#002 Osterburg Weida- Sprache verbindet

Für diesen Bloggbericht musste ich etwas mehr recherchieren, hatte mir schon im Oktober, als wir auf dieser wunderschönen Burg waren, einige Flyer und Heftchen von dort mitgenommen. Nachdem ich die unzähligen Bilder endlich fertig bearbeitet hatte, stellte ich fest, dass ich die ganzen verschiedenen Ausstellungen, jeweils separat aufführen sollte, sonst verlaufen wir uns noch am Ende auf der Burg und enden so wie dieser Kamerad hier auf dem ersten Foto…😅

Zum Anfang muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich, obwohl ich in einer Stadt in der Nähe von Weida, aufgewachsen bin, noch nie vorher so intensiv auf der Osterburg war. Nur ein einzigstes Mal in der Wirtschaft, welche sich dort oben befindet. Daher war ich überrascht, wie viel es dort zu erkunden gibt.

Also dann kommt mal mit, schauen wir uns die Burg mal genauer an. Zuerst parken wir unser Auto unterhalb, auf den ausgewiesenen Parkplätzen und dann gehts etwas steil bergauf zum Tor…

Wir gehen zur Kasse, dort befindet sich das Museum und 2022 fand dort eine besondere Ausstellung statt und zwar unter dem Motto #was_mit_Sprache , die Kassiererin zeigte auf meine Kamera und fragte mich, ob ich auch in den Innenräumen und in der Kunstausstellung Fotos machen möchte. „Ja,“ sagte ich, „ wenn das möglich ist“ und wie , wo, welche Kunstausstellung? Über den Hof , auf der anderen Seite in den Räumen über dem Künstleratelier und Moritzgewölbe, das wollte ich natürlich sehen, auch wenn ich keine Ahnung von Kunst habe, aber warum nicht. Aber dazu kommen wir später, denn das hat mich wirklich sehr begeistert, was ich dort anschauen durfte. Jetzt gehts erstmal um die Sprache und Kommunikation und da gibt es ja mittlerweile viele Möglichkeiten sich zu verständigen auf dieser Welt. So seht ihr hier die Fotos von der Sonderausstellung „Was mit Sprache“ . Viel Spaß…

Nun möchte ich euch aber erstmal was zur Geschichte dieser wunderschönen, riesigen Burganlage mitteilen. Dafür holte ich mir etwas Hilfe.

Die Osterburg – Wo einst die Vögte residierten

Die Vögte von Weida, Gera und Plauen waren eine bedeutende mittelalterliche Adelsfamilie im Gebiet von Ostthüringen, Nordböhmen, dem südwestlichen Sachsen und Teil Oberfrankens. Ihr ehemaliges Herrschaftsgebiet zwischen oberer Saale, Pleiße und Regnitz wird auch „terra advocatorum“ – Vogtland genannt. Die Ministerialenfamilie übersiedelte Anfang des 12.Jh. wohl aus dem Westharz oder Unstrutgegend stammend, in das Gebiet der oberen und mittleren Weißen Elster. Mehrfach sind sie als Reichslandrichter im Eger- und Pleißenland erwähnt.

Weil dieses Gebiet von den westlichen Kaiserpfalzen aus gesehen weit im Osten lag, wird es auch Ost(er)land genannt. So kam die Stammburg der Vögte in Weida zu ihrem Namen: Osterburg.

Erbaut im 12.Jh. war sie im 13. Jh. und 14. Jh. Residenz und Verwaltungszentrum für das gesamte Vogtland. Unter den Wettinern war die Burg vom 15. Jh. bis zum 19. Jh. Sitz der Amtsverwaltung und Gerichtsbehörde. Heute ist die Osterburg ein lebendiger Ort für Geschichte, Kunst, Kultur und Bildung.

Ein weiteres Highlight dieser mächtigen Burg ist ihr Bergfried, um mehr darüber zu erfahren ging es hier entlang…

Mächtiger Bergfried – Zeitzeuge der ursprünglichen Bebauung

Die Osterburg, früher nur das „Feste Haus zu Weida“ genannt, entstand während des mittelalterlichen Landesausbaus der Stauffer – Kaiser. Ihre Reichsministerialen – die Vögte von Weida – gründeten die Burganlage. Der Bergfried ist mit 54 m Höhe und drei Zinnenkränzen einer der mächtigsten seiner Art in Deutschland. In seinem Innenraum wird ein 360 Grad Panoramafilm zur Geschichte der Reußen gezeigt, mit einem Rundflug aus Sicht eines Turmfalken über das Vogtland.

Am Fuß des Turminneren wird die Dauerausstellung „Turm im Turm“ mit Erkenntnissen von Archäologie und Bauforschung präsentiert.

Türmerstube und Zinnenkränze

Etwas oberhalb des zweiten Zinnkranzes befindet sich die originalgetreu eingerichtete Türmerstube, um diese zu besichtigen, müssen wir erst paar Stufen überwinden.

Oben angekommen, erstmal die Aussicht genießen. Und auf Toilette, oder lieber doch nicht…

So ich hab die Schlüssel, nun rein in die gute Stube!

Aus dem Leben eines Türmers

Die Aufgaben eines Türmers – nachweislich seit dem 15. Jh. – waren Feuerwache, Anschlagen der Stundenglocke und Meldung über die Ankunft der „gnädigsten Herrschaft“. Die Feuerwache war in Zeiten vieler Holzhäuser besonders wichtig. Weida war in vier Stadtteile eingeteilt, das Burgviertel, das Geraische Viertel, das Zwickauische Viertel und das Katschviertel.

Aus den unterschiedlichen Glockenschlägen (Pulsen) konnte jeder sofort erkennen, in welchem Teil der Stadt es brannte. Eine rote Fahne bei Tag und eine rote Laterne bei Nacht deutete die Richtung eines Feuers in der Ferne.

Und während mein Blick so hinunter und um die Burg herumschweift, fällt mir die großzügige Grünanlage rings herum der Anlage ins Auge. Also nix wie runter und weiter geht unsere Erkundungstour, nun um die Gemäuer herum und in die unterste Etage, ins Lapidarium.

Und nun gehts raus, denn die Osterburg hatte nicht nur einen Lustgarten 🥰 sondern auch einen Gefängnisgarten. Sehr großzügig 😅

Nach einer kleinen Runde durch den mittelalterlichen Wurzgarten mit Blick über die Burgmauer auf Weida, war ich nun aber neugierig, was sich hinter den alten Mauern des Neuen Schlosses über dem Moritzgewölbes befand.

Die Bedeutung des Palas

Von der ursprünglichen romanischen Bauweise der Osterburg im 12. Jh. sieht man nichts mehr, weil 1543 der Baumeister Nikolaus Gromann im Auftrag der wettinischen Landesherren das repräsentative Wohngebäude der Vögte in ein Renaissance Schloss umgebaut hat. Jedoch gelang es der Bauforschung, Reste eines romanischen Palas wieder zu entdecken.

Dieser viergeschossige Wohnbau mit zwei Sockel- und zwei Saalgeschossen sollte Macht und Einfluss der Vögte im späten Mittelalter ausstrahlen und war mit seinen Säulen und Rundbogen Fenstern eine sorgfältige Werksteinarbeit.

Mein persönliches Highlight

Das Museum der Osterburg zeigt in seiner Gesamtschau die reiche Geschichte der historischen Burganlage, der Stadt Weida und vom Thüringer Vogtland. Doch eine Ausstellung hat mich besonders fasziniert. Und diese befindet sich über dem Künstleratelier im Neuen Schloss.

Wir wurden schon von einem Führer erwartet, welcher uns die Türen zu etwas, für mich noch nie erlebten öffnete. Ich war völlig ergriffen von diesem Kontrast zwischen Abbruch und Freilegung etwas historischen „Alten“ und der Farben und Bewegung der künstlerisch modernen Werke, Gemälden und Skulpturen.

simul/vade und Gäste

Die Ausstellung öffnet Räume des Schlosses, die seit dem Beginn der 90er Jahre nicht zu sehen waren. Was man nicht sieht, scheint nicht zu existieren. Es wird vergessen und bleibt der Öffentlichkeit verborgen. Es gibt sie aber, diese fast 2000 qm, die ungenutzt seit 30 Jahren dahindämmern. Die Ausstellung möchte das ändern, die Räume öffnen und zur Nutzungsdiskussion anregen. Daraus sollen Investitionen entstehen, das Potential dafür ist da.

Simul/Vade ist eine internationale deutsch polnische Künstlergruppe, die der Geraer Künstler Sven Schmidt 2017 anregte, zu gründen. Dazu kommen Künstler aus Mosambik, England, Österreich und Dänemark, sowie Künstler aus Deutschland.

Na was sagt ihr dazu, ist das nicht wunderbar, diese alten Mauern mit so etwas stilvollem zu gestalten und ihnen dadurch wieder Leben einzuhauchen. Uns wurde berichtet, dass dies früher als Jugendherberge genutzt wurde, aber wenn ich mir meine Bilder anschaue, finde ich sie sollten es weiter als Kunstgalerie nutzen. Ich war und bin es immer noch, begeistert, fasziniert, sprachlos staunend.

Wie gesagt, ich hab null Ahnung von Kunst, aber ich sehe, was schön ist und was bewegend wirkt. Und mit diesem Satz verabschiede ich mich für heute von euch. Ich trinke jetzt noch einen Kaffee und lass mir den wohlverdienten Kuchen schmecken, hier im herrlich angelegten Burgcafé mit Blick über die Stadt.

Ich hoffe ich habe euren Sinn für Kunst und Kultur geweckt, mit diesem Bericht, vielleicht schaut ihr mal vorbei, auf der wunderschönen Osterburg zu Weida. Eure Heike 🙋🏻‍♀️☀️

http://www.osterburg-vogtland.eu

http://www.vogtland-tourismus.de

http://www.thuehringen-entdecken.de

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