Im heutigen Ausflug nehm ich euch mit, auf eine kleine Tour, wieder hier ins Wiesental. Die kleine Gemeinde Utzenfeld ist unser Ausgangspunkt. Sie liegt an der B317 zwischen Schönau, der Geburtsstadt von Jogi Löw, den Fußballfans unter uns ist dieser Name ein Begriff und Todtnau, welches bekannt ist durch seine vielen kleinen Touristenattraktionen, wie den Wasserfällen, der Sommerrodelbahn, oder der Steinwasenpark. Uns hat es aber nicht deswegen hier ins Obere Wiesental gezogen, nein wir waren wieder mal auf Erkundungstour. Das erklärt sich so, Utzenfeld ist uns bekannt, hier wohnte Onkel Werni. Wenn wir mal bei ihm zu Besuch waren, fiel mir schon von dessen Haus aus ein Baum oben auf einem Felsen auf. Was ist da oben? Und wie kommt man dahin? „Das ist der Utzenfluh und man kann dort hoch laufen, gibt a kleine Weg hinauf“. Danke für die kurze und bündige Antwort, lieber Werni, aber das reicht mir noch nicht! „Jürgen! Das muss ich auskundschaften!“





Schon auf der Sommertour im letzten Jahr, da sind wir nämlich auch durch Utzenfeld gewandert, kam mir das wieder in den Sinn. Wir waren immer noch nicht dort oben und ich weiß immer noch nicht, was dort alles ist. Nur ein Baum, oder doch noch mehr und wie ist die Aussicht von dort, wie weit kann ich überall hinblicken? Also so geht das nicht! Und nun endlich dieses Jahr im April, genau gesagt, am Ostermontag nahmen wir uns die Zeit und planten eine kleine Tour. Jürgen kam noch der spontane Einfall, gleich bis Todtnau hinter zu laufen, da es dort noch den Brandfelsen gibt, auf dem ein Kriegerdenkmal steht, welches die Form eines Schwertes hat. Jedes Jahr am Karfreitag findet ein Gedenkmarsch von der Fahler Kaserne bis dorthin statt, zum Gedenken an die gefallenen Soldaten. So hatten wir gleich wieder eine Tour mit ordentlich Kilometern beisammen und einem ehrenhaften Sinn dazu. Und somit ging es dann also wieder los, mit geschnürten Bergstiefeln, Rucksack und Kamera.

Wir parkten im Morgengrauen unser Auto am Rathaus von Utzenfeld und stiefelten den gleich dahinter beginnenden Wanderweg hoch zur ausgeschilderten Lourdesgrotte und Engelsweg. Da es sehr früh am Morgen war, hing an den Gräsern und Pflanzen noch der Tau, eine friedliche Ruhe lag in der Luft und nur das leise plätschern der Quelle war zu hören.



Ich schoss die ersten Fotos und sogleich setzten wir unsere Wanderung fort, weiter ging es bergauf und das noch vor dem Frühstück, mit nur einem Kaffee im Magen. Ist bergauf zu laufen eigentlich genehmigt an einem Feiertag? Der Weg ist hier steinig, felsig mit Farnen und knorrigen Bäumen am Rand, es wirkt alles bisschen rau und man muss sich doch ganz schön hochkämpfen, bis man oben auf den kleinen Utzenfluh ankommt. Hier lässt die Sonne die weite sattgrüne Wiese mit ihren Tautropfen im Morgenlicht glitzern. Das gefällt mir, wobei die Anstrengungen des Aufstieges auch gleich in Vergessenheit geraten. Jetzt hüpfe ich wieder hin und her, mache Fotos vom Ausblick, von der Wiese und den großen und kleinen Schönheiten hier oben.









Bis ich dann endlich meinen Kaffeedurst verspüren und mich doch kurz dazu hinreißen lasse, mich auf meinen Hosenboden ( Hintern) zu setzen und inne zu halten. Wenn es einen kleinen Utzenfluh gibt, dann muss es demnach auch einen großen Utzenfluh geben. Also auf gehts, schauen wir mal was sich uns da noch auftut. Wir setzen die Füße wieder nach einander in Bewegung und begeben uns auf den uns nach oben führenden Waldweg. Die Vegetation ist urig. Der Wald zeigt sich hier in einem von eher mehr Laubbäumen bewachsenen Gegend, am Boden findet man nun mehr und mehr Stein und Geröll durchblitzen und karge Sträucher wachsen wild mittendrin. Immer wieder liegen Steine auf dem Weg und es wirkt etwas unaufgeräumt, doch es hat irgendwie doch alles seinen Platz, also die Natur, würde ich sagen, ordnet sich wieder selbst.




Hier oben dann wird der Weg nicht wirklich deutlich ausgeschrieben, wir halten uns eher links und immer weiter aufwärts der freien Viehweide entgegen, überall sind die Trampelpfade der Rinder noch zu erkennen, welche wohl ihre Sommerresidenz hier haben, aber im April sind sie noch nicht aufgetrieben. Noch wird es zu kalt sein in den Nächten. Endlich erreichen wir die Anhöhe des großen Utzenfluh und hier komm ich sogleich ins Staunen, welch herrliche Natur ist das doch. Vereinzelt ragen Felsen aus der Weide und die Gräser wachsen wild, bilden eine herrliche Grasfläche. Eine Erscheinung lässt mich komplett verblüfft innehalten. Ich bin ein bisschen überwältigt von dieser ausschweifenden Größe der nun vor mir stechenden Buche. Ihre Krone ist so weit und gleichmäßig breit gewachsen, dass ich in diesem Moment wusste, diese gewiss „alte“ Schönheit muss ich im Sommer nochmals aufsuchen und fotografieren. Der Baum hat mich an diesem Tag im April schon sprachlos gemacht, nur in seiner noch kahlen Frühjahrstracht. Wie gewaltig und schön muss er wohl erst sein, wenn sich dann sein Blätterkleid ganz und gar entfaltet hat. Das Sommerkleid der Buche, wie wird es wohl aussehen.




Ich bewundere ihn noch einmal, bevor es weiter geht, Jürgen ist schon voraus gegangen. Der Pfad steigt weiter bergauf, wir waren also noch nicht ganz oben, aber so langsam darf es mal weniger werden, das artet ja in Anstrengung aus, dabei sind wir doch nicht mal in den Bergen!
Aber wie herrlich ist doch die Aussicht, das vergnügt mich wieder und es spornt mich an weiter zu laufen, Schritt für Schritt wird es dann leichter. Wir befinden uns in einem Naturschutzgebiet und genauso sieht es auch aus, einfach unsagbar wunderschöne Natur, Tannenbäume, Wiese, Felsen , ein herrlicher Waldrand und Blumen. Jetzt wird es aber Zeit fürs Frühstück, immerhin gehts schon auf 9.00 Uhr zu und hier oben, bietet sich es ideal an, zu verweilen, schon allein die Ruhe und Abgeschiedenheit von all dem Trubel im Alltag, dazu der Ausblick. Alle Anstrengungen sind sofort vergessen und wir vespern gemütlich auf einem Felsen, der sich gerade wunderbar dazu anbietet.




Nach einer halben Stunde, brechen wir wieder auf, nochmal ein kurzes Stück bergauf, dann verlassen wir den Utzenfluh und biegen rechts auf den Wanderweg in Richtung Todtnau. Der Weg ist gut zum laufen, breit und geradeaus führend, läuft es sich schon viel lockerer und leichter. Wir befinden uns oberhalb von Schlechtnau, von hier kann man ins Tal hinter schauen bis zum Feldberg oder zum Hasenhorn.






Dann gehts weiter und wir kommen in das Waldgebiet, wir halten uns Richtung Todtnau, Feriendorf ist ausgeschrieben, so orientieren wir uns. Zwischendurch hat man immer wieder mal freie Ausblicke, wie zum Beispiel auf die Sommerrodelbahn.


Plötzlich hört man ein leises Rauschen aus der Ferne und schon erblicke ich auf dem gegenüberliegenden Berghang die Todtnauer Wasserfälle, Kamera raus und los fotografiert.

Wir kennen ja die Orte hier und den Straßenverlauf, somit folgen wir instinktiv der Route, und stoßen schon bald auf die ersten Häuser des Feriendorfes. Sie sind Terrassenförmig angelegt, womit uns die Teerstrasse nach unten führt. Wir finden am Rand ein Wegweiser mit der blauen Raute und biegen auf den angenehmeren Trampelpfad durch den Wald hinunter nach Todtnau ab. Es eröffnete sich uns unten angekommen eine Wohnsiedlung , welche wir durchlaufen bis zum Marktplatz an der großen zweitürmigen St.Johannes der Täufer Kirche.

Dort suchen wir uns wieder Wanderschilder, um den Weg zum Brandfelsen herauszufinden. Zum Glück ist der nicht mehr so weit, es geht langsam auf Mittag zu und die Sonne brennt mittlerweile ganz schön heiß herunter und das im April. Den Rückweg sollten wir auch nicht aus den Augen lassen, immerhin beträgt dieser ca. 7 km, aber daran denken wir später, jetzt wollen wir erstmal hoch zum Denkmal. Wollen hoch, schon wieder bergauf? 🥵 Also gut, aber zum letzten Mal heute bitte!

Nachdem wir den letzten Aufstieg an diesen warmen Frühlingstag hinter uns gebracht haben, befinden wir uns ehrfürchtig vor dem riesigen Schwert aus Beton. Es ragt mahnend in den so blauen Himmel und wir stehen schweigend und bewegt davor. Es berührt einen schon, wenn man die Namen liest, natürlich kennen wir niemandem davon, trotzdem geht es nicht spurlos an uns vorbei. Gerade in diesen Zeiten nicht, wo dieses Thema wieder aktuell ist. Ist es nicht genug?



Wir setzen uns auf eine der Bänke hier oben bei dem Denkmal hoch über Todtnau und machen eine letzte Pause, bevor wir den Rückweg antreten.


Vom Todtnauer Busbahnhof bis zum Bahnhof in Zell fuhr von 1889 bis 1967 das Todtnauerli. Heute führt ein Radweg entlang der ehemaligen Bahnstrasse, welchen wir benutzten, um nach Utzenfeld zurück zu wandern. Er liegt flach verlaufend im Tal und man kann entspannt den Weg bis vor schlendern oder Rad fahren oder wie wir wandern. Das Flüsschen Wiese begleitet uns wieder hier vorwärts in Richtung Basel fließend und wir können in jedem kleinen Örtchen auf Schautafeln die Geschichte des Todtnauerli‘s und den ehemaligen Haltestellen dieser Schmalspurbahn lesen.



Ich glaube, auch wenn die Zeiten damals sicher sehr hart waren, muss es wunderbar gewesen sein, hier zu leben. Die Berge die hier an den Seiten hinauf ragen und das urig, romantische Tal, welches sich dadurch bildet , mit seinen dichten Wäldern, den kleinen Flüssen und die herrlichen Wiesen in den oberen Höhenlagen, haben etwas so gemütlich heimatliches , dass das Leben trotz harter Arbeit, doch sehr lebenswert gewesen sein muss. Mich entschleunigen unsere Wanderungen immer, wenn wir im Wiesental unterwegs sind, hier schalte ich den Kopf ab und genieße die Momente. An hektischen Tagen, träume ich mich dann zu besonders schönen Orten, wie zum Beispiel der Wiese mit der riesigen Buche in ihrem Sommerkleid.

Und genau hier zurück in Utzenfeld beginnt dann auch der erste Abschnitt der Tour zum Ende unserer Sommertour vom letzten Jahr, als wir oberhalb von Todtnauberg wetterbedingt abbrechen mussten. Wie das alles zusammenhängt und was wir 2021 in 5 Tagen und diesen Sommer an 2 Tagen alles erlebt haben und wieviel Kilometer wir dann am Schluss bewältigt haben, das ist ne lange Geschichte, daher seid gespannt. Ich sortiere derweil meine Erinnerungen und fang an zu schreiben, damit wir dieses Jahr noch fertig werden, denn die nächsten Touren sind schon geplant. Bis dahin bleibt relaxt und genießt die Zeit. Eure Heike