Stürmischer Abschied – Letzter Aufstieg am Belchen

Ich kann mich noch genau an meinen ersten Aufstieg erinnern. Es war ein warmer sommerlicher Nachmittag und der Belchen zeigte sich mir in einer traumhaften, farbenfrohen Natur.

Das satte Grün der Wiesen und die aufblühenden verschiedenen Baumarten, das stark leuchtende Violett der Glockenblumen, die Gräser und die reich an Ernte aussehenden Sträucher der Heidelbeeren, haben mich damals sofort in ihr, urig wirkendes Landschaftsbild gezogen.

Ich hatte das Gefühl, mich in den fast sorgenfreien 50,-iger Jahren zu befinden, die lauten Verkehrs,- und Großstadtgeräusche waren ganz weit weg und die Natur erinnerte mich an die Landschaft eines Heimatfilmes, wo alles so schön friedlich und wohlgesonnen ausgestrahlt wurde.

Seit diesem ersten Aufstieg sind unzählige Fotos zu jeder Jahreszeit entstanden. Ich zeige euch hier mal nur eine kleine Auswahl jener, die ich in meinem Archiv noch gefunden habe.

Warum nun ein Abschied?

Im Leben müssen wir oftmals Veränderungen wahrnehmen und annehmen. Ich hatte mir nie vorgestellt, dieses Fleckchen Erde jemals wieder verlassen zu müssen und doch habe ich nun für mich die Entscheidung getroffen, den Schwarzwald schweren Herzens den Rücken zu kehren und wieder in die Richtung meiner Heimat zu ziehen.

Zu meinem letzten Aufstieg auf den Belchen, begleitete mich meine liebe Schulfreundin. Sie hat extra zwei Stunden Anfahrt auf sich genommen, um mit mir mal eine Sonnenaufgangstour zu unternehmen.

Sie reiste somit schon am Abend zuvor an. Diesen nutzten wir für ausgiebige Gespräche. Doch zu spät sollten wir auch nicht zu Bett gehen, denn wenn wir die Sonne aufgehen sehen wollten, dann sollten wir zeitig aufstehen.

Ich plante etwas mehr Zeit für den Aufstieg ein, da ich selbst auch schon sehr lange nichts mehr für meine Ausdauer getan hatte und ich zusätzlich zwischendurch inne halten werde, wollte ich doch alles nochmal so richtig in mir aufnehmen. Wir starteten somit ca. 4.00 Uhr oberhalb von Neuenweg im kleinen Wiesental.

Ich entschied mich bewusst für diese Seite zum hinauf laufen, denn von hier aus ging es damals beim ersten Mal auch hoch.

Der Urweg ist in meinen Augen, einer der schönsten Varianten zum Besteigen des Belchen. Nicht zu steil und nicht zu unwegsam, gerade auch, wenn das Tageslicht noch nicht seine ganze Helligkeit erreicht hat.

Schon nach kurzer Zeit lag der erste Abschnitt hinter uns und wir gelangten an die Kuhweide, wo man entweder dem Urweg über die Weide entlang den Serpentinen ähnelnden Trampelpfade folgen kann oder man nimmt den rechts am Berg entlang verlaufenden breiteren Forstweg.

Es wollte die Sonne noch lange nicht aufgehen und so nahmen wir den uns sicherer erscheinenden, rechts verlaufenden Weg an.

So konnten wir noch etwas entspannt uns unterhalten, da der Weg sich mit nur leichter Steigung am Berg entlang schlängelte. Dabei legten wir uns ein kleines Zeitpolster zu, welches wir später in Anspruch nehmen könnten, wenn es dann an die Höhenmeter geht.

Die Vögel fingen an zu zwitschern und das sagte uns, der Morgen naht in großen Schritten. Der Tag brach langsam an.

War es im Wald uns beim laufen schon mal etwas warm geworden, so mussten wir schnell feststellen, dass wir, je näher wir dem Gipfel kamen, an diesem Sonntagmorgen ein ordentliches Lüftchen pfiff. Somit packten wir uns in die winddichte Kleidung, die wir vorsorglich mitgenommen hatten und nahmen die letzten Meter zum Gipfel in Angriff.

Die Sonne ließ sich zwar nicht wirklich blicken und die Wolken zogen durch den kräftig blasenden Wind nur so über uns hinweg. Das Morgenrot kam dadurch auch nicht in seiner so gewohnten farbenfrohen Pracht zur Geltung. Wir trotzen dem windigen Gesellen und liefen dem Tagesanbruch entgegen.

Fast geschafft, von hier aus trennt uns nur noch eine kleine Kurve, dann sind wir auf des Belchens unverkennbar Baumlosen Kuppel.

Heute mit einer extra Portion Luft. Aber wir bleiben eisern und stemmen uns gegen den Wind. So einfach lassen wir uns nicht vertreiben!

Heute zeigte sich der so sanfte Riese aus dem Süden des Schwarzwald von seiner nicht so schönen Seite. Ist er doch sonst als der Schönster im Lande bekannt, sogar nominiert.

Ich hätte meiner Freundin gern einen atemberaubenderen Sonnenaufgang gegönnt.

Denn wenn sich das schimmernde Licht des Morgenrots und die wärmenden Strahlen der Sonne über die schlummernden Berggipfel des Südschwarzwaldes anschleicht und sie sanft umschmiegt, das ist ein so schöner magischer Moment. Man fühlt sich viel entspannter.

Schade, an diesem Morgen, gab es nur ein kleines Morgenrot 🥴

Je näher wir nun dem Gipfelkreuz kamen um so unliebsamer wurde der Wind, er stürmte uns regelrecht entgegen und pfiff uns um die Nase. An diesem Tag könnte man meinen, der Belchen hat den Wind extra bestellt, um uns Frühaufstehern zu sagen: „was wollt ihr denn ständig so zeitig hier oben, kann denn ein Berg nicht auch mal ausschlafen, an einem Sonntag! Reicht es euch denn nicht, wenn ihr sonst zu jeder Tag und Nachtzeit hier auf meiner Runden Kuppel herumtrampeln dürft?“

So schritten wir dann doch lieber dem Abstieg entgegen, mal schauen, ob das Wetter uns heute noch überraschen kann.

Wir liefen den Rundweg zum Belchenhaus hinunter, nur ein paar wenige Fahradfahrer und Wanderer, die ebenso wie wir zum Sonnenaufgang den Weg auf sich genommen hatten, trafen wir hier an.

Für den Abstieg hab ich den Urweg mit dem Verlauf über die eingegrenzte Kuhweide ausgewählt. Wie schon erwähnt, ist das für mich, einer der schönsten Wege.

Er schlängelt sich abwechslungsreich, serpentinenartig, durch kurze Waldstücke und Wiesen am Berg hinab.

Oberhalb ist die Vegetation noch sehr karg und urig. Läuft man am Anfang auf schmalem Trampelpfad an der Weidefläche entlang, muss man hier und da schon mal über einen kleinen Felsen steigen.

Dann gesellen sich Büsche und knorpelige Bäume dazu, zwischendurch größere Felsbrocken, bis man in das erste Waldstück kommt und man von Buchen, Eichen und paar wenigen Fichten umgeben ist. Hauptsächlich besteht dieser Wald hier aus Laubbäumen.

Es war immer noch sehr windig und die Aussicht war auch sehr mit grau-blauen Schleierwolken verhangen, daher tat der Wald recht gut, so fegte uns der Wind nicht gar so ins Gesicht. Hier waren wir etwas geschützter vor seinen pfiffigen, aufgeblasenen, herumwirbelnden Gemüt, an diesem Sonntag.

Zwischen den Bäumen tat sich immer mal ein Ausblick auf, doch von Sonne war weiterhin nicht viel zu sehen. Nicht mal in Ferne.

Man konnte gerade so den Hochblauen noch erblicken, danach verschwand die Welt dahinter in Wolken. Auf der Schweizer Seite das selbe Spiel, kein einziger Berggipfel war zu erkennen, was sehr schade war.

Aber nun ja wir ließen uns die Laune nicht verderben, plauderten über dies und jenes, machten trotzdem paar Fotos zwischendurch und dann tat sich auch schon das Tor zur Viehweide auf.

Zu dieser Jahreszeit stand noch keine Kuh hier oben, denn die werden ja erst im Mai aufgetrieben, je nach Wetter, denk ich mal. Vor paar Jahren bin ich mal hier den Weg ebenfalls runtergelaufen und unten kam dann ein neugieriger Jungbulle entgegen.

Das war eine etwas knifflige Situation, da man nie weiß, wie so ein Tier reagiert und ob man wohl gerade dann eine falsche Bewegung macht. Der Abstieg damals ging dann zum Schutz eher querfeldein runter und unter dem Elektrozaun auf die andere Seite. Es war eine kleine Tortur, aber sicherer für Mensch und Tier. Man sollte seine Grenzen nicht ausreizen, oder seinen Schutzengel überstrapazieren, wenn man ausweichen kann.

Durchs Tor hindurch, hätte man eigentlich einen super schönen Ausblick 🤷🏻‍♀️

Ab hier verlief der schmale Weg auf freiem Gelände, von hier aus hat man sonst einen schönen Weitblick über das Vordere Wiesental bis in die Schweizer Bergwelt. Naja die müssen wir uns heute denken.

Weiter hinab ging es zu einem gemütlichen Plätzchen, ideal um Vesperpausen einzulegen, mit Blick über das Örtchen Neuenweg und dem Kleinen Wiesental. Oder zur anderen Seite nochmal zum Hochblauen im Kandertal.

Wie oft saß ich hier oben und schaute in die so liebliche Landschaft, die Berge wenn so ineinander verfließen, das hat mir immer am meisten gefallen. Wenn dann im Herbst oder zu ganz früher Morgenstunde der Nebel an den Hängen hinauf schwebte oder über die Wiesen glitt, war es für mich ein beruhigender Anblick. Ich nehme diese Bilder in meinen Herzen und Gedanken mit mir.

Nun verlief der Weg an einer offenen Wiese entlang, wir folgten seinem geschlängel und erfreuten uns daran, dass nun die Sonne sich ein wenig durch die dichte Wolkendecke versuchte durchzusetzen. Hin und wieder gelang ihr dies, was uns die Wanderung zum Ende zu wieder etwas angenehmer machte.

Meine Freundin und ich genossen ihre wärmenden Strahlen, so blieben wir auch öfter mal stehen und blinzelten ihr entgegen.

Genau diese Momente mag ich am meisten auf diesen frühen Touren. Wenn die Sonnenstrahlen so langsam die Erde berühren und die Tautropfen auf den Gräsern und den Blüten der wild wachsenden Blumen glitzern in ihrem warmen Schein. Alles erstrahlt, die Welt erwacht ganz langsam und in aller Ruhe. Herrlich ist das und ich empfinde ein so friedvolles Gefühl ringsherum.

In diesen kurzen Augenblicken atme ich tief ein und lass den Blick um mich herum schweifen, ich nehme diese morgendlichen Eindrücke bei jedem Atemzug in mir auf, das tut gut und gibt mir Kraft weiter zu machen.

Wir gelangten an das untere Tor der Weide und befanden uns nun an der Ausgangsstelle, wo wir vor wenigen Stunden den rechten Weg zum hinaufgehen genutzt hatten. Von hier aus war es nicht mehr weit zum Parkplatz.

So liefen wir schlendernd bergab, bis wir an eine Bank kamen und dort setzen wir uns für eine kurze Rast. Ideal um noch einmal inne zu halten und Brotzeit zu machen.

Ein letzter Blick zurück

Ich bin froh, dass zu diesem letzten Aufstieg mich zum einen, meine Freundin begleiten hat und zum anderen, das Wetter so windig war. Hätte es den ultimativen Sonnenaufgang an diesem Tag gegeben, wäre es für mich zu schwer geworden, dieses wunderschöne Fleckchen Erde, hinter mir zu lassen.

Natürlich, es gibt unzählige schöne, atemberaubendere Landschaften, aber wenn man einen bestimmten Ort jahrelang als sein zu Hause ansieht, dann ist es nicht einfach nur eine weitere schöne Gegend sonder eben ein Stück Heimat.

An der alten Grenzmauer, Belchen Aufstieg bei Hinterheubronn/Münstertal

So kommen wir nun trotz des stürmischen Abschiedes vom Belchen glückselig am Auto an und sind doch rundum zufrieden mit diesem windigen Morgen. Es war eben eine tolle Erfahrung und ich danke meiner Freundin, dass wir diesen Tag gemeinsam erleben konnten. Selbst nach fast 10 Jahren, die wir uns nicht gesehen haben, war es das selbe vertraute Gefühl mit ihr zu plaudern, so wie früher, als wir noch den selben Schulweg hatten…

Am Ende zählt nur, was du im Herzen mit dir trägst.

Ich denke an die schönen Wanderungen durch die urigen Wälder, mit glasklaren Qhellen, rauschenden Wasserfällen und plätschernden Bächlein, naturbelassene Seen. Wenn ich meine Augen schließe bin ich dort, träume vor mich hin und laufe in Gedanken die bekannten Wege. Stehe auf dem Belchen und schaue über das liebliche Wiesental…

http://www.schwarzwald-tourismus.de

http://www.loerrach-landkreis.de

http://www.dreilaendereck.de

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