation ist urig. Der Wald zeigt sich hier in einem von eher mehr Laubbäumen bewachsenen Gegend, am Boden findet man nun mehr und mehr Stein und Geröll durchblitzen und karge Sträucher wachsen wild mittendrin. Immer wieder liegen Steine auf dem Weg und es wirkt etwas unaufgeräumt, doch es hat irgendwie doch alles seinen Platz, also die Natur, würde ich sagen, ordnet sich wieder selbst.

Hier oben dann wird der Weg nicht wirklich deutlich ausgeschrieben, wir halten uns eher links und immer weiter aufwärts der freien Viehweide entgegen, überall sind die Trampelpfade der Rinder noch zu erkennen, welche wohl ihre Sommerresidenz hier haben, aber im April sind sie noch nicht aufgetrieben. Noch wird es zu kalt sein in den Nächten. Endlich erreichen wir die Anhöhe des großen Utzenfluh und hier komm ich sogleich ins Staunen, welch herrliche Natur ist das doch. Vereinzelt ragen Felsen aus der Weide und die Gräser wachsen wild, bilden eine herrliche Grasfläche. Eine Erscheinung lässt mich komplett verblüfft innehalten. Ich bin ein bisschen überwältigt von dieser ausschweifenden Größe der nun vor mir stechenden Buche. Ihre Krone ist so weit und gleichmäßig breit gewachsen, dass ich in diesem Moment wusste, diese gewiss „alte“ Schönheit muss ich im Sommer nochmals aufsuchen und fotografieren. Der Baum hat mich an diesem Tag im April schon sprachlos gemacht, nur in seiner noch kahlen Frühjahrstracht. Wie gewaltig und schön muss er wohl erst sein, wenn sich dann sein Blätterkleid ganz und gar entfaltet hat. Das Sommerkleid der Buche, wie wird es wohl aussehen.

Ich bewundere ihn noch einmal, bevor es weiter geht, Jürgen ist schon voraus gegangen. Der Pfad steigt weiter bergauf, wir waren also noch nicht ganz oben, aber so langsam darf es mal weniger werden, das artet ja in Anstrengung aus, dabei sind wir doch nicht mal in den Bergen!

Aber wie herrlich ist doch die Aussicht, das vergnügt mich wieder und es spornt mich an weiter zu laufen, Schritt für Schritt wird es dann leichter. Wir befinden uns in einem Naturschutzgebiet und genauso sieht es auch aus, einfach unsagbar wunderschöne Natur, Tannenbäume, Wiese, Felsen , ein herrlicher Waldrand und Blumen. Jetzt wird es aber Zeit fürs Frühstück, immerhin gehts schon auf 9.00 Uhr zu und hier oben, bietet sich es ideal an, zu verweilen, schon allein die Ruhe und Abgeschiedenheit von all dem Trubel im Alltag, dazu der Ausblick. Alle Anstrengungen sind sofort vergessen und wir vespern gemütlich auf einem Felsen, der sich gerade wunderbar dazu anbietet.

Nach einer halben Stunde, brechen wir wieder auf, nochmal ein kurzes Stück bergauf, dann verlassen wir den Utzenfluh und biegen rechts auf den Wanderweg in Richtung Todtnau. Der Weg ist gut zum laufen, breit und geradeaus führend, läuft es sich schon viel lockerer und leichter. Wir befinden uns oberhalb von Schlechtnau, von hier kann man ins Tal hinter schauen bis zum Feldberg oder zum Hasenhorn.

Dann gehts weiter und wir kommen in das Waldgebiet, wir halten uns Richtung Todtnau, Feriendorf ist ausgeschrieben, so orientieren wir uns. Zwischendurch hat man immer wieder mal freie Ausblicke, wie zum Beispiel auf die Sommerrodelbahn.

Plötzlich hört man ein leises Rauschen aus der Ferne und schon erblicke ich auf dem gegenüberliegenden Berghang die Todtnauer Wasserfälle, Kamera raus und los fotografiert.

Wir kennen ja die Orte hier und den Straßenverlauf, somit folgen wir instinktiv der Route, und stoßen schon bald auf die ersten Häuser des Feriendorfes. Sie sind Terrassenförmig angelegt, womit uns die Teerstrasse nach unten führt. Wir finden am Rand ein Wegweiser mit der blauen Raute und biegen auf den angenehmeren Trampelpfad durch den Wald hinunter nach Todtnau ab. Es eröffnete sich uns unten angekommen eine Wohnsiedlung , welche wir durchlaufen bis zum Marktplatz an der großen zweitürmigen St.Johannes der Täufer Kirche.

Dort suchen wir uns wieder Wanderschilder, um den Weg zum Brandfelsen herauszufinden. Zum Glück ist der nicht mehr so weit, es geht langsam auf Mittag zu und die Sonne brennt mittlerweile ganz schön heiß herunter und das im April. Den Rückweg sollten wir auch nicht aus den Augen lassen, immerhin beträgt dieser ca. 7 km, aber daran denken wir später, jetzt wollen wir erstmal hoch zum Denkmal. Wollen hoch, schon wieder bergauf? 🥵 Also gut, aber zum letzten Mal heute bitte!

Nachdem wir den letzten Aufstieg an diesen warmen Frühlingstag hinter uns gebracht haben, befinden wir uns ehrfürchtig vor dem riesigen Schwert aus Beton. Es ragt mahnend in den so blauen Himmel und wir stehen schweigend und bewegt davor. Es berührt einen schon, wenn man die Namen liest, natürlich kennen wir niemandem davon, trotzdem geht es nicht spurlos an uns vorbei. Gerade in diesen Zeiten nicht, wo dieses Thema wieder aktuell ist. Ist es nicht genug?

Wir setzen uns auf eine der Bänke hier oben bei dem Denkmal hoch über Todtnau und machen eine letzte Pause, bevor wir den Rückweg antreten.

Vom Todtnauer Busbahnhof bis zum Bahnhof in Zell fuhr von 1889 bis 1967 das Todtnauerli. Heute führt ein Radweg entlang der ehemaligen Bahnstrasse, welchen wir benutzten, um nach Utzenfeld zurück zu wandern. Er liegt flach verlaufend im Tal und man kann entspannt den Weg bis vor schlendern oder Rad fahren oder wie wir wandern. Das Flüsschen Wiese begleitet uns wieder hier vorwärts in Richtung Basel fließend und wir können in jedem kleinen Örtchen auf Schautafeln die Geschichte des Todtnauerli‘s und den ehemaligen Haltestellen dieser Schmalspurbahn lesen.

Ich glaube, auch wenn die Zeiten damals sicher sehr hart waren, muss es wunderbar gewesen sein, hier zu leben. Die Berge die hier an den Seiten hinauf ragen und das urig, romantische Tal, welches sich dadurch bildet , mit seinen dichten Wäldern, den kleinen Flüssen und die herrlichen Wiesen in den oberen Höhenlagen, haben etwas so gemütlich heimatliches , dass das Leben trotz harter Arbeit, doch sehr lebenswert gewesen sein muss. Mich entschleunigen unsere Wanderungen immer, wenn wir im Wiesental unterwegs sind, hier schalte ich den Kopf ab und genieße die Momente. An hektischen Tagen, träume ich mich dann zu besonders schönen Orten, wie zum Beispiel der Wiese mit der riesigen Buche in ihrem Sommerkleid.

Und genau hier zurück in Utzenfeld beginnt dann auch der erste Abschnitt der Tour zum Ende unserer Sommertour vom letzten Jahr, als wir oberhalb von Todtnauberg wetterbedingt abbrechen mussten. Wie das alles zusammenhängt und was wir 2021 in 5 Tagen und diesen Sommer an 2 Tagen alles erlebt haben und wieviel Kilometer wir dann am Schluss bewältigt haben, das ist ne lange Geschichte, daher seid gespannt. Ich sortiere derweil meine Erinnerungen und fang an zu schreiben, damit wir dieses Jahr noch fertig werden, denn die nächsten Touren sind schon geplant. Bis dahin bleibt relaxt und genießt die Zeit. Eure Heike

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