Nach einer Nacht unterm Sternenhimmel und LKW Geräuschen von der nicht weit von uns gelegen und hier durchs Bärental führende Bundesstraße B317, hoffte ich auf ein entspanntes Wandern durch die Feldberg Region. Auf diesem Teil der Tour lagen der Raimartihof, mit Feldsee, danach Aufstieg zum Seebuck mit Bismarck Denkmal und rüber laufen zum Feldberg, von da aus über die Stübenwasen zum Notschrei und dort sollte am Wegrand wieder eine Hütte liegen, laut unserer Karte, welche zum Nachtlager geeignet schien. Aber zuerst hieß es, heute kein Kaffee, sondern schnell zusammenpacken und rüber ins „Schwarzwaldmädl“ ein rechtes Frühstück mit Café Creme, frische Brötchen und Marmelade 😃





Mit so einem ausgewogenen Frühstück in so einem gemütlichen Ambiente und mit dem Ausblick auf einen von der Sonne begleiteten Tag, zogen wir gegen 8.00 Uhr los. Die Tour startete am Ententeich auf der anderen Seite der Straße und wir tauchten sofort in die reizvolle Natur hier ein.

Am Wegrand fielen uns ein paar schöne Schwarzwald Bauernhöfe auf, einen davon fotografierte ich dann mal, er lag wunderschön von einer Wiese umgeben, kein angrenzender Nachbar, herrlich muss das sein, so zu wohnen.


Der Weg verlief hinter ins Feldbergareal wunderbar an einem Waldrand entlang, danach in den Wald hinein, zum Glück, weil es schon wieder sehr warm wurde und der Wald einfach Schatten spendete, es waren immerhin knapp 3 km bis zum Raimartihof.

Schön war dieser morgendliche „Spaziergang“, sag ich mal hier so, heute weiß ich, dass der Rest der Strecke harte Arbeit war. Am gerade öffnenden Gasthaus angekommen, machte ich noch schnell paar Bilder, danach verließ uns eine unserer Powerbanks und ich konnte mein Handy nicht laden.


Aber jetzt sind wir erstmal an dem, vor ca. 300 Jahre erbauten, Raimartihof, ein kühles Getränk schlürfen und die wunderschöne Umgebung genießen, danach noch an den Feldsee, bevor es anstrengend den nächsten Abschnitt sehr steil bergauf ging.

Die Bilder vom Feldsee sind daher aus einer früheren Tour. Danach musste ich mein Handy immer wieder quälen, hochzufahren und schnell 1-2 Bilder zu bekommen, um es danach wieder abzuschalten, damit wenigstens ein bisschen Saft drauf bleibt 🙈 hier wünschte ich jetzt, ich hätte die Kamera mitgeschleift, aber geplante 8 Tage und dann immer in unwegsamen Gelände, ich wollte die neue Kamera einfach nicht gleich auf der ersten Tour Schrotten. Hatte ja auch eigentlich genügend Gepäck auf dem Rücken, wie ich später wieder feststellen musste.


Wir warfen noch einen letzten Blick zurück in die liebliche Natur des Feldsees, bevor wir uns den nun folgenden Anstieg widmeten. Vom Feldsee hoch auf den Seebuck mit seinem Bismarck Denkmal gehts über Stock und Stein, im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Naturbelassener Wurzelpfad führt uns hinauf, an Felsen und urigen Bäumen vorbei. Der Weg war uns noch in guter Erinnerung gewesen, da wir paar Wochen vorher schon einmal hier hoch gewandert sind, als wir von Fahl aus über den Feldberg den Feldbergsteig gegangen waren, dieser führt ebenfalls am Feldsee vorbei, im Bericht „Die Quelle der Wiese“ schrieb ich darüber.
Nun hatten wir aber Hochsommer und immer noch gefühlte 12 kg Gepäck auf dem Rücken, nur langsam kamen wir voran. Der erste Lichtblick waren die auftauchenden Terrassen und Biergärten, der hier umliegenden Almhütten und Restaurants, sie reihen sich hier mittlerweile wie eine Kette aneinander und sind zu fast jeder Jahreszeit gut besucht. Die älteren Gastronomien find ich immer noch am gemütlichsten. Aber es ist für jeden Touristen Typ was dabei. Der Feldberg und Umgebung ist nun mal Ausflugsmagnet Sommer, wie Winter.
Wir waren an diesem Tag aber noch lange nicht an unserem Tagesziel, dieses lag ursprünglich weit entfernt, eigentlich hinter dem Notschrei, dort hatte ich eine Hütte auf der Wanderkarte ausgemalt, von dem Punkt, wo wir uns noch befanden. Was hatten wir uns dabei nur zugetraut, was man bewältigen könnte, an Kilometern zu Fuß mit Rucksack, naja auf der Karte sah das alles machbar aus, aber die Wirklichkeit brachte uns an unsere Grenzen des Umsetzbaren. Wie im Sprichwörtlichen „ der Abend ist schlauer wie der Morgen“, so seid gespannt, wie weit wir noch kamen und wo wir Nachtruhe hielten, dieser Tag war wieder einmal sehr lehrreich für uns. Aber aufgeben liegt nicht in unserer Natur, weder meinem Mann, noch in meiner. So weit die Füße tragen…

Der nächste Anstieg lag vor uns, hoch zum Gipfelkreuz des Seebuck mit dem Bismarck Denkmal. Steil führte dieser Panoramaweg hier an der Seite der Sessellifte nach oben, erst noch durch schattenspendende Bäume vor der Mittagssonne geschützt, danach auf frei liegenden Schotterweg die letzten Meter bis zum Denkmal. Halleluja, wir sind endlich mal oben, hab ich das wirklich geschafft? Ich lechze nach Wasser und ein kühlendes Lüftchen, sofort setzen wir die Rucksäcke ab und suchen uns ein relativ freies Plätzchen. Es ist Freitagmittag und es ist doch einiges los hier oben. Sportler, Wanderer, Familien und Urlauber finden sich hier ein. Wir machen ein paar Fotos und atmen kurz durch, schauen uns um , lesen die Wander Beschilderungen.



Für uns hieß es weiter gehts, durch den Grüblesattel, welcher zum Feldberg rüber führt, sieht eigentlich gar nicht so weit aus, zog sich aber, mir unendlich lang vorkommend. Na wenigstens ein leichter Sommerwind wehte uns nun um die Nasen. Das machte es erträglicher. Am Feldberg angekommen machten wir eine kurze Rast im Gras. Die Aussicht ist einfach zu schön, um nur durch zu laufen und wenn ich hier an diesem Tag geflucht haben sollte, was ich verdrängt habe, dann lag es nicht an der wunderschönen Natur oder die Entfernung von einem Berg zum nächsten oder an den Aufstiegen, nein, es war nur das Gepäck auf dem Rücken! Ich würde hier oben gerne wieder einmal wandern wollen, aber dann mit weniger Kilogramm, denn dieses Fleckchen Erde und das was noch vor uns lag, ist so schöne weitläufige Landschaft mit atemberaubenden Ausblicken, dass ich es nur zu gut verstehen kann, warum es soviel Menschen hier hinauf zieht.



Die Uhr stand auf ca. 13.30 Uhr und wir nahmen den Abstieg zur St. Wilhelmer Hütte, wieder auf schmalen Weg, ging es zügig bergab. Das Wirtshaus war gut besucht, wir hatten ja gerade aus unseren Rucksäcken gevespert, daher liefen wir weiter. So verlief der Weg nun wieder aufwärts, über einen bewaldeten Kamm, mit Heidelbeersträucher und Farnen, dazu ein Ausblick über die Feldberghalde.


Als wir diesen Abschnitt verließen, eröffnete sich uns die weitläufige Stübenwasen. Ich war sofort von dieser traumhaft schönen Landschaft gefesselt, an einer Bank hielten wir inne und bestaunten diese wunderschöne Hochebene.


„ Wie schön muss es wohl im Winter hier oben sein!“ war mein erster Gedanke, welcher mich auch nicht so schnell wieder losließ. Ich teilte Jürgen mit, dass ich mich in diesem Moment dort, dazu entschieden hatte, eine Tour hier hoch zu unternehmen, wenn Schnee lag. Dies setzten wir auch Anfang diesen Jahres um, wobei wirklich ein paar super schöne Bilder entstanden sind. Auch dazu gab es schon einen Bloggbericht. Das war ein ebenso tolles Erlebnis, wie die gerade beschriebene Tour.


Wir wanderten weiter, der Weg war breit, da wir uns auf der Mountainbike Route und den ebenfalls hier entlang führenden Westweg befanden. Ich konnte mich gar nicht genug sattsehen an dieser Gegend, wir hatten ja schon einige schöne Fleckchen auf dieser Tour zu sehen bekommen, aber dieser Teil, dieses Gefühl, vom dichtbewachsenen Wald, plötzlich vor so einer Weite und diesem Ausblick zu stehen und in diese einzutauchen, das lässt mich bis heute wehmütig werden.

Hier oben hat man einen herrlichen Blick über Todtnau und Todtnauberg, dazu befindet sich die größte Baumliege der Welt in dieser atemberaubenden Natur. Ohne Frage! Ich musste natürlich Probesitzen, hatte ja selbst noch nie so ein gigantisches Gehölz gesehen, dazu noch mit bequemen Sonnenliegen ausgestattet und den dazugehörigen Weitblick ins Obere Wiesental. Wunderbar so eine Erfahrung.





Nach kurzem Fotoshooting, hockten wir die Rucksäcke wieder auf und gingen weiter, bis zum Notschrei waren es noch 5 km, mussten wir ja noch etwas weiter kommen, um an die Hütte zu gelangen, also lagen ja noch mindestens 7-8 km vor uns, laut Plan. Nur an einem kamen wir nicht vorbei, ohne kurz einzukehren. Dem Gasthaus Stübenwasen mit seinen kühlen Getränken und den erfrischenden, sündhaft leckeren Erdbeeren mit Vanille Eis und ordentlicher Portion Sahne. Da war es wieder, mein Urlaubsgefühl, einfach auch mal genießen und schlemmen, weil es der Seele so gut tut.


Der Nachmittag hier oben verging, wie im Flug und bevor wir uns versahen, stand der Zeiger schon auf 16.00 Uhr, somit sollten wir in die Gänge kommen, mussten wir ja noch unser Nachtlager erreichen. Dies erwies sich dann auch bald als schwieriger, wie gedacht. Jürgen meinte, wir sollten doch nicht mehr allzu weit an diesem heißen Tag laufen und lieber den Abend gemütlich ausklingen lassen, damit wir Kraft tanken könnten, da wir ja geplant hatten, am morgigen Tag über den Belchen zu wandern, welcher auch nicht zu unterschätzen sei, unter unseren Vorraussetzungen. Somit schlugen wir die Karte nochmals auf und schauten, ob nicht schon vor dem Notschrei eine Hütte eingezeichnet sei. Und zu unserem „Glück“ gab es eine, sogar mit fließend Wasser und Feuerstelle ausgestattet und ganz in der Nähe sollte diese sich befinden, also nix wie los, natürlich erst Zeche zahlen!
So liefen wir ausgeruht und optimistisch, beschwingt einem, wie wir bis dahin dachten, gemütlichen Abend entgegen. Wir liefen und liefen und liefen, zählten die Abzweigungen, nach der fünften müssten wir rechts auf einen Waldweg abbiegen und würden dann nach kurzer Zeit direkt an der Hütte rauskommen. Also gingen wir an der abgezählten Wegkreuzung rechts und landeten, nein nicht an der Hütte, sondern irgendwo im nirgendwo. Also wieder paar Meter zurück, vorherige Abzweigung und nun, wieder rechts und jetzt sollte sie erscheinen, aber wieder, keine Spur von einer Hütte. Nicht mal annähernd, hätte ja auch sein können, dass diese nicht mehr steht oder eingewachsen ist. Daher nochmal zurück bis auf den Hauptweg, Karte auf geklappt, draufgeschaut und na also das kann doch nicht so schwer sein, ganz deutlich muss das Häuschen hier irgendwo sein, dazu befand sie sich, so wie wir es auf der Karte entnehmen konnten an einer großen Wiese , was heißen würde, es müsste ja auch der Wald etwas lichter werden, aber hier an unserem Punkt, war nichts zu erkennen, dass die Bäume sich weiteten.

Ein gutes Zeichen, dass sich hier in der Nähe eine Wiese befinden müsste, war der uns entgegen kommende Traktor mit Heuwender. Also nochmal Anlauf genommen und die Wegführung besser studiert, an einem uns zuversichtlichen Abzweig eingebogen, um nach kurzer Zeit ( nun langsam an unserem Orientierungssinn zweifelnd ) erneut im Nichts zu stehen.
Das kann doch nicht wahr sein!!! Haben wir so wenig Ahnung vom Kartenlesen, oder spielt uns das Leben einen Streich. Mmm, runter mit den Rucksäcken und auf den Boden, die Karte erneut ausgebreitet, den Kompass dazu, so saßen wir da, an einer Wegekreuzung. Drei Möglichkeiten gab es, zurück oder vorwärts oder runter führend , sollte es nach Todtnauberg gehen, so stand es mal an einem Holzpfahl am Baum, neben uns, also wo ging es lang. Wir studierten die Wege hier in der Nähe, mit Hilfe der Karte, als plötzlich neben uns eine ältere Dame heran kam und grüßend an uns vorbei lief. Diese hatte ein Fernglas dabei, wobei uns der Gedanke kam, dass sie wohl von irgendwo hier oben eine Aussicht damit besichtigen wollte. Wir packten rasch zusammen und folgten dieser Frau, eventuell könnte sie uns doch Licht in unsere Verwirrung geben. So kam es auch, wir liefen ihr nach und nicht mal mehr 200 m weit entfernt erblickten wir die Dame, sitzend an einer Hütte mit einem wunderschönen Ausblick ins Tal. Da war sie, unsere Hütte!

Erleichtert endlich angekommen zu sein und ein Schlafplatz für die herannahende Nacht gefunden zu haben, setzten wir die Rucksäcke ab. Die Dame ging einen kurzen Moment später, genauso leise, wie sie uns erschienen war. Für uns war sie der rettende Engel , an diesem so schönen und auch anstrengenden Tourentag.
Was waren wir glücklich, so ein angenehmes und für unsere Verhältnisse top ausgestattetes Nachtlager gefunden zu haben. Wasser aus einer frischen Quelle, Grillstelle und ideale Möglichkeit zum nächtigen, dazu ein Ausblick, wie aus dem Bilderbuch, mehr braucht es nicht. Wer auch schon mal mehrere Tage unterwegs war, der weiß, oder kann unser Glück an dieser Stelle nachvollziehen. So genossen wir den Abend und ließen den aufregenden Tag Revue passieren, so ließen wir ihn bei einem wärmenden Feuer und einem kleinen Schnaps gemütlich ausklingen. Einfach herrlich, so in der Abenddämmerung, zur Ruhe kommen, abschalten, durchatmen. Was braucht man mehr.





Später krochen wir in unsere Schlafsäcke und schliefen wieder einmal unter Sternenhimmel und leichtem vom Wind durchsäuselten Blätterrauschen ein.

Der nächste Tag versprach genauso unsere Kräfte in Anspruch zu nehmen, war ein weiterer herausfordernder Anstieg geplant. Das dieser Tag leider ganz und gar nicht wie geplant verlief und warum wir unsere Tour komplett umschmeißen mussten, dass erfahrt ihr im schon bald erscheinenden weiteren Bloggbericht. Bis dahin, habt eine gute Zeit und Spaß beim anschauen der Bilder. Eure Heike und Jürgen