Eisenbahnromantik – Das Kandertalbähnle

Immer wieder Sonntags, ab Anfang Mai bis Mitte Oktober fährt es das „Chanderli“, wie sie hier in ihrer Heimat dem Südschwarzwald liebevoll genannt wird. Und somit gehts los, ich nehme euch mit auf einen kurzen Trip in die Vergangenheit, kurz gesagt ins Jahr 1895. „Alles einsteigen, bitte!“

Und so schaut sie aus, die kleine dampfende, pfeifende Nebenbahn aus dem Süden Baden Württembergs. Wie schon kurz erwähnt wurde sie , nun genau gesagt, am 01.05.1895 in Betrieb genommen und fuhr dann fast 100 Jahre täglich hier im lieblichen Kandertal von einer Station bis zur nächsten und beförderte nicht nur Personen. Seit dem ersten Mai 1986 wird sie als reine Museumsbahn mit allen Stationen, in Stand gehalten und betrieben. Dieser ehrwürdigen, umfangreichen Aufgabe haben sich der Zweckverband Kandertal und der Kandertalbahn e.V. gewidmet, was ausschließlich ehrenamtlich umgesetzt wird. Dies umfasst nicht nur die Erhaltung der Fahrzeuge, sondern auch die Unterhaltung der Strecke, welche immerhin ca. 13 km lang ist. An dieser Stelle möchte ich meine Anerkennung für diese Menschen aussprechen, welche es uns ermöglichen, an einem solchen Erlebnis teilhaben zu können und die kurze aber sehr abenteuerlich, romantische Zugfahrt zu genießen.

Und nun geht die Reise los! Wir stehen am Bahnhof von dem kleinen Örtchen Haltingen ( in der Nähe von Weil am Rhein) und schauen dem bunten Treiben zu. Da laufen Sonntagsausflügler mit ihren gesamten Familienmitgliedern, Oma , Opa , Onkel, Tante, Vetter und Cousine dritten Grades , Kinder , Hund, Katze, Maus … aufgeregt zum Bahngleis. Was in aller Welt pfeift denn da so durch die morgendliche Ruhe und bringt die Menschen hier dazu, so freudestrahlend sich in eine einzige Richtung zu bewegen? Und schon kann ich sie sehen, die dampfende, schnaufende metallisch schwarz glänzende Chanderli. Alle wollen einen Blick aus der Nähe erhaschen und sich noch schnell mit ihr fotografieren lassen, bevor der Schaffner alles zum Einsteigen auffordert. Einen schönen Platz wollen wir ja auch noch ergattern, immerhin fahren wir nicht jeden Tag mit so einem Erlebniszug. Wir werden in einem Abteil relativ in der Mitte fündig , passt zu uns „Arbeiterklasse“ , mehr können wir uns nicht leisten, jeder zu seines Gleichen 😅

Wir tuckerten also mit einer angenehmen Geschwindigkeit durch die herrliche Landschaft, erblickten auf den Feldern Störche und in den Gärten, der an den Bahngleisen, angrenzenden Häuser wildromantische Bauerngärten oder urige Hinterhöfe und wenn wir genauer hingesehen hätten, bestimmt auch die ein oder andere Unterhose auf der Wäscheleine 🤭

Ein starkes Schnauben und ein freundliches Pfeifen deuten darauf hin, dass es jetzt los geht und mit einem kräftigen Ruck setzt sie sich auch schon in Bewegung. Ich stehe am Fenster und versuche die Lok in voller Fahrt zu filmen, dafür muss ich die Kurven abwarten. Es will mir aber per du nicht gelingen, und dann höre ich einen Satz , der mich kurzfristig in meine Kindheit zurück versetzt: „ Setz dich Kind, oder du fällst noch raus!“ ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass meine Eltern gerade zu Besuch bei uns waren und ich auf ihren Wunsch diesen Ausflug unternommen habe, welchen ich sehr gern nachgekommen bin. Ich mag diese Trips in vergangene Zeiten, Burgen, Bauernhäuser, Museen oder wie an diesem Sonntag im Juli, in einer mit Kohle betriebenen Dampflok und dazugehörigen Waggons fahren. Aber zurück zu Mutti‘s Bedenken. Nein meine liebe Mama ich falle nicht raus, weil dies eigentlich praktisch physikalisch nicht umsetzbar ist/war , da das Fenster gar nicht ganz geöffnet werden konnte, nur meinen Kopf und die Arme hatte ich etwas hinaus gehalten, um zu Filmen und zu fotografieren. Aber ich kam ihrer Bitte für einen kurzen Moment nach, damit auch sie in Ruhe und ohne Ängste ums „Kind“ ihre Zugfahrt genießen konnte.

Die gesamte Strecke umfasst sechs Stationen und es wird beim passieren oder auch halten ordentlich gebimmelt und gepfiffen. Des Weiteren stößt die Kandertalbahn diese Töne aus, wenn sie an einem Bahnübergang ohne technische Sicherung vorbeifährt, um vorzuwarnen, Abstand und Vorsicht an dem Bahngleisen! hier kommt das Chanderli. Daher auch der Name Bimmelbahn.

Nach einer ca. Dreiviertelstunde wird unser Tempo gedrosselt und wir bewegen uns zuckelnd auf die Töpferstadt Kandern zu. Unser Eintreffen wird in lauten Tönen bekannt gemacht und so werden wir von freundlich, winkenden am Bahnhof wartenden , weiteren Sonntagsausflüglern begrüßt. Sobald die Lok zum Stillstand gekommen ist und wir uns nach draußen begeben haben, ergreife ich die Chance, die einzelnen Waggons ohne Passagiere zu erkunden und bildlich festzuhalten.

Danach schlenderte ich quietschvergnügt über den Bahnhof zu meiner Familie und wir besprechen den weiteren Tagesverlauf, wobei wir uns erstmal einstimmig für ein Eisbecher entschieden , da es am heutigen Tag schwülwarm ist. Der Fahrtwind vom Chanderli sorgte übrigens für angenehme Abkühlung.

Kandern ist ebenso ein schönes Ausflugsziel, in diesem kleinen Städtchen gibt es einige herzige, liebevoll gestaltete Häuser mit reizenden Vorgärten und es befinden sich ein paar sehr schöne gemütliche Wirtschaften mit schmackhaften regionalen Speisen vor Ort, oder auch internationaler Küche. Daher hab ich noch ein paar Eindrücke von Kandern für euch festgehalten, vielleicht ist es ein Anreiz, mal in unsere Gegend zu kommen… doch nun erstmal viel Spaß mit den Bildern. Bis bald hoffentlich, ich mach mich schon an die nächsten Bilder, diesmal wird es recht farbenfroh und dieser Duft , wo werd ich da bloß wieder rumgelaufen sein? Seid gespannt, Eure Heike.

Für weitere Infos zum Chanderli:

http://www.kandertalbahn.de

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