Stürmischer Abschied – Letzter Aufstieg am Belchen

Ich kann mich noch genau an meinen ersten Aufstieg erinnern. Es war ein warmer sommerlicher Nachmittag und der Belchen zeigte sich mir in einer traumhaften, farbenfrohen Natur.

Das satte Grün der Wiesen und die aufblühenden verschiedenen Baumarten, das stark leuchtende Violett der Glockenblumen, die Gräser und die reich an Ernte aussehenden Sträucher der Heidelbeeren, haben mich damals sofort in ihr, urig wirkendes Landschaftsbild gezogen.

Ich hatte das Gefühl, mich in den fast sorgenfreien 50,-iger Jahren zu befinden, die lauten Verkehrs,- und Großstadtgeräusche waren ganz weit weg und die Natur erinnerte mich an die Landschaft eines Heimatfilmes, wo alles so schön friedlich und wohlgesonnen ausgestrahlt wurde.

Seit diesem ersten Aufstieg sind unzählige Fotos zu jeder Jahreszeit entstanden. Ich zeige euch hier mal nur eine kleine Auswahl jener, die ich in meinem Archiv noch gefunden habe.

Warum nun ein Abschied?

Im Leben müssen wir oftmals Veränderungen wahrnehmen und annehmen. Ich hatte mir nie vorgestellt, dieses Fleckchen Erde jemals wieder verlassen zu müssen und doch habe ich nun für mich die Entscheidung getroffen, den Schwarzwald schweren Herzens den Rücken zu kehren und wieder in die Richtung meiner Heimat zu ziehen.

Zu meinem letzten Aufstieg auf den Belchen, begleitete mich meine liebe Schulfreundin. Sie hat extra zwei Stunden Anfahrt auf sich genommen, um mit mir mal eine Sonnenaufgangstour zu unternehmen.

Sie reiste somit schon am Abend zuvor an. Diesen nutzten wir für ausgiebige Gespräche. Doch zu spät sollten wir auch nicht zu Bett gehen, denn wenn wir die Sonne aufgehen sehen wollten, dann sollten wir zeitig aufstehen.

Ich plante etwas mehr Zeit für den Aufstieg ein, da ich selbst auch schon sehr lange nichts mehr für meine Ausdauer getan hatte und ich zusätzlich zwischendurch inne halten werde, wollte ich doch alles nochmal so richtig in mir aufnehmen. Wir starteten somit ca. 4.00 Uhr oberhalb von Neuenweg im kleinen Wiesental.

Ich entschied mich bewusst für diese Seite zum hinauf laufen, denn von hier aus ging es damals beim ersten Mal auch hoch.

Der Urweg ist in meinen Augen, einer der schönsten Varianten zum Besteigen des Belchen. Nicht zu steil und nicht zu unwegsam, gerade auch, wenn das Tageslicht noch nicht seine ganze Helligkeit erreicht hat.

Schon nach kurzer Zeit lag der erste Abschnitt hinter uns und wir gelangten an die Kuhweide, wo man entweder dem Urweg über die Weide entlang den Serpentinen ähnelnden Trampelpfade folgen kann oder man nimmt den rechts am Berg entlang verlaufenden breiteren Forstweg.

Es wollte die Sonne noch lange nicht aufgehen und so nahmen wir den uns sicherer erscheinenden, rechts verlaufenden Weg an.

So konnten wir noch etwas entspannt uns unterhalten, da der Weg sich mit nur leichter Steigung am Berg entlang schlängelte. Dabei legten wir uns ein kleines Zeitpolster zu, welches wir später in Anspruch nehmen könnten, wenn es dann an die Höhenmeter geht.

Die Vögel fingen an zu zwitschern und das sagte uns, der Morgen naht in großen Schritten. Der Tag brach langsam an.

War es im Wald uns beim laufen schon mal etwas warm geworden, so mussten wir schnell feststellen, dass wir, je näher wir dem Gipfel kamen, an diesem Sonntagmorgen ein ordentliches Lüftchen pfiff. Somit packten wir uns in die winddichte Kleidung, die wir vorsorglich mitgenommen hatten und nahmen die letzten Meter zum Gipfel in Angriff.

Die Sonne ließ sich zwar nicht wirklich blicken und die Wolken zogen durch den kräftig blasenden Wind nur so über uns hinweg. Das Morgenrot kam dadurch auch nicht in seiner so gewohnten farbenfrohen Pracht zur Geltung. Wir trotzen dem windigen Gesellen und liefen dem Tagesanbruch entgegen.

Fast geschafft, von hier aus trennt uns nur noch eine kleine Kurve, dann sind wir auf des Belchens unverkennbar Baumlosen Kuppel.

Heute mit einer extra Portion Luft. Aber wir bleiben eisern und stemmen uns gegen den Wind. So einfach lassen wir uns nicht vertreiben!

Heute zeigte sich der so sanfte Riese aus dem Süden des Schwarzwald von seiner nicht so schönen Seite. Ist er doch sonst als der Schönster im Lande bekannt, sogar nominiert.

Ich hätte meiner Freundin gern einen atemberaubenderen Sonnenaufgang gegönnt.

Denn wenn sich das schimmernde Licht des Morgenrots und die wärmenden Strahlen der Sonne über die schlummernden Berggipfel des Südschwarzwaldes anschleicht und sie sanft umschmiegt, das ist ein so schöner magischer Moment. Man fühlt sich viel entspannter.

Schade, an diesem Morgen, gab es nur ein kleines Morgenrot 🥴

Je näher wir nun dem Gipfelkreuz kamen um so unliebsamer wurde der Wind, er stürmte uns regelrecht entgegen und pfiff uns um die Nase. An diesem Tag könnte man meinen, der Belchen hat den Wind extra bestellt, um uns Frühaufstehern zu sagen: „was wollt ihr denn ständig so zeitig hier oben, kann denn ein Berg nicht auch mal ausschlafen, an einem Sonntag! Reicht es euch denn nicht, wenn ihr sonst zu jeder Tag und Nachtzeit hier auf meiner Runden Kuppel herumtrampeln dürft?“

So schritten wir dann doch lieber dem Abstieg entgegen, mal schauen, ob das Wetter uns heute noch überraschen kann.

Wir liefen den Rundweg zum Belchenhaus hinunter, nur ein paar wenige Fahradfahrer und Wanderer, die ebenso wie wir zum Sonnenaufgang den Weg auf sich genommen hatten, trafen wir hier an.

Für den Abstieg hab ich den Urweg mit dem Verlauf über die eingegrenzte Kuhweide ausgewählt. Wie schon erwähnt, ist das für mich, einer der schönsten Wege.

Er schlängelt sich abwechslungsreich, serpentinenartig, durch kurze Waldstücke und Wiesen am Berg hinab.

Oberhalb ist die Vegetation noch sehr karg und urig. Läuft man am Anfang auf schmalem Trampelpfad an der Weidefläche entlang, muss man hier und da schon mal über einen kleinen Felsen steigen.

Dann gesellen sich Büsche und knorpelige Bäume dazu, zwischendurch größere Felsbrocken, bis man in das erste Waldstück kommt und man von Buchen, Eichen und paar wenigen Fichten umgeben ist. Hauptsächlich besteht dieser Wald hier aus Laubbäumen.

Es war immer noch sehr windig und die Aussicht war auch sehr mit grau-blauen Schleierwolken verhangen, daher tat der Wald recht gut, so fegte uns der Wind nicht gar so ins Gesicht. Hier waren wir etwas geschützter vor seinen pfiffigen, aufgeblasenen, herumwirbelnden Gemüt, an diesem Sonntag.

Zwischen den Bäumen tat sich immer mal ein Ausblick auf, doch von Sonne war weiterhin nicht viel zu sehen. Nicht mal in Ferne.

Man konnte gerade so den Hochblauen noch erblicken, danach verschwand die Welt dahinter in Wolken. Auf der Schweizer Seite das selbe Spiel, kein einziger Berggipfel war zu erkennen, was sehr schade war.

Aber nun ja wir ließen uns die Laune nicht verderben, plauderten über dies und jenes, machten trotzdem paar Fotos zwischendurch und dann tat sich auch schon das Tor zur Viehweide auf.

Zu dieser Jahreszeit stand noch keine Kuh hier oben, denn die werden ja erst im Mai aufgetrieben, je nach Wetter, denk ich mal. Vor paar Jahren bin ich mal hier den Weg ebenfalls runtergelaufen und unten kam dann ein neugieriger Jungbulle entgegen.

Das war eine etwas knifflige Situation, da man nie weiß, wie so ein Tier reagiert und ob man wohl gerade dann eine falsche Bewegung macht. Der Abstieg damals ging dann zum Schutz eher querfeldein runter und unter dem Elektrozaun auf die andere Seite. Es war eine kleine Tortur, aber sicherer für Mensch und Tier. Man sollte seine Grenzen nicht ausreizen, oder seinen Schutzengel überstrapazieren, wenn man ausweichen kann.

Durchs Tor hindurch, hätte man eigentlich einen super schönen Ausblick 🤷🏻‍♀️

Ab hier verlief der schmale Weg auf freiem Gelände, von hier aus hat man sonst einen schönen Weitblick über das Vordere Wiesental bis in die Schweizer Bergwelt. Naja die müssen wir uns heute denken.

Weiter hinab ging es zu einem gemütlichen Plätzchen, ideal um Vesperpausen einzulegen, mit Blick über das Örtchen Neuenweg und dem Kleinen Wiesental. Oder zur anderen Seite nochmal zum Hochblauen im Kandertal.

Wie oft saß ich hier oben und schaute in die so liebliche Landschaft, die Berge wenn so ineinander verfließen, das hat mir immer am meisten gefallen. Wenn dann im Herbst oder zu ganz früher Morgenstunde der Nebel an den Hängen hinauf schwebte oder über die Wiesen glitt, war es für mich ein beruhigender Anblick. Ich nehme diese Bilder in meinen Herzen und Gedanken mit mir.

Nun verlief der Weg an einer offenen Wiese entlang, wir folgten seinem geschlängel und erfreuten uns daran, dass nun die Sonne sich ein wenig durch die dichte Wolkendecke versuchte durchzusetzen. Hin und wieder gelang ihr dies, was uns die Wanderung zum Ende zu wieder etwas angenehmer machte.

Meine Freundin und ich genossen ihre wärmenden Strahlen, so blieben wir auch öfter mal stehen und blinzelten ihr entgegen.

Genau diese Momente mag ich am meisten auf diesen frühen Touren. Wenn die Sonnenstrahlen so langsam die Erde berühren und die Tautropfen auf den Gräsern und den Blüten der wild wachsenden Blumen glitzern in ihrem warmen Schein. Alles erstrahlt, die Welt erwacht ganz langsam und in aller Ruhe. Herrlich ist das und ich empfinde ein so friedvolles Gefühl ringsherum.

In diesen kurzen Augenblicken atme ich tief ein und lass den Blick um mich herum schweifen, ich nehme diese morgendlichen Eindrücke bei jedem Atemzug in mir auf, das tut gut und gibt mir Kraft weiter zu machen.

Wir gelangten an das untere Tor der Weide und befanden uns nun an der Ausgangsstelle, wo wir vor wenigen Stunden den rechten Weg zum hinaufgehen genutzt hatten. Von hier aus war es nicht mehr weit zum Parkplatz.

So liefen wir schlendernd bergab, bis wir an eine Bank kamen und dort setzen wir uns für eine kurze Rast. Ideal um noch einmal inne zu halten und Brotzeit zu machen.

Ein letzter Blick zurück

Ich bin froh, dass zu diesem letzten Aufstieg mich zum einen, meine Freundin begleiten hat und zum anderen, das Wetter so windig war. Hätte es den ultimativen Sonnenaufgang an diesem Tag gegeben, wäre es für mich zu schwer geworden, dieses wunderschöne Fleckchen Erde, hinter mir zu lassen.

Natürlich, es gibt unzählige schöne, atemberaubendere Landschaften, aber wenn man einen bestimmten Ort jahrelang als sein zu Hause ansieht, dann ist es nicht einfach nur eine weitere schöne Gegend sonder eben ein Stück Heimat.

An der alten Grenzmauer, Belchen Aufstieg bei Hinterheubronn/Münstertal

So kommen wir nun trotz des stürmischen Abschiedes vom Belchen glückselig am Auto an und sind doch rundum zufrieden mit diesem windigen Morgen. Es war eben eine tolle Erfahrung und ich danke meiner Freundin, dass wir diesen Tag gemeinsam erleben konnten. Selbst nach fast 10 Jahren, die wir uns nicht gesehen haben, war es das selbe vertraute Gefühl mit ihr zu plaudern, so wie früher, als wir noch den selben Schulweg hatten…

Am Ende zählt nur, was du im Herzen mit dir trägst.

Ich denke an die schönen Wanderungen durch die urigen Wälder, mit glasklaren Qhellen, rauschenden Wasserfällen und plätschernden Bächlein, naturbelassene Seen. Wenn ich meine Augen schließe bin ich dort, träume vor mich hin und laufe in Gedanken die bekannten Wege. Stehe auf dem Belchen und schaue über das liebliche Wiesental…

http://www.schwarzwald-tourismus.de

http://www.loerrach-landkreis.de

http://www.dreilaendereck.de

Wo die Welt noch in Ordnung ist – Das Bauernhaus von Berta Schneider

In meinem neuen Bloggbericht, mache ich mit euch eine kleine Zeitreise. Klein, deswegen, da die Hauptperson in ihrem Häuschen, um welches es heute geht, noch bis 1986 gelebt hat. Die Rede ist von der vierten Tochter der Familie Schneider, letzte Bewohnerin des Schneiderhof, uns nun heute bekannt als Berta Schneider.

Die Geschichte selbst beginnt aber ein paar Jahrhunderte früher. Wir schwelgen gedanklich zurück bis ins Jahr 1696, denn dort wurde das Haus, welches ich euch heute vorstellen möchte, erbaut.

Das kleine Schwarzwaldhaus mit seinem urigen Bauerngarten und der angrenzenden Obstwiese liegt hoch in mitten des kleinen verträumten Örtchens Kirchenhausen im lieblichen Wiesental. Von hier aus kann man weit über das grüne Tal, bis vor nach Lörrach und Basel schauen, bei klarer Sicht zeigen sich sogar die Schweizer Alpen .

Ich war an einem Sonntag, mit Wolkenverhangenen Himmel und hier und da durchscheinender Sonne unterwegs, im Wiesental. Meine Tour führte durch Kirchenhausen und ich entschied mich kurzerhand am Bauernhaus anzuhalten, um es eigentlich nur mal von außen betrachten zu wollen. Dort traf ich zur rechten Zeit am rechten Ort ein, denn es sollte gerade eine Führung stattfinden, der schloss ich mich natürlich an. Ich hatte sowieso meine Kamera dabei und es traf sich super, dass nicht zu viele Besucher vor Ort waren, um so das Häuschen von allen Seiten und in seinen kleinsten Details zu fotografieren. Die Stimmung ums Haus war fantastisch, es begann sich gerade ein kleiner Regenschauer zusammen zu brauen und so wirkte es irgendwie noch anziehender.

Die Führung begann und ich hörte gespannt der Historie des Hauses und der Geschichte um die Familie Schneider, vor allem von der jüngsten Tochter Berta, zu.

Beim Schneiderhof handelt es sich um einen sogenanntes Hochsäulenhaus in Vorbergzone aus dem Schwarzwald. Es wurde damals und auch bei der späteren Renovierung sehr viel mit Naturprodukten wie Holz, Sandstein, Lehm erbaut. Das Dach ist aus einer besonderen Art Getreide gearbeitet und eingedeckt, im hinteren Teil davon wurde es mit Ziegeln versehrt, damit das Dach stabil bleibt und die Stallungen erhalten bleiben. Nach dem Tod der Berta Schneider, im Jahr 1986 war das gesamte Haus in einem maroden Zustand. Die obere Etage , war durch den Einsturz des Daches nicht mehr bewohnbar. Somit hatte Berta, die letzten Jahre nur im unteren Teil des Hauses gelebt.

Der ein oder andere von euch wird sagen: „gelebt“? Soll das lebenswert gewesen sein? In einem Haus, dessen Dach eingefallen war? Ja , für Berta Schneider war es das genau. Mit ihren Worten: „Mir längt‘s! S goht au so! I bi z‘friede!“

Ja Berta war schon ein ganz besonderer Mensch und wohl noch eine stärkere Persönlichkeit, als man es sich von so einer kleinen Frau vorstellen könnte. Nach dem Tod ihres Vaters 1944 bewirtschaftete sie den Hof ganz alleine, sie blieb stets sich selber treu und war bis zu ihrem eigenen Ableben im Jahr 1986 im stolzem Alter von 91 Jahren, mit Fräulein Berta Schneider anzusprechen, da sie nie verheiratet war. Welcher Mann hätte ihr, einer Frau die zu dieser Zeit schon so emanzipiert war, ihren Hof als Selbstversorgerin bewirtschaftet und als bekennende Vegetarierin, lieber mit ihren Tieren sprach, das Wasser reichen können!

Wir beginnen aber nun mit unserem Rundgang draußen vorm Haus, denn dort gibt es schon das Ein oder Andere zu bestaunen, ja staunen. Denn so eine Lebensweise und die Arbeitsplatz Begebenheiten, wie zum Beispiel die kleine Schmiede im Erdgeschoss des Häuschens ist für uns heute undenkbar. Das dort Menschen tagtäglich ihre Zeit verbracht haben, um im Winter Geld für die Familie zu erwirtschaften, oder fürs Frühjahr genug übrig war, um Felder zu bestellen, oder Reparaturen an so einem Schwarzwaldhaus vor zu nehmen. Würden wir dies heute noch so umsetzen können?

Nun laufen wir mal rund ums Häuschen herum, es gibt noch mehr zu sehen. Da sind zum Beispiel noch ein Stall und eine Heubühne, mit alten Arbeitsgeräten zu besichtigen. Mit einfachen Mitteln wurde damals gearbeitet, es muss eine harte Zeit gewesen sein und doch hab ich das Gefühl die Menschen waren glücklicher, oder besser gesagt zufriedener.

Es gab kein fließend warm Wasser und kein elektrischen Strom, so musste man sich handwerklich gut organisieren. Zum Ausklang des Tages beschäftigte man sich mit Handarbeit, die Männer reparierten Arbeitsgeräte und die Frauen versorgten die Kinder und den Haushalt und kümmerten sich um Näharbeiten. So war man am nächsten Tag wieder gut vorbereitet und die Werkzeuge für die anstehende Arbeit gerüstet. Man erzählte sich vom Tag und was es als nächstes zu bewältigen gab.

Man unterhielt sich und so wusste auch jeder, was er zu tun hatte. Ich glaube nicht das dieses Leben langweilig war, vielleicht hart, aber nicht langweilig. Immerhin traf man sich ja auch mit Nachbarn und half sich gegenseitig auf den Feldern und am Haus, oder bei der Viehwirtschaft. Man kommunizierte und auf den Dorfplatz tauschte man sich aus, den neuesten Tratsch und wer braucht wen oder was…

Nun schreiten wir also weiter und so stehen wir endlich vor der kleinen Holztüre, wo uns die winzige private Welt der Berta Schneider geöffnet wird. Nicht nur die von Berta, nein auch die ihrer Vorfahren und die anderen Familien die hier gewohnt haben. Teilweise wurde dieses kleine Häuschen als sogenanntes Doppelhaus von zwei Familien bewohnt und jede Familie hatte damals, anders wie heute, bis zu sechs, oder mehr Kinder. Für uns nun wieder einmal undenkbar. So ein kleines Haus und doch soviel Platz für die Menschen, die es bewohnten und ihr Leben hier bestritten. Kann sich das einer von euch da draußen noch vorstellen?

Zuerst wird es gleich mal ganz dunkel beim betreten des Hauses, denn wir befinden uns unmittelbar in der schwarzen Küche und nein sie ist nicht schwarz gestrichen, sie ist schwarz vom Ruß, welcher über die Jahrhunderte hier entlang schwelgte und es zu Schauvorstellungen immer noch tut. Denn der Rauch ist immer noch im Einsatz alle paar Monate und es wird hier ein leckerer originaler Schwarzwald Schinken hergestellt, den man in der kleinen Metzgerei in Steinen käuflich erwerben kann. Ich werde es gleich morgen umsetzen und mir ein Stück holen, denn es gibt ihn nur so lange der Vorrat reicht.

Eine alte Redewendung , hat hier ihre Bedeutung gefunden. Da die Schinken und Würste, durch das Abhängen, an Fett verloren , tropfte dies immer mitten auf den so „sauberen“ Küchenboden. Damit man nicht ausrutschte, stelle man eine Schale darunter, damit man das Fett auffangen konnte, welches man dann wiederum zum anbraten genommen hat. Wenn nun jemand zu Besuch kam und dieser etwas unvorsichtig eintrat, dann sagte die Hausherrin: „Vorsichtig! Tritt nicht in das Fettnäpfchen.“

Heute ist diese Redewendung nur noch selten in Gebrauch und wenn, dann ist jemand damit gemeint, wo sich dabei befindet, sich durch unangebrachtes Benehmen oder Ausdrucksweise , seinen Gegenüber unvorsichtig zu kränken, beziehungsweise eine falsche Bemerkung zu machen. Also immer schön aufpassen, nicht ins Fettnäpfchen treten…

Auf Bertas Haus besteht noch ein altes Brennrecht, es wurde und wird hier oben Schnaps und Likör gebrannt und auch hierzu gibt es eine kleine Geschichte.

Berta ist vor ihrem kleinen Küchenofen mal hin und wieder eingedöst, also hat ein Schläfchen gemacht. Eines Abends ist dabei mal etwas angebrannt und die ganze Pfanne, samt Bertas Arm ging in Flammen auf. Sie reagierte recht schnell und unter Schock tat sie das einzige, was ihr in diesem Moment als richtig erschien und es war richtig, denn es hat funktioniert. Sie losch die Brandwunde mit dem Vorlauf vom Schnaps, also dem reinen Alkohol, das müssen höllische Schmerzen gewesen sein. Ich weiß nicht wie stark diese Frau war, aber sie war wirklich unglaublich. Sowas hält der stärkste Gaul nicht aus. Euch Jungs da draußen, lasst euch sagen, sie hätte über eine „Männergrippe“ nur gelacht!

Gehen wir lieber zügig weiter, schauen mal in die urige Stube hinein. Hier ist es doch schon viel gemütlicher, mag jemand a Schnäpsla 😅

So schön besinnliche zusammen sitzen, lesen, singen, Gespräche führen. Oder noch schnell am Abend in den Wintersocken die Löcher stopfen, den Weidenkorb fertig flechten, mit der Nachbarin oder dem Postboten ein Plausch halten bei Kaffee und selber gebackenen Waffeln. Ja, hier kann man es paar Stündchen aushalten. Bestimmt schön kuschelig warm an diesem alten Kachelofen, in den Wintermonaten.

Wenn wir links durch die Tür gehen, kommen wir in ein kleinen Raum, welchen Berta zum Schluss als ihr Schlafzimmer nutzte. Ganz so ordentlich war es zu ihren Lebenszeiten nicht, da einige ihrer Hühner und Enten sich hier aufhielten. Sie pflegte dann zu sagen: „ kommt meine Lieben, wir gehen jetzt ins Näscht.“ Näscht ( Nest) damit hat sie ihr Bett gemeint.

Dies meine lieben Leser war die untere Etage, dieser Doppelhaushälfte, begeben wir uns nun also nach oben, aber vorsicht… nein kein Fettnäpfchen, eher Kopf einziehen. Die Decken und Balken sind hier nicht nur sehr niedrig, sondern auch sehr hart.

Nun sind wir also im oberen Teil des Hauses angekommen und hier können wir einen Einblick in die Schlafzimmer der Familie Schneider und deren Vorfahren bekommen. Wie schon erwähnt, hatten die Menschen zu der damaligen Zeit, oft mehrere Kinder. Diese schliefen nicht wie heute, in ihren eigenen Zimmern, sondern direkt bei den Eltern, oftmals sogar mit im Bett der Mutter. Daher ist, wie ihr gleich selber sehen könnt, die eine Bettseite breiter, als die andere. Daran ist deutlich zu sehen, wie die Eheleute ihr Leben nach ihren jeweiligen Aufgaben in ihrer Familie aufteilten und anpassten.

So hatte ein Mann, der als Vater von mehreren Kindern, dafür sorgen musste den Unterhalt für die Familie mit harter Arbeit zu erwirtschaften, seine eigene schmalere Bettseite für sich allein, damit er genügend Schlaf für den nächsten Tag bekam. Während der Frau, die als fürsorgliche Mutter, für das Wohl der Familie und zur Behütung des Nachwuchses verantwortlich war, die breitere Seite zur Nachtruhe bekam.

Somit lagen bei ihr noch oft die kleinsten Nachkömmlinge mit im Bett, damit diese es warm hatten. In den Schlafräumen gab es nämlich keine elektrische Heizung und auch keinen Kamin und die Winter hier im Südschwarzwald, waren dazumal noch viel strenger und kälter, als wir es heute erleben.

Ich schaute mich noch ein wenig um und der Museumsführer deutet auf eine Klappe in der Wand, welche eine großer Bedeutung zu der damaligen Zeit hatte. Heutzutage sieht man so eine Vorrichtung nicht mehr in den Häusern.

Ich weiß nicht, ob man es wirklich gut erkennen kann, bitte einfach das Bild anklicken und vergrößern. Über dem Stapel mit der weißen Wäsche befindet sich ein kleines Fenster, welches man durch eine Klappe auf und zu schieben kann. Dies ist das sogenannte Seelenfenster, es wurde geöffnet, wenn jemand in diesem Raum gestorben war und durch dieses kleine Fenster konnte die Seele aus dem Raum zum Himmel entsteigen, um ihren Frieden zu finden. Das hat mich, wie alles hier in Bertas Haus schwer beeindruckt.

Wir werfen noch einen Blick ins Nebenzimmer, dort standen noch alte, gut erhaltene Werkzeuge und Haushaltshilfen zur Besichtigung aus.

Hier sind wir am Ende unserer Reise in die Vergangenheit angelangt.

Ich bin immer wieder fasziniert von dem Schneiderhof hier oben im kleinen Wiesental, er hat so etwas friedliches an sich. Als hätte jemand die Zeit angehalten, die Welt steht hier für einen Moment, ganz still.

Ich entfliehe gern dem Alltagstrott, mit Stress und Hektik, hier oben kann ich kurz bei dem kleinen Häuschen inne halten und durchatmen.

Ich hoffe, nein eigentlich bin ich dieses Mal überzeugt, euch hat diese Zeitreise mit mir gefallen! So lasst uns noch einen Moment hier vor Bertas Haus und Hof verweilen und wir sehen uns entspannt irgendwo auf dieser Welt wieder. Wer weiß schon, was morgen kommt und wo die Reise hingeht… eure Heike

http://www.bauernhausmuseum-schneiderhof.de

http://www.naturpark-suedschwarzwald.de

http://www.steinen.de

#002 Osterburg Weida- Sprache verbindet

Für diesen Bloggbericht musste ich etwas mehr recherchieren, hatte mir schon im Oktober, als wir auf dieser wunderschönen Burg waren, einige Flyer und Heftchen von dort mitgenommen. Nachdem ich die unzähligen Bilder endlich fertig bearbeitet hatte, stellte ich fest, dass ich die ganzen verschiedenen Ausstellungen, jeweils separat aufführen sollte, sonst verlaufen wir uns noch am Ende auf der Burg und enden so wie dieser Kamerad hier auf dem ersten Foto…😅

Zum Anfang muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich, obwohl ich in einer Stadt in der Nähe von Weida, aufgewachsen bin, noch nie vorher so intensiv auf der Osterburg war. Nur ein einzigstes Mal in der Wirtschaft, welche sich dort oben befindet. Daher war ich überrascht, wie viel es dort zu erkunden gibt.

Also dann kommt mal mit, schauen wir uns die Burg mal genauer an. Zuerst parken wir unser Auto unterhalb, auf den ausgewiesenen Parkplätzen und dann gehts etwas steil bergauf zum Tor…

Wir gehen zur Kasse, dort befindet sich das Museum und 2022 fand dort eine besondere Ausstellung statt und zwar unter dem Motto #was_mit_Sprache , die Kassiererin zeigte auf meine Kamera und fragte mich, ob ich auch in den Innenräumen und in der Kunstausstellung Fotos machen möchte. „Ja,“ sagte ich, „ wenn das möglich ist“ und wie , wo, welche Kunstausstellung? Über den Hof , auf der anderen Seite in den Räumen über dem Künstleratelier und Moritzgewölbe, das wollte ich natürlich sehen, auch wenn ich keine Ahnung von Kunst habe, aber warum nicht. Aber dazu kommen wir später, denn das hat mich wirklich sehr begeistert, was ich dort anschauen durfte. Jetzt gehts erstmal um die Sprache und Kommunikation und da gibt es ja mittlerweile viele Möglichkeiten sich zu verständigen auf dieser Welt. So seht ihr hier die Fotos von der Sonderausstellung „Was mit Sprache“ . Viel Spaß…

Nun möchte ich euch aber erstmal was zur Geschichte dieser wunderschönen, riesigen Burganlage mitteilen. Dafür holte ich mir etwas Hilfe.

Die Osterburg – Wo einst die Vögte residierten

Die Vögte von Weida, Gera und Plauen waren eine bedeutende mittelalterliche Adelsfamilie im Gebiet von Ostthüringen, Nordböhmen, dem südwestlichen Sachsen und Teil Oberfrankens. Ihr ehemaliges Herrschaftsgebiet zwischen oberer Saale, Pleiße und Regnitz wird auch „terra advocatorum“ – Vogtland genannt. Die Ministerialenfamilie übersiedelte Anfang des 12.Jh. wohl aus dem Westharz oder Unstrutgegend stammend, in das Gebiet der oberen und mittleren Weißen Elster. Mehrfach sind sie als Reichslandrichter im Eger- und Pleißenland erwähnt.

Weil dieses Gebiet von den westlichen Kaiserpfalzen aus gesehen weit im Osten lag, wird es auch Ost(er)land genannt. So kam die Stammburg der Vögte in Weida zu ihrem Namen: Osterburg.

Erbaut im 12.Jh. war sie im 13. Jh. und 14. Jh. Residenz und Verwaltungszentrum für das gesamte Vogtland. Unter den Wettinern war die Burg vom 15. Jh. bis zum 19. Jh. Sitz der Amtsverwaltung und Gerichtsbehörde. Heute ist die Osterburg ein lebendiger Ort für Geschichte, Kunst, Kultur und Bildung.

Ein weiteres Highlight dieser mächtigen Burg ist ihr Bergfried, um mehr darüber zu erfahren ging es hier entlang…

Mächtiger Bergfried – Zeitzeuge der ursprünglichen Bebauung

Die Osterburg, früher nur das „Feste Haus zu Weida“ genannt, entstand während des mittelalterlichen Landesausbaus der Stauffer – Kaiser. Ihre Reichsministerialen – die Vögte von Weida – gründeten die Burganlage. Der Bergfried ist mit 54 m Höhe und drei Zinnenkränzen einer der mächtigsten seiner Art in Deutschland. In seinem Innenraum wird ein 360 Grad Panoramafilm zur Geschichte der Reußen gezeigt, mit einem Rundflug aus Sicht eines Turmfalken über das Vogtland.

Am Fuß des Turminneren wird die Dauerausstellung „Turm im Turm“ mit Erkenntnissen von Archäologie und Bauforschung präsentiert.

Türmerstube und Zinnenkränze

Etwas oberhalb des zweiten Zinnkranzes befindet sich die originalgetreu eingerichtete Türmerstube, um diese zu besichtigen, müssen wir erst paar Stufen überwinden.

Oben angekommen, erstmal die Aussicht genießen. Und auf Toilette, oder lieber doch nicht…

So ich hab die Schlüssel, nun rein in die gute Stube!

Aus dem Leben eines Türmers

Die Aufgaben eines Türmers – nachweislich seit dem 15. Jh. – waren Feuerwache, Anschlagen der Stundenglocke und Meldung über die Ankunft der „gnädigsten Herrschaft“. Die Feuerwache war in Zeiten vieler Holzhäuser besonders wichtig. Weida war in vier Stadtteile eingeteilt, das Burgviertel, das Geraische Viertel, das Zwickauische Viertel und das Katschviertel.

Aus den unterschiedlichen Glockenschlägen (Pulsen) konnte jeder sofort erkennen, in welchem Teil der Stadt es brannte. Eine rote Fahne bei Tag und eine rote Laterne bei Nacht deutete die Richtung eines Feuers in der Ferne.

Und während mein Blick so hinunter und um die Burg herumschweift, fällt mir die großzügige Grünanlage rings herum der Anlage ins Auge. Also nix wie runter und weiter geht unsere Erkundungstour, nun um die Gemäuer herum und in die unterste Etage, ins Lapidarium.

Und nun gehts raus, denn die Osterburg hatte nicht nur einen Lustgarten 🥰 sondern auch einen Gefängnisgarten. Sehr großzügig 😅

Nach einer kleinen Runde durch den mittelalterlichen Wurzgarten mit Blick über die Burgmauer auf Weida, war ich nun aber neugierig, was sich hinter den alten Mauern des Neuen Schlosses über dem Moritzgewölbes befand.

Die Bedeutung des Palas

Von der ursprünglichen romanischen Bauweise der Osterburg im 12. Jh. sieht man nichts mehr, weil 1543 der Baumeister Nikolaus Gromann im Auftrag der wettinischen Landesherren das repräsentative Wohngebäude der Vögte in ein Renaissance Schloss umgebaut hat. Jedoch gelang es der Bauforschung, Reste eines romanischen Palas wieder zu entdecken.

Dieser viergeschossige Wohnbau mit zwei Sockel- und zwei Saalgeschossen sollte Macht und Einfluss der Vögte im späten Mittelalter ausstrahlen und war mit seinen Säulen und Rundbogen Fenstern eine sorgfältige Werksteinarbeit.

Mein persönliches Highlight

Das Museum der Osterburg zeigt in seiner Gesamtschau die reiche Geschichte der historischen Burganlage, der Stadt Weida und vom Thüringer Vogtland. Doch eine Ausstellung hat mich besonders fasziniert. Und diese befindet sich über dem Künstleratelier im Neuen Schloss.

Wir wurden schon von einem Führer erwartet, welcher uns die Türen zu etwas, für mich noch nie erlebten öffnete. Ich war völlig ergriffen von diesem Kontrast zwischen Abbruch und Freilegung etwas historischen „Alten“ und der Farben und Bewegung der künstlerisch modernen Werke, Gemälden und Skulpturen.

simul/vade und Gäste

Die Ausstellung öffnet Räume des Schlosses, die seit dem Beginn der 90er Jahre nicht zu sehen waren. Was man nicht sieht, scheint nicht zu existieren. Es wird vergessen und bleibt der Öffentlichkeit verborgen. Es gibt sie aber, diese fast 2000 qm, die ungenutzt seit 30 Jahren dahindämmern. Die Ausstellung möchte das ändern, die Räume öffnen und zur Nutzungsdiskussion anregen. Daraus sollen Investitionen entstehen, das Potential dafür ist da.

Simul/Vade ist eine internationale deutsch polnische Künstlergruppe, die der Geraer Künstler Sven Schmidt 2017 anregte, zu gründen. Dazu kommen Künstler aus Mosambik, England, Österreich und Dänemark, sowie Künstler aus Deutschland.

Na was sagt ihr dazu, ist das nicht wunderbar, diese alten Mauern mit so etwas stilvollem zu gestalten und ihnen dadurch wieder Leben einzuhauchen. Uns wurde berichtet, dass dies früher als Jugendherberge genutzt wurde, aber wenn ich mir meine Bilder anschaue, finde ich sie sollten es weiter als Kunstgalerie nutzen. Ich war und bin es immer noch, begeistert, fasziniert, sprachlos staunend.

Wie gesagt, ich hab null Ahnung von Kunst, aber ich sehe, was schön ist und was bewegend wirkt. Und mit diesem Satz verabschiede ich mich für heute von euch. Ich trinke jetzt noch einen Kaffee und lass mir den wohlverdienten Kuchen schmecken, hier im herrlich angelegten Burgcafé mit Blick über die Stadt.

Ich hoffe ich habe euren Sinn für Kunst und Kultur geweckt, mit diesem Bericht, vielleicht schaut ihr mal vorbei, auf der wunderschönen Osterburg zu Weida. Eure Heike 🙋🏻‍♀️☀️

http://www.osterburg-vogtland.eu

http://www.vogtland-tourismus.de

http://www.thuehringen-entdecken.de

#001 Überwältigt – Der Freiburger Münster

Wieder zurück, auf den Wegen und Straßen unserer Region, waren mein Mann und ich im letzten Urlaub mal seit laaaaanger Zeit in Freiburg. Einfach bisschen bummeln gehen, über den Wochenmarkt schlendern und natürlich Fotomotive einfangen.

Wir sind nicht oft in Städten anzutreffen, schon gar nicht, wenn sich viele Menschen aneinander drängen , wir mögen eher kleine idyllische Örtchen mit eventuellen historischen Stadtkern oder Fachwerk. Am liebsten bewegen wir uns aber in der Stille und Einsamkeit der Natur, dort finden wir den Ausgleich zum Alltag, tanken Kraft, atmen durch. Da wir beide im Einzelhandel schaffen und ständig mit Kunden zu tun haben, oder wie in vergangenen Berichten beschrieben, selbst noch Tastings geben, ist dann so eine Großstadt nicht das Richtige für uns, um abzuschalten. 😅 Und doch haben wir es gewagt, uns diesem Trubel an einem Samstag Vormittag hinzugeben, denn in Freiburg steht sein bekanntes Münster.

Kirchen, Burgen, Klöster haben für mich ihre ganze spezielle Anziehungskraft. Ich bin von ihrer Baukunst und Architektur manchmal schlicht weg gefangen. Sie haben etwas überwältigendes, etwas mystisches, geheimnisvolles, dabei strahlen sie doch eine unglaubliche Ruhe aus, besänftigen einen, wenn man sich still auf leisen Sohlen durch sie hindurch bewegt, selbst wenn sie so gut besucht sind, wie das Münster an jenem Samstag. Was mich persönlich ebenso reizen würde zu fotografieren, wäre eine richtige große Kathedrale oder Kloster aus Frankreich. Ich finde diese sehr beeindruckend, allein, was die Menschen geleistet haben, um solch ein Bauwerk zu errichten, welches dann teilweise bis über Jahrhunderte standhält.

Nun wird es aber langsam Zeit, dass ich euch etwas über das Münster erzähle. Da ich keine Führung mit gemacht habe, sind die Daten aus dem Netz. Ich hoffe, ihr habt etwas Nachsicht mit mir, ich bin kein Reporter, mein Interesse gilt der Fotografie, ich bin sozusagen praktisch veranlagt, kein Theoretiker. 🤓

Der Freiburger Münster

Das Freiburger Münster hat eine lange und komplizierte Baugeschichte. Im Laufe der Bauzeit erlebte es viele Planwechsel und Baumeister, die in der Anfangszeit anonym blieben. Erst mit Beginn des spätgotischen Chorbaus kennt man ihre Namen. Zu ihnen zählt Johannes von Gmünd aus der berühmten deutschen Baumeister- und Bildhauerfamilie „Parler“. Beim Bau orientierte man sich an den zwei wichtigsten Bischofskirchen am Oberrhein: Nach dem Vorbild des Basler Münsters wurde das Freiburger Münster im spätromanischen Baustil begonnen, ab 1230/40 im gotischen Stil in Anlehnung an das Straßburger Münster weitergeführt. Die künstlerischen Verbindungen und die gegenseitigen Anregungen kommen in allen drei Bauwerken in vielfältiger Weise zum Ausdruck, in der Architektur wie in der Skulptur.

Über mehrere Jahrhunderte hat man am Freiburger Münster gebaut, von circa 1200 bis Mitte des 16. Jh. Dank der reichen Silbervorkommen im Schwarzwald, mit denen Freiburg reich geworden war, und der ergiebigen Sandsteinvorräte in der Stadt und der näheren Umgebung waren die Voraussetzungen für so ein gewaltiges Bauwerk günstig. So gehört das Freiburger Münster zu den wenigen großen gotischen Kirchen, die noch im Mittelalter einschließlich des Turmes fertiggestellt wurden. Die Verantwortung und Finanzierung lagen zunächst bei den Stadtherren, den Herzögen von Zähringen und den Grafen von Freiburg. Ab circa 1300 übernahm die Stadt selbst die Leitung über die Arbeiten. Bis Anfang des 19. Jh. waren die aus dem Stadtrat gewählten Münsterpfleger zuständig für das Bauwerk und seine Ausstattung.

Auch nach der Vollendung des Münsters Mitte des 16. Jh. setzte sich die Bautätigkeit mit zahlreichen Ergänzungen und Anbauten zur Verschönerung der Kirche fort. Parallel hierzu wurden immer wieder Restaurierungsarbeiten durchgeführt, die bis zum heutigen Tag andauern. Diese Arbeiten teilen sich seit 1890 das Erzbischöfliche Bauamt und der Münsterbauverein mit der Münsterbauhütte, die seit dem Mittelalter mit kurzer Unterbrechung besteht.

Das Freiburger Münster, Stadtpfarrkirche und seit 1821/27 Bischofskirche der Erzdiözese Freiburg, ist ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung. Berühmt vor allem wegen seiner einzigartigen, durchbrochenen Turmspitze birgt die Kirche in ihrem Innern eine große Anzahl mittelalterlicher Kunstwerke, wie Altäre, Glasmalereien und Skulpturen. Nahezu unversehrt hat das Münster die zahlreichen Kriege, vor allem die beiden Weltkriege des 20. Jh. überstanden.

Daten:

Architektonische Höhe: 116m

Baustile: Gotische Architektur, Romantische Architektur

Architekt: Johann Parler der Ältere

Funktion: Kathedrale

Konfession: Römisch-Katholische Kirche

Am späten Nachmittag ließ mich der Münster wieder aus seinem Bann und ich eilte zu meinem, schon wieder etwas länger, auf mich wartenden Mann.

Ich hoffe euch hat der Ausflug in die Stadt Freiburg ebenso gefallen, wie mir. Als nächstes nehm ich euch mit nach Thüringen, auch wenn ich den Schwarzwald mittlerweile als meine Heimat bezeichne (hab hier mein Herz ❤️ vergeben), bin ich gerne auch mal wieder dort, wo meine Wurzeln liegen. Es geht auf die Osterburg nach Weida, dort befand sich letztes Jahr die Ausstellung, ganz im Sinn der „Sprache“. Ich denke, es wäre doch bestimmt interessant, was es darüber alles zu besprechen gibt, da ich sowieso das Empfinde habe, wir kommunizieren viel zu wenig untereinander, ohne dass nicht einer ein Smartphone oder Laptopcomputer vor sich hat. Wo sind sie hin die einfachen Gespräche von Mensch zu Mensch, mit dem Blick in die Augen der dir gegenüber stehenden Person(en)?

Zusätzlich befand sich zu dem Zeitpunkt, als wir auf der Burg waren, noch eine ganz eigene Kunstausstellung. Ich bin zwar nicht dazu veranlagt und hab auch überhaupt null Ahnung, was Kunst angeht, aber ich sehe, was schön ist und harmoniert. Was mich auf diesem Ausflug noch begeistert hat, als nur die alten Mauern, das erfahrt ihr, wenn ihr vorbeischaut. Also wir sehen uns? Eure Heike 🙋🏻‍♀️

http://www.freiburgermuenster.info

http://www.freiburg.de

http://www.markgraeflerland.de

http://www.hochschwarzwald.de

Schritt für Schritt durch die Heimat – Das Ziel vor Augen (2)

Es war an einem wunderschönen Samstagmorgen, kein Wecker klingelte, kein Verkehrslärm, keine Nachbarn. Nur das liebliche Vogelgezwitscher, das sanfte Rauschen des Sommerwindes in den Blätter der umliegenden Bäume, warme kitzelnde Sonnenstrahlen, weckten uns aus dem erholtem Schlaf, hier in der traumhaften Natur des Wiesentals. Nun hatten wir schon so viele Kilometer hinter uns gebracht, waren jedesmal unter Sternenhimmel eingeschlafen und wachten in bezaubernder Umgebung auf und jedesmal war es etwas besonderes.

An diesem Morgen war es schon sehr warm, wir frühstückten ordentlich und brachen dann rasch auf, um frühzeitig die ersten Kilometer hinter uns zu bringen, bevor es wieder zu heiss werden würde und wir nur langsam voran kommen würden. Unser Ziel war heute die Bücklebodenhütte bei Sallneck hier im heimeligen Wiesental. Aber zuerst traten wir mal den Gang in Richtung „Badezimmer“ an! Los gehts, auf nach Hinterheubronn und dann zum Naturschutzgebiet mit dem sich dort befindlichen Natur Badesee , dem Nonnenmattweiher.

Nach der Fischerhütte ist es nur noch ein kurzes Stück, bis sich uns der idyllisch gelegene Natursee Nonnenmattweiher zeigt.

Nonnenmattweiher

Der Name des Sees geht auf die früher gebräuchliche Bezeichnung für zur Mast vorgesehene Kühe – sog. Nonnen oder Nunnenzurück. Sie wurden früher auf den Matten (im Alemannischen für Wiese) des Karbodens geweidet. Später vermutete der Volksmund ein Nonnenklosterals Namensgeber, welches der Sage nach durch ein Gottesgericht im See versunken sei.

Nachdem der See vermutlich bereits im Mittelalter verlandet war, wurde er in der Folgezeit mit Dämmen aufgestaut. Er ist rund 325 Metern lang und 200 Metern breit, somit ist der Nonnenmattweiher nicht sonderlich groß, aber dafür richtig schön anzusehen.

Nach dem ausgiebigen Bad im See und einem zweiten Kaffee, machten wir uns wieder auf die Socken. Das kleine Dörfchen Wies war unser nächstes Anlaufziel, der Weg dorthin ging über herrliche Waldwege, sehr angenehm hier im Wald zu laufen, gerade weil die Sonne schon wieder kräftig vom Himmel schien.

Wir durchliefen Wies um die Mittagszeit und folgten der Landstraße nach Wambach. Am Wegrand fanden wir eine kleine Bank unter einem Baum im Schatten. Von hier aus hatten wir nochmal einen schönen Blick über das Örtchen. Von Blasmusik, welche auf eine Festlichkeit zurück zu führen vermag, begleitet verbrachten wir hier unseren Mittag, wir köchelten schnell etwas aus einer Tüte. Danach gönnten wir uns ein 30 Minütiges Schläfchen.

Der Weg nach Wambach verlief für uns über die Teerstrasse, unter strahlender, heißer Sonne. Wir kämpften uns förmlich Schritt für Schritt die 2,5 Kilometer hoch in dieses ebenfalls kleine heimatliche Dorf. Wir suchten durstig und nach etwas Abkühlung sehnend einen Dorfbrunnen und wurden zum Glück fündig. Wir kühlten uns ab, füllten die Trinkflaschen mit dem klaren , erfrischenden Wasser und orientierten uns dann auf der Wanderkarte, um die letzte Etappe der Tour zur Bücklebodenhütte anzutreten. Es dürften noch ca. 5 km sein, dann hätten wir es geschafft.

Wir folgten der Route mit gelber Raute zum Ortsausgang und liefen einem Waldstück sehnsüchtig entgegen, endlich wieder im Schutz der Bäume laufen, Schatten. Auf gut ausgebauten Forst-, Waldwegen ging es weiter mal auf, mal ab, mal geradeaus.

Immer mit Orientierung auf die gelbe Raute in Richtung Sallneck, denn von dort müsste dann bald mal die Bücklebodenhütte ausgeschrieben sein. Müsste, war sie aber nicht, was uns zwischendurch verunsicherte, ob wir noch richtig waren. Dann tauchte auf einer kleinen Bergkuppe eine Hütte auf, die mir von meiner letzten Tour im Alleingang, bekannt vor kam. So wusste ich sofort genau, wo wir waren und weiter laufen mussten. Von hier aus war es nicht mehr weit und wir trafen auf die Bücklebodenhütte.

Ich hatte zwischendurch geschrieben, hier an der Bücklebodenhütte hätten wir es geschafft an diesem heißen Tag, doch es kam mal wieder anders. Aber erstmal fingen wir an uns ein wenig auszubreiten, machten uns frisch an der Quelle mit schönen kühlen Wasser. Setzten ein Kaffee auf, köchelten uns ein deftiges Abendessen. Dann gab es noch ein Tröpfchen Whisky und während wir so quatschten über die weitere Etappe bis nach Steinen, merkten wir das es uns in den Füßen juckte und wir wieder voller Energie geladen, es uns in den Sinn kam eine Nachtwanderung nach Hause zu machen. Lag wohl am Whisky, dass wir dann tatsächlich unsere sieben Sachen verpackten und voller Tatendrang aufbrachen. Nicht dass ihr denkt wir reden hier von einer Nachtwanderung mit höchsten 3 km, NEIN! Von der Bücklebodenhütte bis Steinen Bahnhof sind es ungefähr 14 Kilometer! Nicht zu vergessen, die gleiche Anzahl hatten wir an diesem Tag schon bewältigt, bei ca. 30 Grad im Schatten. Keine Ahnung was uns da geritten hat, aber nun ja, wir haben es getan, Nachts durchs Kleine Wiesental.

Noch war der Himmel blau und es war nun angenehm zum laufen, die Hitze hatte sich in ein angenehmes Abendlüftchen verwandelt. Doch dann sahen wir etwas auf uns zu kommen, was uns ein wenig Sorgen machte.

So liefen wir weiter , nun etwas zügiger, wir mussten noch durch den letzten bewaldeten Abschnitt runter zu dem Örtchen Hofen. Ab da würde es geradeaus am Vogelpark vorbei nach Weitenau gehen und dann auf dem Radweg noch 6 Kilometer schnurstracks Endspurt nach Steinen.

So ca. 21.30 Uhr durchliefen wir den Ort Hofen, hier zeigte sich der Himmel in einem atemberaubenden Abendrot, dazu kam noch das hier eine Kirche steht und diese wurde sogleich zu einem traumhaft, schaurig schönen Fotomotiv für mich. Allein dafür hatte sich der Aufbruch zu vorgerückter Stunde gelohnt, es hat uns nicht umsonst in den Füßen gejuckt, diese Tour in die Nacht hinein auf uns zu nehmen.

Nun hieß es aber für uns zügig voran zu kommen, das Grollen wurde immer lauter und treibender. Wir liefen, was das Zeug hielt, die ersten Regentropfen platschten auf den vor uns liegenden Weg. Es muss wohl so um 23.00 Uhr gewesen sein, als wir etwas leicht befeuchten, aber glücklich und stolz heil zu Hause ankamen. Bei einem Glas Whiskey auf dem trockenen Balkon beobachteten wir nun das herab prasseln des Regens auf die Erde. Zum heutigen Tag kann ich von uns behaupten, wir haben alles richtig entschieden, ich möchte keinen einzigen Schritt missen. Es war eine erfahrungsreiche, abwechslungsreiche, herausfordernde Tour , aber in erster Linie war es wunderschön, eine Zeit die ich nie im Leben vergessen möchte. Danke an meinen Mann Jürgen für dieses wunderbare Abenteuer, nur mit dir bin ich an meine Grenzen und über sie hinaus gegangen. Ich liebe dich ❤️

Den letzten Abschnitt unserer Tour kannten wir schon recht gut, auch wenn wir noch nicht alle Wege gegangen sind, da unzählig viele Wandermöglichkeiten hier durch unser schönes Wiesental führen. Gleich vier bekannte Berge prägen das Landschaftsbild dieser Region, da ist bei Schopfheim die Hohe Möhr ( 988,8 m) , weiter hinten befindet sich der Zeller Blaue ( 1077 m) und wie der Name schon sagt, findet man ihn bei der Stadt Zell i. Wiesental.

Bewegt man sich weiter hinter auf der B317 in Richtung Schönau, dann kommt man zum schönsten Berg hier im Südschwarzwald, mit seiner runden Kuppel ragt er aus den grünen, dicht bewaldeten Hügeln des Wiesentals empor, der Belchen ( 1414,2 m) und nur ein paar Kilometer weiter, grüßt uns aus dem Oberen Wiesental der höchste Berg des Südschwarzwaldes , der schon weiter über die Grenzen hinaus bekanntere Feldberg ( 1493 m). Die großflächige Region mal intensiver zu erkunden, das war der Grund, weshalb wir im Sommer 2021 von Steinen aus gestartet sind und im letzten Jahr die Tour zu Ende gegangen sind, es liegt uns nicht, etwas anzufangen und nicht zu Ende zu bringen.

Ich hoffe, dass euch diese kleine Serie von Schritt für Schritt durch die Heimat gefallen hat und wir euch eventuell dazu begeistert haben, hier in diese zauberhafte Region zu reisen, oder sogar ermutigen konnten, die ein oder andere Wanderung durch diese urige, wilde, teilweise naturbelassene Landschaft zu unternehmen. Wir haben es jedenfalls sehr genossen, das ein oder andere versteckte Fleckchen zu entdecken und unsere Gedanken frei schweifen zu lassen. Die Natur hier bildlich festzuhalten und euch und der restlichen Welt da draußen zu zeigen, man muss nicht immer weit von zu Hause entfernt Urlaub machen, manchmal liegt die Erholung und der Ausgleich vom Arbeitsalltag direkt vor unserer Haustür. Wir werden diese Tour auf der Wanderapp Komoot rein stellen, falls es noch jemand gibt, wo Schritt für Schritt diese wunderschöne Ecke Deutschlands entdecken möchte.

Danke allen Lesern, die unseren Blog verfolgen und die Geduld aufgebracht haben, solange auf die Fertigstellung der Serie zu warten. Viel Spaß auch weiterhin bei tollen Berichten, über Flüsse, Berge, Seen oder auch mal zu einem Ausflugsziel in traumhafter Landschaft, denn unsere Welt ist schön… eure Heike und Jürgen

http://www.schwarzwald-tourismus.info

http://belchen-seilbahn.de

https://www.kleines-wiesental.eu/

http://www.fischerhuette-nonnenmattweiher.de

http://www.steinen.de

https://www.bauernhausmuseum-schneiderhof.de

http://www.vogelpark-steinen.de

Einzelne Daten aus dem Wikipedia verwendet.

Schritt für Schritt durch die Heimat- das Ziel vor Augen (1)

Wer mein Blog etwas verfolgt hat, der konnte mitlesen, dass wir 2021 im Juni zu dieser Tour aufgebrochen sind und sie wegen schlecht Wetter frühzeitig abbrechen mussten, die letzten Kilometer dann erst im vergangenen Jahr bis zum Ende gelaufen sind. Wieder war es Juni und wieder war es sehr heiss und wieder mussten wir zum Schluss zusehen, dass wir trocken nach Hause kommen.

Eigentlich hätten wir oberhalb von Todtnauberg starten müssen, an der Schweinebühlhütte, dann hoch über den Westweg zum Notschrei und von da zum Wiedener Eck bis auf den Belchen. So war der ursprüngliche Plan, doch wer öfter auf unserem Blog ist, der weiß, dass es bei uns ab und an zu Planänderungen kommt. Man muss einfach mal flexibel sein.

So fuhr uns im letzten Sommer an einem Samstagmorgen um 6.00 Uhr der Zug von Steinen nach Zell i. Wiesental. Von dort ging’s mit dem Bus bis hinter nach Utzenfeld und dort trafen wir dann ca. 7.30 Uhr ein und konnten vom örtlichen Rathaus aus die Fortsetzung der Sommertour 2021/22 aufnehmen.

Warum Utzenfeld? Wie im Bloggbericht „Das Sommerkleid der Buche“ beschrieben, wollte ich ja unbedingt die Buche mit der riesigen Krone, welche über dem großen Utzenfluh thront, in ihrem vollen Sommerkleid fotografieren. So kam es, dass ich mich dazu entschied, die Tour nicht von Todtnauberg, sondern von Utzenfeld aus zu starten und von hier aus zum Wiedener Eck zu wandern, um dort auf die Ausgangsstrecke zu stoßen und weiter zu laufen. Das hieß zwar, dass wir den Notschreipass auslassen würden, dafür aber über Knöpflesbrunn kamen, somit ein weiteres Stückchen Heimat auskundschafteten. Zwei Fliegen mit einer Klappe! Toll!! Auf was ich mich da einließ… ich würd sagen, das „gehen“ wir vielleicht Schritt für Schritt gemeinsam an.

Auf gehts, am besten gleich mal wieder bergauf, damit die restlichen Weihnachtspfunde purzeln, vom Utzenfelder Rathaus hoch über den Engelsweg zur kleinen Utzenfluh und dann weiter hoch zum großen Fluh mit sommerlicher Buche und Blick zum Belchen. Und nicht schwächeln, das war nur ein kleiner Anstieg, gegenüber denen, wo heute noch folgen. 🫣

Noch ein wenig weiter hoch in das Naturschutzgebiet des Utzenfluh wollten wir laufen und von dort oben unser erstes Vesper zu uns nehmen, hatten ja noch nicht wirklich was gefrühstückt. Außerdem hatten wir den herrlichen Ausblick von hier oben noch in guter Erinnerung vom Ausflug im April. So suchten wir uns ein schattiges Plätzchen unter einem Baum und genossen nicht nur unseren Kaffee.

Im April fanden wir zum ausruhen einen großen Fels mitten auf der Wiese, doch als wir diesmal nach dem Frühstück weiter gingen, staunte ich nicht schlecht, als uns ein üppig grünes, dicht verwachsenes Meer aus Farnen empfing.

Das Naturschutzgebiet neigte sich dem Ende zu und wir trafen oben auf den breiten Wanderweg, links würden wir nach Todtnau oder auch Todtnauberg kommen, aber wir entschieden uns ja für die rechte Wegführung, ausgeschildert mit Wiedener Eck und Knöpflesbrunn. Und hier kam er auch schon, der nächste Aufstieg, und dann gleich noch so steil…aber die Aussicht! Seht selbst.

Wir waren so begeistert, dass wir kurzerhand entschieden, im hier existierenden Berg – Gasthaus, eine schöne kalte Cola zu trinken. Außerdem stiegen die Temperaturen schon wieder sehr rasch auf die 30 Grad Marke an.

Nach etwa einer halben Stunde ging’s auch schon weiter für uns. Auf Wiedersehen du schöne Aussicht, so schnell vergessen wir dieses herrliche Fleckchen Erde nicht. Ein paar Schritte weiter fanden wir eine super tolle Grillstelle, ideal also für einen Familienausflug oder Anlaufstelle auf einer Wanderung. Knöpflesbrunn bietet für jedermann etwas.

Aha, die ersten 4,5 km lagen hinter uns und ebenso viele nochmal bis wir erstmal zu dem Dörfchen Wieden kommen. Na dann machen wir uns mal auf die Spur. Auch auf diesem Teil, gabs links und rechts lauter Schönes oder auch mal Uriges zu sehen.

Es wurde immer wärmer und ich war froh, als wir dann endlich mal zur Mittagszeit in Wieden ankamen, ich hielt Ausschau nach Wanderschildern, da ich wissen wollte, wie weit der Belchen noch genau entfernt war, weil wir diesen noch überqueren wollten heute. Ob wir das überhaupt noch körperlich umsetzen könnten, bei den Temperaturen und mit unseren gut gepackten Rucksäcken.

Also ca. 9 km hatten wir schon hinter uns und 8 km sollten es noch werden, oh ha. Ich halt mir erstmal zur Motivation die 2 km bis zum Wiedener Eck vor Augen, denn jetzt ging’s streng bergauf und das über eine Teerstrasse, die Wanderer hier unter euch, werden jetzt eventuell genauso leise schluchzen, wie ich an diesem Tag. Bei gefühlten 40 Grad im Schatten, wenn man welchen bekam, auf einer dampfenden Teerstrasse. 🥵 Wieso ist es eigentlich immer so heiß auf unseren Touren, ach ja wir befinden uns im erholsamen Sommerurlaub.

Oh endlich!!! Das wunderschön anzuschauende Tor zum Wiedener Eck. Jetzt gehts direkt auf den Westweg zum Belchen, welcher über den gleichnamigen Steig zu erreichen ist. „Hab ich Steig gesagt… „ was heißt, bergauf? Mimimi 🥺

Es war herrlich, hier so im schattenspendenden Wald zu wandern, es ging auch mal angenehm geradeaus. Trotzdem rannte uns der Schweiß, wie Wasser über den Körper , es war einfach unerträglich heiß geworden. Ich tauchte mein Tuch ein weiteres Mal in einen, zu meinem Glück, am Wegrand stehenden Brunnen mit eiskalten Wasser und zog es über den Kopf, damit ich nicht überhitzte. Ein Hitzschlag würde das Ende dieser wunderbaren Tour bedeuten und den wollte ich vermeiden. Denn nun kam der knackigste Anstieg des Tages.

Der Belchensteig ist ein, auf einem Naturpfad folgender, Wanderweg rund um und auf den Belchen verlaufend. Insgesamt ist er ca. 14 km lang , ein prämierter Wanderweg und am besten vom Wiedener Eck ausgehend zu bewandern, auch gern als Tagesausflug zu genießen. Einkehrmöglichkeiten bieten das Hotel am Wiedener Eck, das Belchenhaus oder die Gastwirtschaften direkt in Örtchen Wieden. Wir hatten ja unsere Verpflegung auf dem Rücken und mit dieser stiegen wir nun weiter nach oben, hoch zum Gipfel des schönsten Berges des Südschwarzwald.

Ich war ziemlich kaputt und müde oben angekommen, die letzten Meter wäre ich am liebsten mal wieder auf allen Vieren hochgekrochen, aber die gute Erziehung meiner Eltern hielt mich davon ab. 😅 Zudem wehte hier ein kühlendes, leichtes Lüftchen und machte das Ganze dann doch recht angenehm zu bewältigen. So genossen wir die traumhafte Aussicht bis zu den Schweizer Alpen und rüber zum Feldberg. Auch die Möglichkeit auf ein blubberndes erfrischendes Wässerchen aus dem gekühlten Getränke Automat trieb uns voran und ließ uns leichtfüßig das letzte Stückchen Weg hinter uns bringen.

Nun waren wir schon einige Stunden unterwegs und hatten etliche Kilometer hinter uns gebracht, doch nun sollten wir so langsam ein Nachtlager finden. Dies ging natürlich nicht hier oben, auf einen von Besuchern überlaufenen Ausflugsziel, an einem Wochenende im Naturschutzgebiet, also hieß es für uns zwei, nochmal Kräfte zusammen sammeln und runter vom Berg . Es wird sich schon was finden, um diesen Tag gemütlich ausklingen zu lassen.

Wir stiegen über die Route in Richtung Stuhlskopf, Münstertaler Aussicht nach Hinterheubronn ab, auch ein wenig anspruchsvoll, erst recht wenn man schon fast 20 km hinter sich hat. Es ging auf schmalen, steinigen Wurzelpfad nach unten. Danach wechselte der Weg zu einem breiteren Waldweg über, was den Abstieg angenehmer machte und das Vorwärtskommen beschleunigte. Allmählich umhüllte uns das sanfte Licht der Abendstimmung, kein Mensch kreuzte unseren Weg, es wurde ganz still im Wald nur hier und da war das Rascheln eines Mäuschen zu hören und das Zirpen der Grillen begleitete uns. Wir kamen an der kleinen Kapelle zu Ehren des Pfarrer Strohmayer an. Hinter dieser befand sich ein gemütliches Rastplätzchen mit traumhaften Ausblick und wunderschönen herannahenden Sonnenuntergang, somit stand für uns fest, hier verweilen wir, um unser Abendessen zu uns zu nehmen und diesen langen, von Hitze geprägten, anstiegsreichen Tag, genüsslich ausklingen zu lassen.

Die letzte Etappe beginnt im kühlen Nass und endet auch fast in einem solchen und warum es zum Schluss noch eine Nachtwanderung wurde, das alles erfahrt ihr im nächsten und somit auch abschließenden Teil der Sommertour Schritt für Schritt durch die Heimat, hier auf diesem Blog. Eure Heike

http://www.knoepflesbrunnen.de

http://www.wiedener-eck.de

http://www.belchen-seilbahn.de

http://www.schwarzwaldtourismus.info

Die Ruhe vor dem Sturm…

In der Natur gibt es viele Arten von Stürmen, Sandstürme, Blizzards, Tornados, Hurrikans, aber so kurz vor der Weihnachtszeit gibt es bei denen die im Einzelhandel arbeiten noch eine ganz andere Art von Sturm. Jene, wo hinter einer Theke arbeiten und die Menschheit mit ausgefallenen Gerichten zum Feste beraten und versorgen, wissen wahrscheinlich jetzt, von welchem Sturm ich rede. Ja die alljährlichen Fragen zum Festessen und die Bedenken der kurzzeitig ernannten Köche, wo mit der ein oder anderen Zubereitungsart Sorgen haben, ja die stürmen nun zu uns Fachberatern an die Theke und hoffen auf unser Wissen. Die ein oder andere Frage, lässt uns schon manchmal die Haare dabei zu Berge stehen, aber genau für die sind wir geschult worden. Somit werden wir auch dieses Jahr wieder mit aller Kraft, beratend und Rezepte vorschlagend, Tipps gebend an den Theken des Landes stehen, um den Weihnachtsdinnern Vorbereitenden bei ihrer Küchenschlacht Rückhalt zu geben, damit sie sorglos und stressfrei mit ihren Liebsten gemütlich und genussvoll die Festtage genießen können.

Um nicht völlig drei Tage erschöpft unterm Weihnachtsbaum, luftschnappend zu landen, wollte ich nochmal Kraft tanken. Und wo kann ich das nicht besser, als in der Natur. Also zogen wir am Sonntag los und genossen zur Mittagszeit, die durch die klare Luft hindurch scheinenden, wärmenden, Sonnenstrahlen. Wir fuhren hinter ins Kleine Wiesental, hoch nach Gresgen, auf Rümmelesbühl, dort hat es mir schon Anfang Jahr sehr gut gefallen und es wirkt so heimelig, lieblich, genau richtig für eine kleine Auszeit im Alltag.

Diesmal nahm ich meine Kamera mit und so ging ich gedankenverloren und in der Landschaft schwelgend den Weg entlang, auf der Suche nach schönen Motiven zum Fotografieren. Bevor ich euch hier mit meinen Bildern, eventuell ebenfalls zur Ruhe kommen lasse, wünsche ich euch allen eine ruhige, friedliche, besinnliche Weihnachtszeit im Kreise eurer Familien. Genießt die Feiertage und lasst euch die vor allem mit Liebe und viel Arbeit verbundenen Weihnachtsmenues schmecken. Bleibt gesund und wir sehen uns gewiss nochmal, bevor das Jahr vorüber geht. Euer gehpaeck Team Heike und Jürgen

Schritt für Schritt durch die Heimat (6)

Nach dieser Odyssee am gestrigen Tag, wurden wir durch ein leichtes Plätschern aus dem Schlaf geholt. Zu unserer Enttäuschung, kam dieses nicht von der kleinen Quelle, welche sich hier befand. Nein, es waren die Tropfen des sich langsam vermehrenden, bindfädenähnlichen, auf uns herabfallenden Regens, welcher uns also den ganzen Tag begleiten sollte. Wir schauten sogleich auf die Wetterapp unseres Handys, diese sagte voraus, dass sich der Regen nicht so schnell verziehen werde und am Abend würde noch eine Gewitterfront mit übers Wiesental ziehen. Das passte so gleich gar nicht in unsere Pläne, wollten wir doch am Abend zum Sonnenuntergang auf dem Belchen sein. Wir beobachten noch eine Weile den Regen und den Himmel mit den Wolken, welche Richtung sie wohl einnehmen würden, ob es eventuell noch ein Lichtblick gebe für unseren weiteren Tourenverlauf. Ein Tag im Regen laufen, würde machbar sein, doch es sollte die nächsten drei Tage nicht trocken werden und genau so viele brauchten wir noch, um von hier aus über den Notschrei zum Wiedener Eck, den Belchen überquerend durchs kleine Wiesental, wieder zu unserem Ausgangspunkt nach Steinen zu gelangen. So waren wir am Ende eher vernünftig und entschieden uns schweren Herzens, die Tour zu verkürzen und nach Todtnau hinabzusteigen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln die Heimfahrt anzutreten.

Unsere sieben Sachen waren im Handumdrehen zusammengepackt, den letzten Schluck Kaffee ausgetrunken und schon konnte es losgehen. Wehmütig verließen wir diesen wunderbar gelegenen Vesperplatz, mit herrlicher Aussicht. Naja, zumindest wissen wir jetzt wo er sich befindet und können jederzeit hier her zurückkehren. Nach kurzem Blick auf die Karte, schlugen wir den Weg in Richtung Todtnauberg ein, gestern Abend hatten wir ja schon mal ein Wegweiser mit der Aufschrift gesehen und diesem folgten wir nun. Schon nach ein paar Schritten stoppten wir wieder, nein diesmal hatten wir uns nicht verlaufen, der Regen nahm zu und wir hielten es daher für besser, sogleich die Regen Ponchos überzuziehen, bevor wir durchweicht würden, nass bis auf die Knochen.

So nun kann’s aber los gehen, es war Samstag und wir sollten nicht erst nachmittags in Todtnau ankommen, da wir nicht wussten, wie lange die Busse hier in dieser ländlichen Region fahren würden, sonst müssten wir am Ende doch noch die fast 30 km nach Hause laufen und das bei dem Wetter. Jürgen ging voraus, ich schlenderte hinterher, schaute nach Motiven, welche ich noch nebenher fotografieren könnte, aber ich bekam nicht wirklich etwas brauchbares vor die Linse. Außerdem wollte ich uns nicht ständig aufhalten und so packte ich das Handy in die Jackentasche und fand mich mit dem Gedanken ab, dass unser Schwerpunkt heute wohl rein auf dem Laufen lag.

Wir kamen an eine Wegekreuzung und folgten dem Pfeil nach Todtnauberg. Irgendwann nach einer Weile veränderte sich die Wegebeschaffenheit vom eben noch, weichen matschigen Waldboden mit einem mittigen Grünstreifen, zum mit Schotter und Kieselsteinen befestigten, um tiefere Schlaglöcher ebenerdiger zu machen, bis hin zur ausgehärteten Teerstrasse. Das war vielleicht ein unangenehmes Laufen, die Bergstiefel kommen einem dann wie stumpfe Holzklötze unter den Füßen vor. Jedes Mal sag ich mir, „ es wird Zeit für ein paar zusätzliche Wanderschuhe aus weicherem Material, gerade für solche Touren.“ Da ja die Vollleder Schuhe doch eher fürs alpine Gelände gedacht sind, aber bis heute hab ich mir noch keine zugelegt, zu blöd aber auch!

Kein Mensch war auf der Straße, an diesem so regnerischen Samstagmorgen, hier hinten im Bergdörfchen Todtnauberg. Die saßen bestimmt hinter ihren Fenstern in der warmen Stube und wunderten sich über uns zwei nass triefenden Wanderer und das zu einer Uhrzeit, wo man an so einem Morgen, doch eher im gemütlichen Bett bleibt. Naja wir jedenfalls liefen zum Info Pavillon in der Dorfmitte, um genauere Erkundungen über unsere Position und weiteren Verlauf zu bekommen.

Oh wie herrlich, führt doch von hier ein direkter Wanderweg nach Todtnau runter, wie praktisch, so schlugen wir diesen auch sofort ein, damit wir nicht auskühlen, wenn wir so lange im Regen stehen. Auf gehts, Endspurt! Noch nicht wirklich ahnend, dass wir schon in kurzer Zeit, an einem uns eigentlich bekannten Naturschauspiel vorbei kamen. Nämlich den Todtnauer Wasserfällen.

Todtnauer Wasserfall

Zwischen Todtnauberg und Aftersteg stürzt sich mit 97 m Fallhöhe der Todtnauer Wasserfall, einem den Atem raubend in die Tiefe. Er ist damit Baden-Württembergs höchster Naturwasserfall.

Der Ursprung des Wasserfalls entspringt der Quelle des Stübenbachs, diese befindet sich auf 1.386 m Höhe auf der Stübenwasen. Von hier bahnt er sich sanftmütig durchs Hochtal von Todtnauberg. Zu ihm gesellen sich glasklare kleine Bergbächle, bevor er sich dann in zwei Stufen über ein riesiges Granitmassiv, mit ohrenbetäubenden Getöse, ins Tal hinabstürzt.

Meine Wanderlaune an diesem Tag war wieder gestiegen und ich fotografierte und filmte dieses wahnsinnig, urig schöne und gewaltige Naturschauspiel. In meiner Begeisterung sprang ich von hier nach da, ging in die Knie, um andere Perspektiven zu bekommen, aller Regen und der unbequeme Lauf über Teerstrassen war in diesem Moment vergessen. Ich war in meinem Element, die Natur in ihrer ganzen Schönheit und Kraft in Bildern festzuhalten.

Nach diesem Highlight, gönnten wir uns eine Verschnaufpause und bevor wir den letzten Abstieg unserer Tour in Angriff nahmen, genossen wir den wunderschönen Ausblick, um uns dieses Erlebnis in wohlgesonnener Erinnerung zu behalten.

Es war später Vormittag und wir sollten langsam runter nach Todtnau laufen, damit wir noch einen Bus erreichen können, welcher uns dann wieder zurück in die „Zivilisation“ bringen würde. So machten wir uns auf den Weg.

In Todtnau angekommen orientierten wir uns nach den Wegweisern zum Busbahnhof, von hieraus fuhr eine Linie bis vor nach Zell, dort mussten wir umsteigen in den Zug, welcher bis nach Basel fährt. Ach herrje, wir sahen aus, als würden wir direkt aus dem Regenwald kommen, die Ponchos klebten an uns, so nass waren sie und unsere Bergstiefel sahen aus, als hätten wir gerade ein Moor durchwatet. So wurden wir von den paar Fahrgästen, wo an diesem Tag unterwegs waren, von oben nach unten und wieder anders herum beäugt. Oh , und was brauchten wir in der Hochsaison der Pandemie, genau eine Mund-Nasenmaske. Diese waren irgendwo tief in unseren Rucksäcken vergraben, hatten wir ja in der Wildnis nicht benötigt, kam uns kein Mensch entgegen, manchmal stundenlang nicht.

Da standen wir nun, wie zwei begossene Pudel, kramten die Masken und das bisschen Kleingeld, welches wir noch bei uns hatten hervor, damit wir mitfahren durften. Wir fühlten uns etwas unwohl und fehl am Platz, doch was soll’s, jetzt wollten wir dann doch auf schnellsten Weg nach Hause und die nassen Klamotten abziehen. Dort angekommen, setzten wir zuerst die schweren Rucksäcke ab, danach die Stiefel ausgezogen und sofort die nasse Kleidung gegen trockene, warme getauscht, ach wie angenehm war dies.

Jetzt fehlte nur noch etwas leckeres zum Essen, da fällt mir doch ein, wir sollten unsere Wäsche vielleicht gleich bei der Schwiegermama abholen, weil die ja unbedingt zeitnah gewaschen werden sollte. 😅 Also ab ins Auto und zu ihnen gefahren und zu unserem Glück war auch noch was übrig vom Mittag, na wenn das kein Zufall war. Wir genossen den Nachmittag auf ihrem Balkon, dort war eine angenehme Wärme, ideal für uns, die aus dem Regen kamen. Später staute sich die Luft regelrecht über unseren Köpfen und mit Blick in die Weinberge und rüber ins Wiesental konnten wir die dicken Gewitterwolken sehen, welche mit grollendem Donner über dieses hinwegzogen. Auch wenn wir dabei Wehmut empfanden und die Tour lieber in einem Stück bis zum Ende gelaufen wären, war es wohl doch sicherer, jetzt hier auf Mama‘s Balkon zu sitzen und das ganze Naturspektakel zu beobachten, als hindurch laufen zu müssen. So lehnten wir uns zufrieden zurück, es für uns richtig entschieden zu haben und freuten uns schon auf den kommenden Sommer, in dem wir somit den Plan hatten, die Tour dann fortzusetzen…

Wie wir das letztendlich gestalteten und was wir dort für Wege auf uns nahmen, erfahrt ihr beim nächsten Mal in der Fortsetzung, Sommertour Finish 1 und 2 . Bis dahin kommt gesund durch den Advent 🙋🏻‍♀️🙋🏻‍♂️

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Schritt für Schritt durch die Heimat (5)

Nach einer Nacht unterm Sternenhimmel und LKW Geräuschen von der nicht weit von uns gelegen und hier durchs Bärental führende Bundesstraße B317, hoffte ich auf ein entspanntes Wandern durch die Feldberg Region. Auf diesem Teil der Tour lagen der Raimartihof, mit Feldsee, danach Aufstieg zum Seebuck mit Bismarck Denkmal und rüber laufen zum Feldberg, von da aus über die Stübenwasen zum Notschrei und dort sollte am Wegrand wieder eine Hütte liegen, laut unserer Karte, welche zum Nachtlager geeignet schien. Aber zuerst hieß es, heute kein Kaffee, sondern schnell zusammenpacken und rüber ins „Schwarzwaldmädl“ ein rechtes Frühstück mit Café Creme, frische Brötchen und Marmelade 😃

Mit so einem ausgewogenen Frühstück in so einem gemütlichen Ambiente und mit dem Ausblick auf einen von der Sonne begleiteten Tag, zogen wir gegen 8.00 Uhr los. Die Tour startete am Ententeich auf der anderen Seite der Straße und wir tauchten sofort in die reizvolle Natur hier ein.

Am Wegrand fielen uns ein paar schöne Schwarzwald Bauernhöfe auf, einen davon fotografierte ich dann mal, er lag wunderschön von einer Wiese umgeben, kein angrenzender Nachbar, herrlich muss das sein, so zu wohnen.

Der Weg verlief hinter ins Feldbergareal wunderbar an einem Waldrand entlang, danach in den Wald hinein, zum Glück, weil es schon wieder sehr warm wurde und der Wald einfach Schatten spendete, es waren immerhin knapp 3 km bis zum Raimartihof.

Schön war dieser morgendliche „Spaziergang“, sag ich mal hier so, heute weiß ich, dass der Rest der Strecke harte Arbeit war. Am gerade öffnenden Gasthaus angekommen, machte ich noch schnell paar Bilder, danach verließ uns eine unserer Powerbanks und ich konnte mein Handy nicht laden.

Aber jetzt sind wir erstmal an dem, vor ca. 300 Jahre erbauten, Raimartihof, ein kühles Getränk schlürfen und die wunderschöne Umgebung genießen, danach noch an den Feldsee, bevor es anstrengend den nächsten Abschnitt sehr steil bergauf ging.

Die Bilder vom Feldsee sind daher aus einer früheren Tour. Danach musste ich mein Handy immer wieder quälen, hochzufahren und schnell 1-2 Bilder zu bekommen, um es danach wieder abzuschalten, damit wenigstens ein bisschen Saft drauf bleibt 🙈 hier wünschte ich jetzt, ich hätte die Kamera mitgeschleift, aber geplante 8 Tage und dann immer in unwegsamen Gelände, ich wollte die neue Kamera einfach nicht gleich auf der ersten Tour Schrotten. Hatte ja auch eigentlich genügend Gepäck auf dem Rücken, wie ich später wieder feststellen musste.

Wir warfen noch einen letzten Blick zurück in die liebliche Natur des Feldsees, bevor wir uns den nun folgenden Anstieg widmeten. Vom Feldsee hoch auf den Seebuck mit seinem Bismarck Denkmal gehts über Stock und Stein, im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Naturbelassener Wurzelpfad führt uns hinauf, an Felsen und urigen Bäumen vorbei. Der Weg war uns noch in guter Erinnerung gewesen, da wir paar Wochen vorher schon einmal hier hoch gewandert sind, als wir von Fahl aus über den Feldberg den Feldbergsteig gegangen waren, dieser führt ebenfalls am Feldsee vorbei, im Bericht „Die Quelle der Wiese“ schrieb ich darüber.

Nun hatten wir aber Hochsommer und immer noch gefühlte 12 kg Gepäck auf dem Rücken, nur langsam kamen wir voran. Der erste Lichtblick waren die auftauchenden Terrassen und Biergärten, der hier umliegenden Almhütten und Restaurants, sie reihen sich hier mittlerweile wie eine Kette aneinander und sind zu fast jeder Jahreszeit gut besucht. Die älteren Gastronomien find ich immer noch am gemütlichsten. Aber es ist für jeden Touristen Typ was dabei. Der Feldberg und Umgebung ist nun mal Ausflugsmagnet Sommer, wie Winter.

Wir waren an diesem Tag aber noch lange nicht an unserem Tagesziel, dieses lag ursprünglich weit entfernt, eigentlich hinter dem Notschrei, dort hatte ich eine Hütte auf der Wanderkarte ausgemalt, von dem Punkt, wo wir uns noch befanden. Was hatten wir uns dabei nur zugetraut, was man bewältigen könnte, an Kilometern zu Fuß mit Rucksack, naja auf der Karte sah das alles machbar aus, aber die Wirklichkeit brachte uns an unsere Grenzen des Umsetzbaren. Wie im Sprichwörtlichen „ der Abend ist schlauer wie der Morgen“, so seid gespannt, wie weit wir noch kamen und wo wir Nachtruhe hielten, dieser Tag war wieder einmal sehr lehrreich für uns. Aber aufgeben liegt nicht in unserer Natur, weder meinem Mann, noch in meiner. So weit die Füße tragen…

Der nächste Anstieg lag vor uns, hoch zum Gipfelkreuz des Seebuck mit dem Bismarck Denkmal. Steil führte dieser Panoramaweg hier an der Seite der Sessellifte nach oben, erst noch durch schattenspendende Bäume vor der Mittagssonne geschützt, danach auf frei liegenden Schotterweg die letzten Meter bis zum Denkmal. Halleluja, wir sind endlich mal oben, hab ich das wirklich geschafft? Ich lechze nach Wasser und ein kühlendes Lüftchen, sofort setzen wir die Rucksäcke ab und suchen uns ein relativ freies Plätzchen. Es ist Freitagmittag und es ist doch einiges los hier oben. Sportler, Wanderer, Familien und Urlauber finden sich hier ein. Wir machen ein paar Fotos und atmen kurz durch, schauen uns um , lesen die Wander Beschilderungen.

Für uns hieß es weiter gehts, durch den Grüblesattel, welcher zum Feldberg rüber führt, sieht eigentlich gar nicht so weit aus, zog sich aber, mir unendlich lang vorkommend. Na wenigstens ein leichter Sommerwind wehte uns nun um die Nasen. Das machte es erträglicher. Am Feldberg angekommen machten wir eine kurze Rast im Gras. Die Aussicht ist einfach zu schön, um nur durch zu laufen und wenn ich hier an diesem Tag geflucht haben sollte, was ich verdrängt habe, dann lag es nicht an der wunderschönen Natur oder die Entfernung von einem Berg zum nächsten oder an den Aufstiegen, nein, es war nur das Gepäck auf dem Rücken! Ich würde hier oben gerne wieder einmal wandern wollen, aber dann mit weniger Kilogramm, denn dieses Fleckchen Erde und das was noch vor uns lag, ist so schöne weitläufige Landschaft mit atemberaubenden Ausblicken, dass ich es nur zu gut verstehen kann, warum es soviel Menschen hier hinauf zieht.

Die Uhr stand auf ca. 13.30 Uhr und wir nahmen den Abstieg zur St. Wilhelmer Hütte, wieder auf schmalen Weg, ging es zügig bergab. Das Wirtshaus war gut besucht, wir hatten ja gerade aus unseren Rucksäcken gevespert, daher liefen wir weiter. So verlief der Weg nun wieder aufwärts, über einen bewaldeten Kamm, mit Heidelbeersträucher und Farnen, dazu ein Ausblick über die Feldberghalde.

Als wir diesen Abschnitt verließen, eröffnete sich uns die weitläufige Stübenwasen. Ich war sofort von dieser traumhaft schönen Landschaft gefesselt, an einer Bank hielten wir inne und bestaunten diese wunderschöne Hochebene.

„ Wie schön muss es wohl im Winter hier oben sein!“ war mein erster Gedanke, welcher mich auch nicht so schnell wieder losließ. Ich teilte Jürgen mit, dass ich mich in diesem Moment dort, dazu entschieden hatte, eine Tour hier hoch zu unternehmen, wenn Schnee lag. Dies setzten wir auch Anfang diesen Jahres um, wobei wirklich ein paar super schöne Bilder entstanden sind. Auch dazu gab es schon einen Bloggbericht. Das war ein ebenso tolles Erlebnis, wie die gerade beschriebene Tour.

Wir wanderten weiter, der Weg war breit, da wir uns auf der Mountainbike Route und den ebenfalls hier entlang führenden Westweg befanden. Ich konnte mich gar nicht genug sattsehen an dieser Gegend, wir hatten ja schon einige schöne Fleckchen auf dieser Tour zu sehen bekommen, aber dieser Teil, dieses Gefühl, vom dichtbewachsenen Wald, plötzlich vor so einer Weite und diesem Ausblick zu stehen und in diese einzutauchen, das lässt mich bis heute wehmütig werden.

Hier oben hat man einen herrlichen Blick über Todtnau und Todtnauberg, dazu befindet sich die größte Baumliege der Welt in dieser atemberaubenden Natur. Ohne Frage! Ich musste natürlich Probesitzen, hatte ja selbst noch nie so ein gigantisches Gehölz gesehen, dazu noch mit bequemen Sonnenliegen ausgestattet und den dazugehörigen Weitblick ins Obere Wiesental. Wunderbar so eine Erfahrung.

Nach kurzem Fotoshooting, hockten wir die Rucksäcke wieder auf und gingen weiter, bis zum Notschrei waren es noch 5 km, mussten wir ja noch etwas weiter kommen, um an die Hütte zu gelangen, also lagen ja noch mindestens 7-8 km vor uns, laut Plan. Nur an einem kamen wir nicht vorbei, ohne kurz einzukehren. Dem Gasthaus Stübenwasen mit seinen kühlen Getränken und den erfrischenden, sündhaft leckeren Erdbeeren mit Vanille Eis und ordentlicher Portion Sahne. Da war es wieder, mein Urlaubsgefühl, einfach auch mal genießen und schlemmen, weil es der Seele so gut tut.

Der Nachmittag hier oben verging, wie im Flug und bevor wir uns versahen, stand der Zeiger schon auf 16.00 Uhr, somit sollten wir in die Gänge kommen, mussten wir ja noch unser Nachtlager erreichen. Dies erwies sich dann auch bald als schwieriger, wie gedacht. Jürgen meinte, wir sollten doch nicht mehr allzu weit an diesem heißen Tag laufen und lieber den Abend gemütlich ausklingen lassen, damit wir Kraft tanken könnten, da wir ja geplant hatten, am morgigen Tag über den Belchen zu wandern, welcher auch nicht zu unterschätzen sei, unter unseren Vorraussetzungen. Somit schlugen wir die Karte nochmals auf und schauten, ob nicht schon vor dem Notschrei eine Hütte eingezeichnet sei. Und zu unserem „Glück“ gab es eine, sogar mit fließend Wasser und Feuerstelle ausgestattet und ganz in der Nähe sollte diese sich befinden, also nix wie los, natürlich erst Zeche zahlen!

So liefen wir ausgeruht und optimistisch, beschwingt einem, wie wir bis dahin dachten, gemütlichen Abend entgegen. Wir liefen und liefen und liefen, zählten die Abzweigungen, nach der fünften müssten wir rechts auf einen Waldweg abbiegen und würden dann nach kurzer Zeit direkt an der Hütte rauskommen. Also gingen wir an der abgezählten Wegkreuzung rechts und landeten, nein nicht an der Hütte, sondern irgendwo im nirgendwo. Also wieder paar Meter zurück, vorherige Abzweigung und nun, wieder rechts und jetzt sollte sie erscheinen, aber wieder, keine Spur von einer Hütte. Nicht mal annähernd, hätte ja auch sein können, dass diese nicht mehr steht oder eingewachsen ist. Daher nochmal zurück bis auf den Hauptweg, Karte auf geklappt, draufgeschaut und na also das kann doch nicht so schwer sein, ganz deutlich muss das Häuschen hier irgendwo sein, dazu befand sie sich, so wie wir es auf der Karte entnehmen konnten an einer großen Wiese , was heißen würde, es müsste ja auch der Wald etwas lichter werden, aber hier an unserem Punkt, war nichts zu erkennen, dass die Bäume sich weiteten.

Ein gutes Zeichen, dass sich hier in der Nähe eine Wiese befinden müsste, war der uns entgegen kommende Traktor mit Heuwender. Also nochmal Anlauf genommen und die Wegführung besser studiert, an einem uns zuversichtlichen Abzweig eingebogen, um nach kurzer Zeit ( nun langsam an unserem Orientierungssinn zweifelnd ) erneut im Nichts zu stehen.

Das kann doch nicht wahr sein!!! Haben wir so wenig Ahnung vom Kartenlesen, oder spielt uns das Leben einen Streich. Mmm, runter mit den Rucksäcken und auf den Boden, die Karte erneut ausgebreitet, den Kompass dazu, so saßen wir da, an einer Wegekreuzung. Drei Möglichkeiten gab es, zurück oder vorwärts oder runter führend , sollte es nach Todtnauberg gehen, so stand es mal an einem Holzpfahl am Baum, neben uns, also wo ging es lang. Wir studierten die Wege hier in der Nähe, mit Hilfe der Karte, als plötzlich neben uns eine ältere Dame heran kam und grüßend an uns vorbei lief. Diese hatte ein Fernglas dabei, wobei uns der Gedanke kam, dass sie wohl von irgendwo hier oben eine Aussicht damit besichtigen wollte. Wir packten rasch zusammen und folgten dieser Frau, eventuell könnte sie uns doch Licht in unsere Verwirrung geben. So kam es auch, wir liefen ihr nach und nicht mal mehr 200 m weit entfernt erblickten wir die Dame, sitzend an einer Hütte mit einem wunderschönen Ausblick ins Tal. Da war sie, unsere Hütte!

Erleichtert endlich angekommen zu sein und ein Schlafplatz für die herannahende Nacht gefunden zu haben, setzten wir die Rucksäcke ab. Die Dame ging einen kurzen Moment später, genauso leise, wie sie uns erschienen war. Für uns war sie der rettende Engel , an diesem so schönen und auch anstrengenden Tourentag.

Was waren wir glücklich, so ein angenehmes und für unsere Verhältnisse top ausgestattetes Nachtlager gefunden zu haben. Wasser aus einer frischen Quelle, Grillstelle und ideale Möglichkeit zum nächtigen, dazu ein Ausblick, wie aus dem Bilderbuch, mehr braucht es nicht. Wer auch schon mal mehrere Tage unterwegs war, der weiß, oder kann unser Glück an dieser Stelle nachvollziehen. So genossen wir den Abend und ließen den aufregenden Tag Revue passieren, so ließen wir ihn bei einem wärmenden Feuer und einem kleinen Schnaps gemütlich ausklingen. Einfach herrlich, so in der Abenddämmerung, zur Ruhe kommen, abschalten, durchatmen. Was braucht man mehr.

Später krochen wir in unsere Schlafsäcke und schliefen wieder einmal unter Sternenhimmel und leichtem vom Wind durchsäuselten Blätterrauschen ein.

Der nächste Tag versprach genauso unsere Kräfte in Anspruch zu nehmen, war ein weiterer herausfordernder Anstieg geplant. Das dieser Tag leider ganz und gar nicht wie geplant verlief und warum wir unsere Tour komplett umschmeißen mussten, dass erfahrt ihr im schon bald erscheinenden weiteren Bloggbericht. Bis dahin, habt eine gute Zeit und Spaß beim anschauen der Bilder. Eure Heike und Jürgen

http://www.fischerbeck.de

http://www.raimartihof.de

http://www.sankt-wilhelmerhuette.de

http://www.berggasthof-stuebenwasen.de

November Rain – Spaziergang zwischen den Regentropfen

Für diejenigen, wo bei der Überschrift gedacht haben, ich schreibe hier den Songtext des bekannten Welthits der berühmten Rockgruppe Guns N‘ Roses , dann muss ich euch sogleich enttäuschen. Der Titel ist mir als erstes in den Sinn gekommen, als ich neulich im November einen kleinen Spaziergang unternahm, trotz Regenwetters. Nachdem ich 8 Tage flach lag, und mal so gesagt Hausarrest hatte, war ich froh am neunten Tag endlich mal wieder paar Schritte weiter machen zu dürfen, als nur vom Bett zur Couch und wieder zurück. Es zog mich einfach raus, ich warf einen Blick aus dem Fenster und beobachtete den Regen, nach einiger Zeit ließ er etwas nach und schwups schlupfte ich in angepasste Kleidung und ging vor die Tür. Ich wollte die gewohnte Strecke laufen, da dürfte ich so in einer Dreiviertelstunde wieder daheim sein, das sollte reichen für den ersten Ausgang.

So lief ich den Weg hinter zu der Stauanlage an der Wiese entlang, wo hier fließt, bei den Gärten vorbei. Nach nur ein paar Metern fing ich schon die ersten Motive ein und kam richtig in Schwung dabei.

Ich lief recht beschwingt, der Regen machte mir nichts aus. Meine Gedanken schweiften um den Monat November. Warum ist er eigentlich jedes Jahr so verrufen? Kalt, dunkel, nass, grau, nebelig, das sind die Worte die ich zu hören bekommen, wenn es um den November geht. Also ich finde es ist ein toller Monat, er bietet Zeit, nochmal das Jahr Revue passieren zu lassen, bei einer heissen Schokolade in angenehm gewärmter Stube, wenn man nicht hinaus gehen möchte. Man kann zu Hause mal paar liegengebliebene Dinge aufarbeiten, oder schon Pläne für das kommende Jahr schmieden. Und wenn man sich dann doch mal in die Natur traut, zeigt sich diese in ihrem ganz eigenen wunderschönen Kleid. Die Bäume sind noch teilweise in einem warmen Grün und die Wege werden von bunten Blättern bedeckt, manchmal schauen sie aus, als hätte jemand einen rotbraunen Teppich ausgerollt. Über die Wiesen schwebt sanft wie ein Schleier der Nebel hinweg, als würde die Welt schlafen gelegt, eine besinnliche Ruhe strahlt dies aus.

Ich bin nun doch schon fast eine Stunde unterwegs, so langsam schwindet das Licht hier oben im Wald und ich mache mich auf den Rückweg. Ich entdecke noch ein paar schöne Motive, welche ich mir nicht entgehen lasse, sie bildlich festzuhalten. Mir kommt noch die Idee, die Bahngleise zu fotografieren in dieser abendlichen Stimmung und ich bin mit dem Ergebnis ganz zufrieden. Aus sicherer Entfernung warte ich noch auf den hier vorbeifahrenden Zug, ich möchte mal was Neues ausprobieren, so halte ich mein Handy bereit zum abdrücken. Huiiii, schon donnert er an mir vorbei, ich drücke den Auslöser. Sofort blicke ich auf mein Display, um zu sehen, ob ich Erfolg hatte und war für meine Sicht der Dinge positiv überrascht.

Nun wird es aber doch langsam Zeit, dass ich nach Hause komme. Völlig zufrieden mit den eingefangen Eindrücken eines Spaziergangs zwischen den Regentropfen in einer mir sich, von ihrer ebenfalls, schönen Seite zeigender Natur, kam ich an diesem November Abend glücklich zu Hause an. Sogleich machte ich mich an die Bearbeitung der Bilder und stellte fest, zu jeder Jahreszeit gibt es Dinge, für die es sich lohnt vor die Tür zu gehen, es muss nicht immer die Sonne dafür scheinen, man muss nur besser hinsehen.