Wer diesen Blogverlauf gefolgt ist, wird sich eventuell wundern, dass jetzt hier nicht die zweite Etappe unserer Sommertour 2021/22 erscheint, sondern stattdessen der Säuling. Dieser befindet sich natürlich nicht im Schwarzwald, sondern im schönen Königswinkel des Allgäu. Genau gesagt ragt er direkt hinter dem Märchenschloss König Ludwigs bei Füssen empor. Mir liegt diese Tour aber am Herzen und da ich euch noch relativ zeitgleich dazu mitnehmen möchte, entschloss ich mich, sie kurzerhand noch auf den Blog zu bringen, bevor wir dann entspannt weiter durch den Schwarzwald wandern. Ja, ich habe bewusst die Sommertour als entspannt bezeichnet, da wir beide, mein Mann und ich auf dem Säuling an unsere Grenzen gegangen sind. Ich muss gestehen, wir laufen so oft es uns möglich ist und es darf gern mal in die Höhen gehen, aber mit dem ganzen Arbeits, – und Freizeitpensum, welches wir bewerkstelligen, war der Säuling dieses Mal für uns eine Herausforderung, obwohl wir sonst nicht schlecht zu Fuß sind. Was war dieses Mal anders, als bei unseren sonstigen Bergtouren?

Das war so. Wir arbeiteten beide bis zur letzten Minute, am letzten Freitag im September. Das Auto war noch in der Werkstatt, es sollte gleich noch die Sache mit den Winterreifen erledigt werden, ohne leidige Komplikationen ging das natürlich nicht von statten. Falsche Reifengröße wurde geliefert, die Nachlieferung kam erst am späten Nachmittag und wir saßen wie auf Kohlen, dass unser Mechaniker es noch halbwegs in einer passablen Zeit fertig montieren konnte, der arme Mann war wie wir fix und fertig, wollte er doch uns nicht den Urlaub verderben. Mit drei Stunden Verspätung konnten wir endlich losdüsen, fast vier Stunden Fahrt lagen vor uns und auf uns kam es an, den Schlüssel für das Gelände, ( Beitrag: Füssen- Und ein Sahnehäubchen…) welches wir gemietet hatten, bekam nur mein Mann als Ansprechpartner ausgehändigt. Alles wartete daher schon auf uns. Wir mussten ja noch unser Lager aufbauen, fast Mitternacht und mit beschränkter Lichtquelle.


Nach 1,5 Stunden waren wir mal provisorisch eingerichtet, somit gönnten wir uns mit Burkhard und Udo noch ein Betthupferl, alles weitere geht morgen bei Tageslicht viel besser.



Ja Tageslicht hatten wir und Nieselregen, welcher mal stärker und mal schwächer wurde. Für dieses Oktoberwochenende war ein Treffen mit einigen ehemaligen Kameraden der Bundeswehr angesetzt, der ein oder andere wollte ebenso, wie wir campen. Na das kann ja feucht fröhlich werden, bei anhaltenden Regen. Nach und nach kam der nächste angereist und es wurden zwei größere Zelte aufgebaut. Ein Lagerfeuer errichtet und der erste Abend wurde eingeleitet… huiiii war die alle glücklich und der Regen schien niemanden zu stören, mit ihren Bierchen in der Hand, am wärmenden Feuer, war die Welt in Ordnung.

Wir genossen das Beisammensein bis zum Montag, der Feiertag kam gerade recht, die meisten nutzten das lange Wochenende, um glückselig unter Gleichgesinnten in Erinnerungen zu schwelgen. Zwischendurch hatte die Sonne auch mal auf uns herunter geschienen, so das, dass ein oder andere Kleidungsstück wieder trocknen konnte. Es war für mich und Jürgen ein sehr schönes Wochenende, auch wenn wir für das leibliche Wohl sorgten, war es eigentlich wie eine große Familienfeier. Am Montag Mittag hieß es dann, für längere Zeit wieder Abschied nehmen und für unser Orgateam … ja abbauen, so nass, wie die Zelte nun auch waren.
Da saßen wir nun, Jürgen und ich, nur noch zu zweit, in Füssen. Jetzt konnte unser Urlaub beginnen, als erstes suchten wir eine Unterkunft, da wir ja nun schon mal aufs Camping eingestellt waren, stand auch gleich fest, dass wir dabei blieben. So fanden wir einen wirklich wunderschönen Platz auf dem Areal vom Campingplatz Bannwaldsee. Herrlich, so eine heisse Dusche , in sauberer Anlage, also die kann einem richtig Lebenskraft zurückgeben. Die Sonne begleitete uns bis in den frühen Abend hinein, so das wir die feuchten Klamotten aufhängen konnten, das Auto mal durchlüftet, so schliefen wir gleich nochmal so gut und bequem ein.







Am Dienstag organisierten wir ein paar Dinge für uns, so dass wir am Mittwoch ausgeruht und voller Willenskraft an die Bergtour über den Säuling aufbrechen konnten. Immerhin hatten wir noch eine Herzensangelegenheit eingebaut, der wir auch gerecht werden wollten.

Endlich ging es los! Bergstiefel geschnürt, Tagesrationen im Rucksack verstaut und noch ein Maskottchen neben unseren Rabe Munin mit eingepackt, Mr. Pfiff Ikus , er sollte den Startpfiff geben, für unser Video. Wir parkten unser Auto unterhalb von den Königsschlössern und folgten den Wegweisern , Säuling 4.45 h stand da auf der Beschilderung, da ist nur der Aufstieg damit gemeint. Na dann mal los, immer schön bergauf.
Den ersten Stopp machten wir auf der Marienbrücke, ich war noch nie dort ganz drüber gelaufen, wollte auch unbedingt noch Neuschwanstein von dieser Seite fotografieren.



Weiter ging es den breiten Forst,-und Wanderweg aufwärts, bis wir kurze Zeit später eine kleine Pause machten. Nein , nicht etwa um zu verschnaufen, sondern den ersten Teil der Aufgabe zu erfüllen, welche wir umsetzen wollten. Hierbei ging es, um etwas tiefgründigeres.


Wir unterstützten, stellvertretend im Namen von Fernspäher-helfen e.V., den Spendenlauf für eine befreundete Kameradschaft, welche damit auf gefallene Kameraden, aufmerksam machen möchten. Auf einer Strecke von mindestens 10 km, sollten 116 Liegestützen absolviert werden. Jeder Liegestütz steht für einen im Einsatz gefallenen Kameraden. Also runter auf den Boden und die ersten 20 gestemmt. ❤️
Nach diesem sportlichen Stopp, ging es weiter hinauf, bis wir direkt unterhalb des Säuling standen. Hier legten wir aber eine kurze Pause ein, ein Schluck trinken, einen Power Riegel und weitere 20 Liegestützen ❤️



Danach folgten wir dem schmalen Pfad aufwärts führend in den Wald. Wir stiegen über die ersten Wurzeln und die ersten Steine hieß es zu übersteigen, es wurde anstrengender, doch die urig wilde Natur hier macht es lohnenswert. Die alten knochigen Bäume wiegten sich in der lauen Morgenluft.

Die Temperatur war auf dieser Seite des Berges sehr angenehm, wir liefen auf der schattigen Seite und im Schutz der Baumkronen. Schon bald kamen wir an eine kleine Hütte, hier hielten wir an und es gab das erste richtige Vesper, dazu heißen Tee und weitere 20 Liegestützen. ❤️ Die Wildsulzhütte auf 1.430 m üNN, eignete sich hervorragend, um nochmal Kraft zu tanken für den nun vor uns liegenden Aufstieg.









Diesen Abschnitt der Tour habe ich sehr genossen. Man steigt kurz ein paar Meter hinauf und danach verläuft der schmale Weg relativ gerade am Berg entlang, bevor er oben auf den Anfang vom Klettersteig ( Kategorie A/B) trifft. Dazu hat man immer wieder einen guten Blick rüber zu den ebenfalls sehr empfehlenswerten Tegelberg und Brandenschrofer, das sind die Ausblicke, die mich immer wieder antreiben, solche Bergtouren in Angriff zu nehmen und natürlich das Glücksgefühl oben anzukommen, wie ebenso gesund wieder runter vom Berg.
Da standen wir nun also vor der letzten Etappe des Aufstiegs, der Klettersteig führt uns direkt auf das Plateau des Säulings. Paar Höhenmeter weiter, entschieden wir uns einen Teil des Videos aufzunehmen, somit hieß es zwischendurch den einen Abschnitt zweimal klettern und damit wir nicht einrosten, gleich die nächsten 20 Liegestützen ❤️



Gegen die Mittagszeit überwanden wir die letzten Meter bergauf, um dann das weite vom Herbst gefärbte Plateau zu erreichen. Hier ließen wir uns erstmal auf der Wiese nieder. Wir verweilten einige Minuten und genossen die unendliche Aussicht, in die ringsum liegenden Ammergauer Alpen. Der Tegelberg und Brandenschrofer in voller Größe, der Forggensee und das Schloss Neuschwanstein sahen von hier ganz klein dagegen aus und auf der anderen Seite herunter geschaut lag dort das österreichische Reutte, mit der weiten Bergwelt Österreichs. Wir liefen noch ein Stück hoch in Richtung Gipfelkreuz, da wir dort die verbliebenen 36 Liegestützen absolvieren wollten. Doch es kam etwas anders, die Sonne brannte uns regelrecht auf die Haut und wir entschlossen uns, die Liegestützen auf dem Plateau zu vollenden , da wir noch Kräfte für den Abstieg brauchten. So bauten wir die Handys zum Fotografieren auf und brachten uns in Position, dann ging es wieder runter und 1, 2, 3… 36 Liegestützen mit unermüdlicher Willenskraft stemmten wir diese, bis zum letzten Schweißtropfen. Wir erhoben uns und hielten einen Moment inne.















So langsam sollten wir den Abstieg angehen, wer weiß schon, was einem an so einem Berg noch begegnet oder das Sonnenlicht noch anhält. Wir kletterten also vorsichtig den Klettersteig zum Säulinghaus ( 1720 m ü.NN ) hinunter, diesmal kam er mir irgendwie herausfordernder und länger vor, als vor drei Jahren, somit war ich froh , als wir ihn hinter uns ließen und das Gasthaus vor uns lag.




Die Sonne stand mittlerweile etwas tiefer und brannte unerlässlich auf uns nieder, so gab es schnell noch mal was gegen den Durst, dann ging es zügig weiter. Wir entschieden uns ja die Rück- Tour um den Pilgerschrofen ( 1759 m ü.NN ) zu nehmen und so lag das weite Geröllfeld ohne Schatten, vor uns. Unter der Herbstsonne, das zerrte an meinen Kräften. Ich sehnte mich nach dem Schutz der Bäume, von weiten konnte ich sie schon sehen, aber ich hatte nicht das Gefühl das ich näher kam. 🥵



Doch irgendwann kamen wir dann in den Genuss, unter einem Baum im Schatten zu verschnaufen und genossen die schönen weiten Ausblicke ins Lechtal.





Der schmale Pfad führte direkt am Felsen entlang, der Boden wurde wieder etwas bewachsener und unter dem Schutz der Bäume war es dann auch angenehmer zum Laufen. Und doch urplötzlich musste ich innehalten. Ich stoppte Jürgen im Gespräch und deutete ihm mit einem Handzeichen, dass wir jetzt ganz ruhig sein sollten. Ganz schnell lag eine friedliche Stille um uns herum, nicht mal den Atem hörte man noch. Keine 10 Meter vor uns standen sie, seelenruhig beim Abendessen, mitten auf dem Weg, auf welchen wir entlanglaufen wollten, um nach unten zu gelangen.

Wir befinden uns ja, wenn wir hier in der Füssener Region wandern, ob nun Tegelberg oder Säuling oder eine andere Tour, im wunderschönen Königswinkel. Benannt nach unserem Märchenkönig Ludwig II, welcher für den Bau des Schlosses Neuschwanstein bekannt ist. Doch es lebt noch eine Majestät hier in den Bergen und genau diese stand nun fast genau vor uns, mit ihm seine Königin. Die Rede ist von einem Steinbock und seinem Weibchen.


Wie gesagt, wir hielten den Atem an, damit sie sich nicht erschrecken und sich gestört fühlen. Wir gingen ein bisschen zurück in sichere Entfernung, dort nutzte ich den Augenblick, um diese wunderschönen majestätischen Tiere zu fotografieren und um mich mit Jürgen zu beraten, wie wir weiter vorgehen. Immerhin müssen wir ja doch weiter und an ihnen vorbei, wenn wir heute noch zurück zum Campingplatz kommen wollten. Wir behalfen uns mit Tipps aus dem Internet, wobei da nur stand, was passiert, wenn wir uns nicht sachgemäß verhalten. Also blieb nicht anderes übrig als ganz RUHIG an ihnen vorbei zu wandern, ich direkt hinter Jürgen, dabei nicht den Tieren in die Augen schauen.
Wooooow, 🥵 was für ein abenteuerliches Erlebnis. Dieses werden wir wohl nicht so schnell wieder vergessen, genauso wie der weitere Abstieg, welcher partout nicht enden wollte, wir sollten doch eigentlich so langsam mal wieder an der Wildsulzhütte ankommen, danach liegen dann immer nochmal 1,5 Stunden Fußweg bis zum Parkplatz von Hohenschwangau, unserem Ausgangspunkt, vor uns.

Das Tageslicht neigte sich dem des Abendhimmels, wir hatten zwar vorbereiteter Weise Stirnlampen dabei, aber über Wurzeln und Gestein bergab, war es uns lieber, wir würden vorher noch den ausgebauten Wald,- und Forstweg erreichen. Mit ein bisschen Tempo und Trittsicherheit gelang es uns, schon mal die Hütte zu erreichen, von hier aus war es nur noch ein Katzensprung für uns, auf den Forstweg zu kommen, war uns der Weg noch in guter Erinnerung geblieben, da wir ihn erst heute Morgen bergauf gelaufen sind.
Nun auf ausgebauten Wege angekommen, liefen wir die letzten Kilometer dieser wunderbaren Tour hinab zum Schloss Hohenschwangau. Was soll ich sagen, gingen wir doch irgendwie beschwingt und freudestrahlend glückselig dem Abendrot entgegen. Was für ein für uns erfolgreicher, abenteuerlicher, ereignisreicher Tag, an einem Berg in herrlich uriger Natur, mit super schönen, traumhaften Ausblicken.


Auch wenn wir zwischendurch ein bisschen geflucht haben, muss ich gestehen, schon während ich hier schreibe, durchströmt mich eine unheimliche Sehnsucht, wieder auf eine ähnliche Tour zu gehen. Die ganze Welt mit ihren Sorgen und Problemen mal ausschalten , denn am Berg sollte der Kopf immer auch am Berg sein, sich auf den Weg konzentrieren und achtsam laufen, nur so sieht man die kleinen, oder doch die größten Naturschönheiten, die das Leben so lebenswert machen.
So schwelgen wir noch ein bisschen in Erinnerung und freuen uns auf das nächste Abenteuer, weiter gehts dann mit der zweiten Etappe unserer Sommertour 2021/22 , versprochen ✌️ bis bald Heike und Jürgen
http://www.camping-bannwaldsee.de