Schritt für Schritt durch die Heimat (6)

Nach dieser Odyssee am gestrigen Tag, wurden wir durch ein leichtes Plätschern aus dem Schlaf geholt. Zu unserer Enttäuschung, kam dieses nicht von der kleinen Quelle, welche sich hier befand. Nein, es waren die Tropfen des sich langsam vermehrenden, bindfädenähnlichen, auf uns herabfallenden Regens, welcher uns also den ganzen Tag begleiten sollte. Wir schauten sogleich auf die Wetterapp unseres Handys, diese sagte voraus, dass sich der Regen nicht so schnell verziehen werde und am Abend würde noch eine Gewitterfront mit übers Wiesental ziehen. Das passte so gleich gar nicht in unsere Pläne, wollten wir doch am Abend zum Sonnenuntergang auf dem Belchen sein. Wir beobachten noch eine Weile den Regen und den Himmel mit den Wolken, welche Richtung sie wohl einnehmen würden, ob es eventuell noch ein Lichtblick gebe für unseren weiteren Tourenverlauf. Ein Tag im Regen laufen, würde machbar sein, doch es sollte die nächsten drei Tage nicht trocken werden und genau so viele brauchten wir noch, um von hier aus über den Notschrei zum Wiedener Eck, den Belchen überquerend durchs kleine Wiesental, wieder zu unserem Ausgangspunkt nach Steinen zu gelangen. So waren wir am Ende eher vernünftig und entschieden uns schweren Herzens, die Tour zu verkürzen und nach Todtnau hinabzusteigen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln die Heimfahrt anzutreten.

Unsere sieben Sachen waren im Handumdrehen zusammengepackt, den letzten Schluck Kaffee ausgetrunken und schon konnte es losgehen. Wehmütig verließen wir diesen wunderbar gelegenen Vesperplatz, mit herrlicher Aussicht. Naja, zumindest wissen wir jetzt wo er sich befindet und können jederzeit hier her zurückkehren. Nach kurzem Blick auf die Karte, schlugen wir den Weg in Richtung Todtnauberg ein, gestern Abend hatten wir ja schon mal ein Wegweiser mit der Aufschrift gesehen und diesem folgten wir nun. Schon nach ein paar Schritten stoppten wir wieder, nein diesmal hatten wir uns nicht verlaufen, der Regen nahm zu und wir hielten es daher für besser, sogleich die Regen Ponchos überzuziehen, bevor wir durchweicht würden, nass bis auf die Knochen.

So nun kann’s aber los gehen, es war Samstag und wir sollten nicht erst nachmittags in Todtnau ankommen, da wir nicht wussten, wie lange die Busse hier in dieser ländlichen Region fahren würden, sonst müssten wir am Ende doch noch die fast 30 km nach Hause laufen und das bei dem Wetter. Jürgen ging voraus, ich schlenderte hinterher, schaute nach Motiven, welche ich noch nebenher fotografieren könnte, aber ich bekam nicht wirklich etwas brauchbares vor die Linse. Außerdem wollte ich uns nicht ständig aufhalten und so packte ich das Handy in die Jackentasche und fand mich mit dem Gedanken ab, dass unser Schwerpunkt heute wohl rein auf dem Laufen lag.

Wir kamen an eine Wegekreuzung und folgten dem Pfeil nach Todtnauberg. Irgendwann nach einer Weile veränderte sich die Wegebeschaffenheit vom eben noch, weichen matschigen Waldboden mit einem mittigen Grünstreifen, zum mit Schotter und Kieselsteinen befestigten, um tiefere Schlaglöcher ebenerdiger zu machen, bis hin zur ausgehärteten Teerstrasse. Das war vielleicht ein unangenehmes Laufen, die Bergstiefel kommen einem dann wie stumpfe Holzklötze unter den Füßen vor. Jedes Mal sag ich mir, „ es wird Zeit für ein paar zusätzliche Wanderschuhe aus weicherem Material, gerade für solche Touren.“ Da ja die Vollleder Schuhe doch eher fürs alpine Gelände gedacht sind, aber bis heute hab ich mir noch keine zugelegt, zu blöd aber auch!

Kein Mensch war auf der Straße, an diesem so regnerischen Samstagmorgen, hier hinten im Bergdörfchen Todtnauberg. Die saßen bestimmt hinter ihren Fenstern in der warmen Stube und wunderten sich über uns zwei nass triefenden Wanderer und das zu einer Uhrzeit, wo man an so einem Morgen, doch eher im gemütlichen Bett bleibt. Naja wir jedenfalls liefen zum Info Pavillon in der Dorfmitte, um genauere Erkundungen über unsere Position und weiteren Verlauf zu bekommen.

Oh wie herrlich, führt doch von hier ein direkter Wanderweg nach Todtnau runter, wie praktisch, so schlugen wir diesen auch sofort ein, damit wir nicht auskühlen, wenn wir so lange im Regen stehen. Auf gehts, Endspurt! Noch nicht wirklich ahnend, dass wir schon in kurzer Zeit, an einem uns eigentlich bekannten Naturschauspiel vorbei kamen. Nämlich den Todtnauer Wasserfällen.

Todtnauer Wasserfall

Zwischen Todtnauberg und Aftersteg stürzt sich mit 97 m Fallhöhe der Todtnauer Wasserfall, einem den Atem raubend in die Tiefe. Er ist damit Baden-Württembergs höchster Naturwasserfall.

Der Ursprung des Wasserfalls entspringt der Quelle des Stübenbachs, diese befindet sich auf 1.386 m Höhe auf der Stübenwasen. Von hier bahnt er sich sanftmütig durchs Hochtal von Todtnauberg. Zu ihm gesellen sich glasklare kleine Bergbächle, bevor er sich dann in zwei Stufen über ein riesiges Granitmassiv, mit ohrenbetäubenden Getöse, ins Tal hinabstürzt.

Meine Wanderlaune an diesem Tag war wieder gestiegen und ich fotografierte und filmte dieses wahnsinnig, urig schöne und gewaltige Naturschauspiel. In meiner Begeisterung sprang ich von hier nach da, ging in die Knie, um andere Perspektiven zu bekommen, aller Regen und der unbequeme Lauf über Teerstrassen war in diesem Moment vergessen. Ich war in meinem Element, die Natur in ihrer ganzen Schönheit und Kraft in Bildern festzuhalten.

Nach diesem Highlight, gönnten wir uns eine Verschnaufpause und bevor wir den letzten Abstieg unserer Tour in Angriff nahmen, genossen wir den wunderschönen Ausblick, um uns dieses Erlebnis in wohlgesonnener Erinnerung zu behalten.

Es war später Vormittag und wir sollten langsam runter nach Todtnau laufen, damit wir noch einen Bus erreichen können, welcher uns dann wieder zurück in die „Zivilisation“ bringen würde. So machten wir uns auf den Weg.

In Todtnau angekommen orientierten wir uns nach den Wegweisern zum Busbahnhof, von hieraus fuhr eine Linie bis vor nach Zell, dort mussten wir umsteigen in den Zug, welcher bis nach Basel fährt. Ach herrje, wir sahen aus, als würden wir direkt aus dem Regenwald kommen, die Ponchos klebten an uns, so nass waren sie und unsere Bergstiefel sahen aus, als hätten wir gerade ein Moor durchwatet. So wurden wir von den paar Fahrgästen, wo an diesem Tag unterwegs waren, von oben nach unten und wieder anders herum beäugt. Oh , und was brauchten wir in der Hochsaison der Pandemie, genau eine Mund-Nasenmaske. Diese waren irgendwo tief in unseren Rucksäcken vergraben, hatten wir ja in der Wildnis nicht benötigt, kam uns kein Mensch entgegen, manchmal stundenlang nicht.

Da standen wir nun, wie zwei begossene Pudel, kramten die Masken und das bisschen Kleingeld, welches wir noch bei uns hatten hervor, damit wir mitfahren durften. Wir fühlten uns etwas unwohl und fehl am Platz, doch was soll’s, jetzt wollten wir dann doch auf schnellsten Weg nach Hause und die nassen Klamotten abziehen. Dort angekommen, setzten wir zuerst die schweren Rucksäcke ab, danach die Stiefel ausgezogen und sofort die nasse Kleidung gegen trockene, warme getauscht, ach wie angenehm war dies.

Jetzt fehlte nur noch etwas leckeres zum Essen, da fällt mir doch ein, wir sollten unsere Wäsche vielleicht gleich bei der Schwiegermama abholen, weil die ja unbedingt zeitnah gewaschen werden sollte. 😅 Also ab ins Auto und zu ihnen gefahren und zu unserem Glück war auch noch was übrig vom Mittag, na wenn das kein Zufall war. Wir genossen den Nachmittag auf ihrem Balkon, dort war eine angenehme Wärme, ideal für uns, die aus dem Regen kamen. Später staute sich die Luft regelrecht über unseren Köpfen und mit Blick in die Weinberge und rüber ins Wiesental konnten wir die dicken Gewitterwolken sehen, welche mit grollendem Donner über dieses hinwegzogen. Auch wenn wir dabei Wehmut empfanden und die Tour lieber in einem Stück bis zum Ende gelaufen wären, war es wohl doch sicherer, jetzt hier auf Mama‘s Balkon zu sitzen und das ganze Naturspektakel zu beobachten, als hindurch laufen zu müssen. So lehnten wir uns zufrieden zurück, es für uns richtig entschieden zu haben und freuten uns schon auf den kommenden Sommer, in dem wir somit den Plan hatten, die Tour dann fortzusetzen…

Wie wir das letztendlich gestalteten und was wir dort für Wege auf uns nahmen, erfahrt ihr beim nächsten Mal in der Fortsetzung, Sommertour Finish 1 und 2 . Bis dahin kommt gesund durch den Advent 🙋🏻‍♀️🙋🏻‍♂️

http://www.hochschwarzwald.de

2 Kommentare zu „Schritt für Schritt durch die Heimat (6)

  1. Das habe ich noch nicht gelesen. Ganz große Klasse der Blog.
    Bin auf unsere Bilder gespannt.
    LG die Pfefferkuchenfrau von der Firma E.C.Groschky

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    1. Vielen lieben Dank für diese Nachricht, schön, wenn mein Blog gefällt, die Bilder und auch der Text. Das freut mich sehr. Liebe Grüße im Moment von der Autobahn aus in Richtung „alte“ Heimat in Thüringen… Heike Albiez

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